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Martin Müller hatte sein betagtes Tier seit Freitag letzter Woche vermisst. Frost und Nässe, vermutet er, hatten die Lederriemen, mit denen seine Greifvögel fixiert sind, brüchig gemacht. Der Wind trieb den Vogel dann nach Norden. Ohne menschlichen Bezug, lassen sich die Tiere gerne davon wehen.
Bei dem zunächst flüchtigen Greifvogel (wir berichteten) handelt es sich um eine Kreuzung aus Sakerfalke und Gerfalke. Letztere ist besonders groß, die Sakerfalken, Steppenbewohner Osteuropas und Asiens, sind dafür sehr robust. Eine Zeit lang war dieser Eigenschaften-Mix sehr begehrt für die Beizjagd. Martin Müller hatte das Weibchen 1995 selbst gezüchtet. Vor zwei Jahren legte es zuletzt Eier und erfreute ihn mit zwei Jungtieren. Seitdem genießt die betagte Falkendame bei Martin Müller das Gnadenbrot.
Diesen Speiseplan aus vorwiegend Hühnerküken hat sie in Mühlhausen um eine ausgewachsene Legehenne bereichert. Der Appetit hat auch das Ende der kurzen Freiheit zur Folge.
Anhand der Beringung erkannte Helmut Kraus, dass der Besitzer des Falken im Raum Kehlheim zuhause sein müsste. Nach wenigen Telefonaten wurde er fündig.
Martin Müller hat sich inzwischen schon für die Verpflegung seines weiblichen Falken mit Futter für den Eulenhof revanchiert und will auch der Mühlhausener Familie, die nun eine Henne weniger hat, Schadenersatz leisten.
Ob der Saker-Ger-Falke auch für die Meuchelei an mehreren Hühnern im Landl verantwortlich ist, von der die Neumarkter Nachrichten unterrichtet wurden, ist die Frage.
Es gibt, zum Glück und dank konsequenten Schutzes, wieder eine größere Population von Habichten in unserer Gegend. Der Hacht, das weiß der Hühnerhalter, schlägt auch mal gern eine Henne.
Vor dem kleineren Sperber müssen sich eher die Tauben in Acht nehmen. Hans Kraus päppelt derzeit einen Sperber auf, der sich entweder bei einem Verkehrsunfall oder beim Flug gegen ein Fenster ein so genanntes Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hat. Noch muss er mit mehr oder weniger sanfter Gewalt gefüttert werden.
Über den Berg ist ein verletzter Wespenbussard, der ebenfalls bei Helmut Kraus in Pflege ist. Von einem Züchter aus Südtirol, wo dieser Greifvogel recht häufig ist, hat der Eulenhof-Chef erfahren, dass Wespenbussarde nicht nur auf bienenartige Stachelträger stehen, sondern auch Honig lieben.
Offenbar brauchen sie die darin enthaltenen Nährstoffe und Mineralen, um mausern zu können, also das Federkleid zu wechseln.
Da Wespenbussarde den Winter in Afrika verbringen, muss das Tier im Eulenhof noch bis zur nächsten Mauser warten, bis es ausgewildert werden kann. Den Aufenthalt versüßt eine Honigdiät.

