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Die Tore bekamen in Kriegen das meiste ab

Stadtarchivar Frank Präger hatte am Weltgästeführertag zu einem Spaziergang um die Stadt eingeladen - 21.02.12

NEUMARKT  - Die mittelalterliche Befestigungsanlage Neumarkts zeichnet sich aus der Vogelperspektive deutlich ab. Doch von den beiden Toren, die Zugang über die Marktstraße erlaubten, ist nur noch eines vorhanden und das ist ein Nachbau. Das Klostertor stammt aus einer späteren Epoche.

Zweite Station des Stadtspaziergangs war das Klostertor. Es verdankt seine Existenz der Bequemlichkeit der Kapuzinermönche, die nicht um die halbe Stadt herum laufen mochten.
Zweite Station des Stadtspaziergangs war das Klostertor. Es verdankt seine Existenz der Bequemlichkeit der Kapuzinermönche, die nicht um die halbe Stadt herum laufen mochten.
Foto: Christian Biersack
Zweite Station des Stadtspaziergangs war das Klostertor. Es verdankt seine Existenz der Bequemlichkeit der Kapuzinermönche, die nicht um die halbe Stadt herum laufen mochten.
Zweite Station des Stadtspaziergangs war das Klostertor. Es verdankt seine Existenz der Bequemlichkeit der Kapuzinermönche, die nicht um die halbe Stadt herum laufen mochten.
Foto: Christian Biersack

Zum Weltgästeführertag hatte Stadtarchivar Frank Präger am Sonntag zu einem Spaziergang eingeladen und im Schutz der Arkaden am Unteren Tor hatten sich trotz des unsicheren Wetters doch einige interessierte Neumarkter eingefunden. Im Folgenden ein Auszug aus dem mit kleinen Anekdoten gewürzten Vortrag Prägers.

Heute, erklärte er an Ort und Stelle, böten solche Stadtmauer-Durchbrüche Fußgängern und Autofahrern einen ungehinderten Zugang zur Altstadt. Das sei aber nicht immer so gewesen.

Denn als die Marktsiedlung mit dem 1235 erstmals urkundlich belegten Namen „novum forum“ an der Handelsstraße von Nürnberg nach Regensburg angelegt wurde, besaß sie nur zwei Stadttore. Das Untere Tor hieß damals Spittlertor (wegen des davor gelegenen Spitals) bzw. Nürnberger Tor.

Unter Beschuss der Schweden

Viele Jahrhunderte lang waren das die einzigen Durchlässe durch die vor feindlichen Angriffen Schutz bietende Stadtmauer. Besonders die Tortürme über den beiden Stadttoren trugen aber in Kriegszeiten mehrfach stärkere Beschädigungen davon, erzählte Präger. Bei der Belagerung durch die Nürnberger während des Landshuter Erbfolgekrieges 1504 wurde der untere Torturm schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der obere Torturm stand 1633 während des Dreißigjährigen Kriegs unter Beschuss der Schweden, wobei ein Korporal getötet wurde. Nach der Eroberung der Stadt brachten die Schweden die beiden beschädigten Geschütze des oberen Turms nach Nürnberg.



Als 1628 mit der Gegenreformation zunächst Jesuiten, dann Kapuziner in die Stadt kamen, wurden diese der Hofkirche zugeteilt und wohnten zunächst in der Stadt.

Vom neu gebauten Kapuzinerkloster hatten die Herren Mönche nun einen langen Weg zu ihrer Kirche um die Mauer herum zum nächsten Tor zu laufen und baten um einen Mauerdurchbruch.

Dagegen setzte sich der Magistrat lange zur Wehr, doch erlaubte der Kurfürst 1674, ein Türlein durchzubrechen. 1686 hatte sich die Stadt mit den Verhältnissen abgefunden und pflasterte den Zugang zu der Tür. 1835 kam als vierter Mauerdurchbruch das Hallertürlein (an der Hallertorstraße) hinzu.

Den Magistrat hatte auch überzeugt, dass mit Toren und gepflasterten Straßen über den Zoll gutes Geld zu verdienen war. Auch Bürger profitierten davon. Einen Gulden und dreißig Kreuzer wöchentlich gab es für die Bewachung der Stadttore und des Pulverturms, vierundzwanzig Kreuzer erbrachte wöchentlich der Wachdienst beim Klostertürlein.

1871 musste das Obere Tor im Zuge des Eisenbahnbaus weichen, als die neue Verbindungsstraße von der Altstadt zum Bahnhof neue Akzente im Stadtbild setzte.

Wohnung im Torturm

In diesem Jahr hatte noch Lehrer Feiner seine Dienstwohnung im Unteren Torturm. In dieser Funktion wurde der Turm bis zur Zerstörung 1945 genutzt. Die Kriegslücke in der Bebauung blieb lange bestehen. Erst 1990 wurde das Untere Tor wieder aufgebaut.

Im 20. Jahrhundert hatte das Untere Tor Ende der dreißiger Jahre zwei Fußgängerdurchgänge erhalten. Das erhöhte Verkehrsaufkommen hatte dies notwendig gemacht. In den 1920er und 1930er Jahren erfolgten weitere Durchbrüche durch die Stadtmauer, so an der Rosengasse und am Viehmarkt. Längst schon hatte die Stadtmauer ihren Wehrcharakter abgelegt.

Häuser wurden seit langer Zeit bereits an die Mauer angebaut, die Türme teils als Wohnhäuser, der Graben als Gartenfläche genutzt. So gibt es nur noch wenige Stellen, an denen die mittelalterliche Wehrhaftigkeit noch deutlich sichtbar ist: am Unteren Tor und beim Pulver- und Schuldturm. 



nn

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