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Zunächst dröhnt es aus dem Lautsprecher, dann hört man es krachen. Mit belegter Stimme erzählt ein älterer Mann von dem Bombenangriff auf Neumarkt am 23. Februar 1945. „Wir haben gesehen, wie sich eine Klappe am Flugzeug öffnet und Bomben herausfallen“, sagt er. „Wir hatten Angst, dass die Wände im Keller halten und wir lebend wieder heraus kommen.“ Eine Frau berichtet, wie eine Gruppe nach dem Angriff ein kleines Mädchen in einem Trümmerhaufen findet. Das Mädchen verstirbt noch an Ort und Stelle.
Es sind erschütternde fünf Minuten Audiospur, die Franz Müller schon aufgenommen, geschnitten, aufbearbeitet und auf seine Homepage gestellt hat. Der Neumarkter, der bereits das Musical „Der letzte Brief“ geschrieben hat, hat ein neues Projekt, das von der Volkshochschule unterstützt wird. Diesmal sucht Müller ebenfalls Zeitzeugen für „Lass die Vergangenheit ruhn!?“. Allerdings geht es ihm jetzt um die Menschen, die 1945 im Teenageralter waren, junge Frauen und Männer, die in den Jahren 1924 bis 1936 geboren wurden und nichts anderes als das NS–Regime kennengelernt haben. Diese Menschen sucht Müller nun.
Doch ohne die Hilfe von Schülern, Vereinen und Jugendorganisationen kann der Neumarkter das Projekt nicht durchführen. Daher lud er Geschichtslehrer verschiedener Schulen des Landkreises und Verantwortliche des Kreisjugendrings ein, um ihnen seine Idee zu präsentieren.
„Die ver-führte Jugend — Die Jugend des Ver-führers“ heißt der Titel des Projekts. So sollen Schüler zusammen mit ihren Geschichtslehrern Zeitzeugen finden, sie zu einem bestimmten Thema befragen und die Ergebnisse zusammenfassen — etwa als drei Minuten langes Hörspiel, als geschriebene Reportage oder Ausstellung.
Bevor die jungen Menschen auf die Zeitzeugen „losgelassen“ werden, erhalten sie eine spezifische Ausbildung. Sie umfasst beispielsweise Interviewtechniken, Gesprächsführung oder das Mischen und Anordnen von unterschiedlichen Tonquellen. Hier kommt die Volkshochschule ins Spiel. Sie bietet im Vorfeld einen speziellen Kurs an. In das Projekt einsteigen sollen die Schulen bestenfalls im neuen Schuljahr ab September. Die Ergebnisse werden dann ein Jahr später, im Herbst 2013 präsentiert. Ein Musical dazu soll es auch wieder geben. Die Teilnehmer der Zeitzeugen-Befragung dürfen hernach selbst auf der Musical-Bühne stehen. Auch lockt eine gute Note im Fach Geschichte. Daneben sind Vereine oder andere Bildungsträger gefragt, die sich nebenbei dem Projekt widmen können.
Ein Vertreter des Kultusministeriums ist bereits von der Idee angetan. Inwieweit das Projekt beziehungsweise die einzelnen Projekte der Schulen finanziell unterstützt werden könnten, ließ der Experte offen. Aber er wolle sich bemühen, dass das Ministerium als Kooperationspartner „sowohl personell als auch inhaltlich zur Verfügung steht.“
„Uns ist wichtig, dass das Vertrauen der Zeitzeugen nicht missbraucht wird und die Schüler das Material hinterher ordentlich und korrekt wiedergeben“, sagt Müller. „Denn die zum Teil schrecklichen Erinnerungen der Menschen sind mit ganz persönlichen Schicksalen verknüpft.“

