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Ein Stück Stein und ein Zeitzeuge in der Berufschule

Aam Deininger Weg wird das Jubiläum zum 25-jährigen Mauerfall lebendig - 07.11.2014 09:59 Uhr

Zeitzeuge Lutz Quester und ein Teil der Berliner Mauer sollen Schülern, zeigen, welch hohes Gut die Freiheit ist.

Zeitzeuge Lutz Quester und ein Teil der Berliner Mauer sollen Schülern, zeigen, welch hohes Gut die Freiheit ist. © Fritz Etzold


Große Geschütze wurden aufgefahren, um das Originalstück der Berliner Mauer rechts vom Eingang einzuweihen: Neben Schulleiter Albert Hierl, waren auch Landrat Willibald Gailler, Staatssekretär Albert Füracker und ein Zeitzeuge gekommen.

Die Schule freute die Anerkennung und der Sozialkunde-Fachbetreuer Thomas Trappe erklärte: „Teile wie dieses Mauersegment sollen an die Menschen erinnern, die heute noch durch Mauern Teilung erfahren beziehungsweise in der DDR viel für ihre Freiheit riskierten.“

Die Schüler selbst hingegen sehen das Monument aus Berlin kritisch: „Klar, ist es schön, nun ein Stück Geschichte hier zu haben. Andererseits bringt mir der Vortrag eines Zeitzeugens wesentlich mehr, als ein stummer Stein“, findet eine 20-Jährige. Eine Freundin nickt zustimmend.

Szene mit dem Stinkefinger

Insgesamt drei Zeitzeugen, die vom Dritten Reich und dem SED-Regime berichtet hatten, haben die Beiden mittlerweile erlebt. „Davon habe ich viel mitgenommen“, ergänzt eine 18- Jährige und erinnert sich aus dem aktuellen Vortrag des DDR-Häftlings Lutz Quester vor allem „an die Szene mit dem Stinkefinger des Zeitzeugens am Checkpoint Charlie in Richtung der DDR nach der Freilassung“ oder „die 30 Mark Begrüßungsgeld, die der Typ vor Freude über die Freiheit gleich in einer Bar in Alkohol getauscht hat“.

In der Tat sind auch die Lehrer von dem Zeitzeugen angetan, den der Sozialkundefachbetreuer Thomas Trappe organisiert hat: „Er kann Gefühle wecken. Und genau das ist wichtig: Informationen werden erst durch Gefühle haltbar“, findet Trappe. Dass sein Stück Mauer dies nicht kann, ist ihm durchaus bewusst. Ebenso die Kritik einiger Schüler (und Lehrer), dass man mit dem Geld Besseres hätte anstellen können. 

Er nimmt es locker, sagt: Erstens sei der Preis nicht so hoch gewesen, als dass man dafür groß etwas anderes hätte renovieren können und andererseits zähle nicht der materielle Wert, sondern das Symbol – was Zivilcourage bedeutet und vor allen Dingen auch, welches hohe und zerbrechliche Gut die Freiheit ist. Lehrer Trappe: „Das ist 100-mal mehr wert und wir haben damit nun im Unterricht wieder neue Anknüpfungspunkte, wodurch wir das Thema ganz anders aufgreifen können.“ 

ALEXANDRA HADERLEIN

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