Dienstag, 20.11.2018

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Erinnerungen an die 60er: Als Junglehrer in Prönsdorf

Alfons Zeitler erinnert sich an die abenteuerliche Reise zu seinem ersten Einsatzort Prönsdorf als "Schuilehra" - 06.09.2018 09:30 Uhr

Lehrer Alfons Zeitler mit seiner Schulklasse des Jahres 1963/64 in Prönsdorf. Die meisten Mädchen gestalten heute als erwachsene Frauen das große „Backofenfest“, sagt er. © Foto: privat


Wo liegt eigentlich Prönsdorf? Heute weiß ich natürlich schon lange, wo Prönsdorf liegt. Ich habe auch viele Bekannte dort und fahre immer wieder gerne hin; noch dazu wo die ganze Dorfgemeinschaft in der Mitte des Orts vor mehr als einem Jahrzehnt gemeinsam den alten Backofen erneuert hat. Der ist heute der zentrale Treffpunkt für das große "Backofenfest", das seitdem an jedem ersten Sonntag im September gefeiert wird. Zusammen mit den Schlepper-Freunden Utzenhofen gestaltet die Prönsdorfer "Frauenpower" fast allein diese Veranstaltung. Aber damals in den 60ern war alles ganz anders.

Mit bedeutungsvoller Stimme

Endlich war es soweit! Ich hatte die erste Lehramtsprüfung bestanden und jetzt konnte es losgehen. Da bekam ich auch schon von der Schulabteilung der Regierung der Oberpfalz die Mitteilung, ich solle mich dort einfinden. Ein bisserl komisch war mir schon, als ich das Gebäude betrat und an der Tür klopfte. Nachdem ich dem zuständigen Regierungsbeamten meinen Namen genannt und ihm gesagt hatte, aus welchem Grund ich komme, zog der einen Aktenordner aus dem Schrank und blätterte darin. Dann sprach er mit bedeutungsvoller Stimme: "Sie kommen nach Prönsdorf."

Eine Zeitlang war es still, aber dann wagte ich es doch, ihn zu fragen, wo dieser Ort überhaupt liege. Er schaute wieder in seinen Ordner und stellte fest: "Prönsdorf liegt im Landkreis Parsberg." Auf seinem Schreibtisch lag eine Karte der Oberpfalz und als er schließlich Parsberg gefunden hatte, fuhr er mit dem Finger in immer weiteren Kreisen um die Kreisstadt herum. Endlich fand er den Ort im nördlichsten Zipfel des Landkreises. Oh je, hab ich mir gedacht! In meinem jugendlichen Leichtsinn wagte ich es und fragte ihn: "Wie soll ich da hinkommen? Ich habe keinen Führerschein und kein Auto." Mein Lieber, da hat der Regierungsmensch aber sauer reagiert. Angefahren hat er mich: "In welchem Jahrhundert leben sie denn? Informieren Sie sich gefälligst bei den zuständigen Stellen und treten Sie Ihren Dienst am kommenden Montag an!" Jetzt hab ich‘s gehabt!

Endstation Neumarkt

Ich bin gleich heimgefahren und habe mich erkundigt. Damals war ja noch die Vorcomputerzeit, Navi gab‘s auch nicht, also informierte ich mich im Reisebüro über Fahrmöglichkeiten nach Prönsdorf. Sie erzählten mir dort etwas über eine Panzerstraße um den Truppenübungsplatz Hohenfels. Darunter konnte ich mir aber absolut nichts vorstellen. Am Bahnhof suchte ich mir später die Zugverbindung nach Neumarkt heraus und hier erfuhr ich auch, dass von da eine Anbindung mit dem Bus nach Lauterhofen bestand.

Am Samstag stieg ich gleich in den Zug und fuhr nach Neumarkt in der Oberpfalz. Von dort hatte ich bald danach Anschluss mit dem Bus nach Lauterhofen. Aber dort war es aus – Endstation! Ich stand am Bahnhof und wusste nicht mehr weiter. Da dachte ich mir, in der Bahnhofswirtschaft wird man mir schon weiterhelfen können.

Eine Halbe Bier bestellt

Nachdem ich mir eine Halbe Bier gekauft hatte, fragte ich die Wirtin, als sie gerade einmal kurz Zeit hatte, wie ich von Lauterhofen nach Prönsdorf kommen könnte. Das war mein Glück! "Mei", hat sie gesagt, "groud is der Millfahrer dou. Der mou de Streck foohrn. Vielleicht nimmt er di mid? Moustn hoid frougn!" Sie ist gleich mit mir zu dem Milchfahrer hin und hat ihm mein Anliegen vorgebracht. Der war einverstanden, dass ich mitfahren durfte, und ich bin zu ihm in seinen Unimog gestiegen. Dann ging es los.

Er musste ja die leeren Milchkannen zu den einzelnen Abladestellen zurückbringen. Einmal ist er einen Kilometer nach links abgebogen und hat eine Kanne abgeladen, dann ist er wieder nach rechts abgebogen und hat dort nach 500 Metern ein paar Kannen abgeladen. So fuhren wir ungefähr eine Stunde dahin, bis die Ladefläche fast leer war. Plötzlich hielt er an und sagte zu mir: "I bin eiz dou. Du moust no an Kilomeder weidagei bis zou da Kreizung. Dou seigst schou den Wegweiser wous draufsteiht!"

Ich marschierte also los. Erst viel später erfuhr ich, dass die Kirche am Berg oben zu meiner Linken, dem Habsberg, eine bekannte Wallfahrtskirche war. Mir machte das Gehen nichts aus, weil ich vom Fußballspielen gut durchtrainiert war. Ich trabte locker die paar Meter weiter, bis ich zu dem Wegweiser an der Kreuzung kam. In der einen Richtung stand darauf "Dietkirchen – Neumarkt" und in der anderen, die für mich die richtige war, war "Prönsdorf – Utzenhofen" zu lesen.

Zum ersten Mal überhaupt habe ich den Namen von meinem neuen Wirkungsort gelesen. Ich ging also in die angegebene Richtung einen leichten Anstieg hinauf und dann sah ich es drunten in einer Talsenke liegen – Prönsdorf: ein Dutzend Häuser, drei oder vier kleinere Bauernhöfe, ein winziges Kirchlein und nicht zu übersehen – das Schulhaus. Und dort begann kurz darauf mein erster Einsatz als "Schuilehra" im Oberpfälzer Jura. 

ALFONS ZEITLER

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