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Essen ist die Geheimwaffe gegen Wildschweine

Jäger wehren sich gegen den Vorwurf, Jagddruck sei an der explodierenden Population schuld - 25.01. 15:15 Uhr

NEUMARKT  - Feinschmeckern läuft, wenn sie die Entwicklung der Schwarzwildbestände in unserer Region verfolgen, durchaus das Wasser im Munde zusammen. Vor wenigen Jahrzehnten war es die große Ausnahme, wenn eine Rotte Wildschweine durch ein Revier in der Oberpfalz zog. Heutzutage werden die Schwarzkittel mancherorts schon zur Plage erklärt. Das Futterangebot sei es, sagen die Jäger.

Die Leitbachen sind in der Regel auch die Tiere, die Nachwuchs bekommen. Werden sie geschossen, gerät das Sozialgefüge der Wildschweinrotten durcheinander. Jäger müssen das beachten.
Die Leitbachen sind in der Regel auch die Tiere, die Nachwuchs bekommen. Werden sie geschossen, gerät das Sozialgefüge der Wildschweinrotten durcheinander. Jäger müssen das beachten.
Foto: Kögler
Die Leitbachen sind in der Regel auch die Tiere, die Nachwuchs bekommen. Werden sie geschossen, gerät das Sozialgefüge der Wildschweinrotten durcheinander. Jäger müssen das beachten.
Die Leitbachen sind in der Regel auch die Tiere, die Nachwuchs bekommen. Werden sie geschossen, gerät das Sozialgefüge der Wildschweinrotten durcheinander. Jäger müssen das beachten.
Foto: Kögler

„Hausgemacht“ durch die Jäger, erklärt dagegen provokant Lovis Kauertz vom Wildtierschutz Deutschland und erntet heftigen Widerspruch vom Bayerischen Jagdverband (BJV).

Im Jagdjahr 21010/2011 waren es 60533 Stück Schwarzwild, zwei Jahre zuvor 62195. Im Landkreis Neumarkt wurden im letzten Jagdjahr 960 Wildschweine erlegt.

Eine Schätzung, wie viele Tiere sich in Bayern rumtreiben, sei nicht möglich, sagt Thomas Schreder, Diplom-Biologe und Pressesprecher des BJV, den der Vorsitzende der Kreisgruppe Neumarkt, Lothar Sagerer, zu Rate gezogen hatte.

Viele Gründe

Schreder hat eine differenzierte Antwort auf die Frage, was das Wachstum der Wildschweinpopulation begünstige. Ausschlaggebend sei, ob viele Frischlinge einem harten Winter zum Opfer fallen, wie die Mast durch Früchte tragende Bäume und Feldfrüchte ausfalle und ob genügend Deckung den Tieren Schutz böte. Der verstärkte Maisanbau in Bayern mache die Bejagung deutlich schwerer. Die Rotten stellen sich gern in großen Maisschlägen ein und entziehen sich so oft für Tage dem Blick des Jägers.



In einer Stellungnahme von Naturefund, einer internationalen Stiftung für Umwelt und Natur, wird behauptet, dass ein Großteil der in Deutschland geschossenen Wildschweine nicht im Kochtopf lande, sondern in der Tierkörperverwertung.

Das sei nur der Fall, wenn Wildbret die zulässigen Grenzwerte für RadioCäsium überschreite. Der BJV habe dafür flächendeckend Messstationen eingerichtet., die unter www.jagd-bayern.de/bjv-verbraucherschutz-und-jagd.html abgefragt werden können. Im Landkreis Neumarkt ist von keiner bedenklichen Belastung auszugehen. Die Tiere, die von der Jura-Fleisch von Jägern und Forstämtern aufgekauft werden, untersucht ein Tierarzt in Amberg. Der habe in den vergangenen Jahren keine bemerkenswerte Strahlenbelastung festgestellt, sagt Konrad Herrmann, Geschäftsführer der Großmetzgerei.

Als „ziemlichen Blödsinn“ erachten die Jäger die Vorwürfe von Naturefund, was ihre Jagdmethoden betrifft. Die kritisierten revierübergreifenden Drückjagden seien eine effektive Jagdmethode, denn das Wild halte sich schließlich auch nicht an Reviergrenzen. Naturefund beklagt auch die Jagd mit Scheinwerfern und Fallen. „Das ist schlicht untersagt. Wer anderes behauptet, kennt sich nicht aus“, erklärt Thomas Schreder. Dass in Bayern der Einsatz von Nachtsichtgeräten getestet werde, wie von der Umweltorganisation behauptet, stimme, räumt Schreder ein. Bisher sei aber bereits der Besitz derartiger Geräte strafbar.

Vehementer Widerspruch

Auch dem Vorwurf, die Jäger würden ohne Rücksicht auf das Sozialgefüge der Rotten auch die Leitbachen abknallen, widersprechen die Jäger vehement. Die Schonung der Leitbache sei für die Bejagungskonzepte des BJV von größter Bedeutung, das Sozialgefüge in der Schwarzwildrotte müsse beachtet werden.

Naturefund empfiehlt als Alternative zum hohen Jagddruck die Rückkehr zur Ansitzjagd. Die sei in vielen Teilen Bayerns, so Schreder, zwar „die effektivste Jagdmethode auf Schwarzwild“. Das sei allerdings von Region zu Region sehr unterschiedlich und für den einzelnen Jäger sehr zeitaufwändig.

Gar nichts anfangen können die beiden Jäger mit dem Vorschlag aus Tierschutzkreisen, den Wildschweinen empfängnisverhütende Mittel zu verabreichen. „Wild muss noch Wild bleiben dürfen. Wild ist kein Nutztier. Wir lehnen die hormonelle Behandlung von Wild strikt ab.“ Es müsse andere Möglichkeiten geben, einen ausgewogenen Wildbestand zu erreichen. Dazu seien allerdings alle gefragt, Grundeigentümer, Jäger, Politik und Behörden. Mit dem Thema beschäftigt sich auch eine Konferenz von Fachleuten in Freising. 



hcb

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