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Eine große Schar Zuschauer hat sich dort versammelt, und ihnen hallt es entgegen: „Haberer schiast’s, Haberer schreit’s, mir san im Recht, Haberer läut’s.“ Mit Spannung werden die abenteuerlich vermummten Gestalten erwartet, man ist neugierig darauf zu hören, wer heuer die armen Sünder sind.
Haberermeister Thomas verkündet: „Wir kumma im Namen vom Karl, dem Kaiser“, nimmt seiner finsteren Gesellschaft den Haberereid ab und stellt fest: „As Recht sollt’s uns gebm, sonst müsst ma’s uns nemma.“ Lauter Krawall, von Waschbrettern, Blecheimern und sonstigem Tand, was kräftig Radau erzeugt, begleitet das Geschehen, die Gesichter der Zuschauer werden mit Ruß geschwärzt — und dann beginnt das Haberergericht.
Es trifft zunächst die Ortsgruppe des Bundes Naturschutz. „Die woa’n scho zwanzig Joahr nimmer da und hättn bald vergessn, wer Vorstand is. An Kassier und Schriftführer hod sie eh koaner mehr erinnert.“
Dann sind die Mädels der Prinzengarde dran: „Die ham ihre Stiefel versehentlich in am Internetladen für Bordellbedarf bestellt.“ Ein gewisser Fußballer Jonas S. wurde angeklagt, sein Auto auf dem neuen Rasen des Dürner Sportplatzes versenkt zu haben, und dem „Done“ aus Bachhaupt wurde vorgeworfen, bei seiner Geburtstagsparty die Heizung neben der Garage nicht eingeschaltet zu haben. Es ging Schlag auf Schlag weiter mit spaßigen Geschichten, und die Zuschauer hatten ihre Freude.
So stellt Haberermeister Thomas zum Beispiel anklagend fest, dass die Wirtschaftskrise auch vor Breitenbrunn nicht halt macht. „Denn die Wirtschaften wern immer weniger und wenn des so weitergeht, müass ma uns alle bald im Jugendtreff treffen“, so der Haberermeister und weiter: „Wahrscheinlich hod der Bürgermeister deswegen letztens die Burschn rausgschmissn.“
Für viel Spaß sorgte auch die Moritat von einem Ehepaar vom Sebastiansweg. Das habe sich zwar im Urlaubshotel mit dem mitgebrachten Teekocher warmen Tee machen können, aber untenrum habe es gezwickt, weil sie dafür Unterhosen und Slips vergessen hatten.
„Unser Pfarrer Sebastian hat sich am Heiligen Abend in den Finger geschnitten und wurde von der Organistin aus Hamberg, die auch Tierärztin ist, richtig gut und fachmännisch versorgt“, so Haberermeister Thomas, der ulkte: „Doch so a Verband, der guad für a ausgewachsenes Rindviech langt, is halt für so zarte Pfarrersfinger scho üppig gwesn.“ Natürlich wurde auch der Rathauschef tüchtig von den Haberern durch den sprichwörtlichen Kakao gezogen. Dem sei an einem Freitagmorgen bei einem Rundumcheck seiner Körpersysteme aufgefallen, dass es ihm schlecht geht. „Sei Frau wollt scho den Pfarrer holn, zwecks der letzten Salbung“, so die Haberer schelmisch. Aber mit letzter Kraft habe sich K. ans Telefon geschleppt und im Rathaus Bescheid gesagt, dass er nicht kommen könne.
„Als unser Gemeindeoberhaupt aber dann die frische Premerzhofener Luft schnuppern konnte, war die Krankheit auf einmal wie weggeblasen“, konstatierte der Haberermeister und stellte fest: „Das ist entweder ein Wunder, dem sich die Kirche widmen sollte, oder Premerzhofen wird zum Luftkurort erklärt und K. kann dann Kurtaxe erheben.“
Haberermeister Thomas untermalte die Einlagen mit einem „Haberer, is woahr?“. Die wiederum antworteten jedes Mal kräftig: „Woahr is.“ Noch lange dauerte der Spaß und die Haberrer zogen zur Post, zum Faschingscafé im Jugendheim und zum Lehnerwirt weiter. Überall gab es noch Geschichten zu erzählen. Die Beamten der gestrengen Gendarmerie, Matthias und Stefan, stellten stellvertretend für alle Sünder Bauer Christian unter Arrest und dem wurde vom Haberergericht eine drakonische Strafe aufgebrummt: Drei Liter Messwein.

