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Harald Heller, der Grabungsleiter auf dem Areal des heutigen Velburger Gewerbegebietes, berichtete einem großen und interessierten Publikum im Pfarrsaal in Velburg, welche Erkennnisse die Spuren aus der Hallstattzeit (Beginn 800 vor Christus) im Erdreich gebracht haben.
„Wir können nicht mit einem Stonehenge dienen“, sagte sein Chef Friedrich Loré in der anschließenden Fragerunde, „aber dieses von Gräben und Palisaden umgebene Geviert, das sich im Boden abzeichnete, ist in weitem Umkreis ziemlich einmalig.“ Man könne in Zusammenhang mit der Batterie von Schmelzöfen, die am Hohen Kreuz bei der Amerikanersiedlung gefunden wurde, von einer für die Eisenzeit bedeutenden Siedlung ausgehen. Dort lebten vielleicht 150 bis 200 Menschen und es gab sicherlich Handelsbeziehungen mit Abnehmern der metallurgischen Erzeugnisse.
„Vielleicht finden wir zur Freude von Bürgermeister Bernhard Kraus noch eine griechische Amphore“, scherzte der Archäologe. Die Chancen stehen jedenfalls höher, als auf Relikte aus Eisen zu stoßen. Da hat der Rost ganze Arbeit geleistet und das natürlich anstehende Erz überdeckt die verbliebenen Spuren.
Die Siedlung befand sich strategisch günstig auf einem Höhenrücken mit einer guten Sicht weit in die Umgebung. Die Grabungen förderten auf einer Fläche von rund 7000 Quadratmetern 600 Funde zu Tage. Überwiegend handelte es sich um Pfostenlöcher, die sich wegen des größeren Humusanteils dunkel gegen das umgebende Erdreich abzeichnen. Geometrische Anreihungen lassen auf tragende Elemente von Häusern schließen. Allerdings bleibt es Spekulation, wie diese Häuser im Aufbau ausgesehen haben könnten. Es wurden auch Gräben entdeckt, die einem quadratischen Muster folgten und schließlich im nordöstlichen Bereich der Grabungsstelle das seltsame Geviert mit einer Kantenlänge von rund 30 Metern.
Es besteht aus einem äußeren Graben, der mit Palisaden oder Bohlen bewehrt war, einem inneren Graben, ebenfalls holzbewehrt und schließlich dem, was Heller mit Vorbehalt das „Allerheiligste“ nannte. Der Zugang war von Süden durchgehend bis zum angenommenen Tempel. Möglicherweise mussten die Besucher auch eine Art Torhäuschen passieren.
Es gibt ähnliche Funde im ganzen keltischen Kulturraum zwischen 800 und 500 vor Christus, der von Westfrankreich über Tirol und Süddeutschland bis nach Ungarn und an den Rand der Karpaten reichte. Die Ausgrabungsstelle Velburg gehört zum westlichen Bereich der Hallstattkultur, die nach einem Ort im Salzkammergut benannt ist. Für die These, dass es sich bei dem Fund in Velburg um eine Kultstätte gehandelt haben könnte, spricht die relativ geringe Ausdehnung und die Struktur: zu klein für eine Fluchtburg und zu kompliziert für eine Viehscheid.
Allerdings wurden in den verfüllten Gräben zwischen den Steinen lediglich Keramikscherben aus der Hallstattzeit gefunden und Knochen. Letztere werden derzeit noch untersucht. Schädelfragmente von Menschen waren nicht darunter. Deshalb kann die gruseligste aller Fragen derzeit eher noch mit „nein“ beantwortet werden. Aber wer weiß?
Velburgs Bürgermeister Bernhard Kraus vergaß bei seiner Begrüßung nicht zu erwähnen, dass sich die Kommune diese Grabungen rund 130000 Euro habe kosten lassen und er sich, wie alle anderen Bürgermeister historisch relevanter Gemeinden. vom Staat im Stich gelassen fühlt.
Aber er erkennt die Notwendigkeit dieser Untersuchungen an und freut sich über die Dokumentation von Artefakten aus vorchristlicher Zeit, die andernfalls für immer vernichtet worden wären.

