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Jurahalle stand im Zeichen Martin Luthers

Das Evangelische Dekanat Neumarkt feierte im Reformationsjahr einen besonderen Kirchentag - 25.06.2017 18:13 Uhr

Ehrengast und Festprediger war Wolfgang Huber, der ehemalige Präsident des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD. © Foto: Günter Distler


Vor dem "Reformationsmobil", einem doppelstöckigen Bus, steht eine Druckpresse, wie sie auch Gutenberg benutzte als er die Lutherbibel unter das Volk brachte. Denn der Reformator nutzte die "neuen Medien" seiner Zeit, seine Lehre verbreitete sich deshalb rasend schnell in Deutschland.

Wort.Transport heißt die Aktion der bayerischen Landeskirche, mit der sie das Reformationsjubiläum als ein ökumenisches Christusfest feiern möchte. Zwei Tage lang standen drei große Fahrzeuge, vollgeladen mit "Reformation" vor den Jurahallen. Es war ein Testlauf für 26 weitere Veranstaltungen in den kommenden Wochen.

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Luther zum Anbeißen: Der Dekanatskirchentag in Neumarkt 2017

Der Kirchentag des evangelischen Dekanats Neumarkt konnte in diesem Jahr nur ein Thema haben: Martin Luther. 500 Jahre nach dem Thesenanschlag drehte sich in den Jurahallen alles um den deutschen Reformator. Die Landeskirche hatte ihre Schau „Wort.Transport“ geschickt, der ehemalige Ratspräsident der evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, predigte über Luthers Sprache, die Besucher tranken ein Seidla in „Luthers Biergarten“ und knabberten an einen „Luther-Keks“.


Ehrengast und Festprediger Wolfgang Huber, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, war bereits am Vorabend gekommen und schaffte in "Luthers Biergarten" in nur einer Viertelstunde, wozu andere einen ganzen Abend brauchen: Ein frisches Bier in der Hand, Brotzeit besorgt, Grußwort gesprochen und vor der Bühne der Pfarrersband "Church Pistols" getanzt.

Durch den Gottesdienst am Sonntag führte Pfarrer Klaus Eyselein aus Pyrbaum. Als Senior des Pfarrkapitel vertrat er Dekanin Christiane Murner. Sie ist vor einigen Tagen gestürzt und hat sich dabei das Schlüsselbein und das Jochbein gebrochen. Die Verletzungen werden noch im Krankenhaus behandelt.

"Martin Luther war der größte Worttransporteur seiner Zeit", sagte Huber. Doch dem Reformator sei die Sprache nie ein Selbstzweck gewesen, es ging ihm immer darum, das Wort Gottes zu transportieren. "Der Wortwechsel war ihm nicht genug, sondern er suchte den Herzwechsel", sagte Huber. Also eine Erneuerung, die innen beginnt, aus dem versteinerten Herzen einen lebendigen Muskel macht. "Dabei sind wir auf Gottes Gnade angewiesen", sagte Huber.

Neben dem Wort setzte Luther auf die Kraft der Musik. Zum Dekanatskirchentag hatte Kantorin Beatrice Höhn einen 55-köpfigen Projektchor zusammengestellt. Die vereinigten Posaunenchöre des Dekanats dirigierte Michael Seitz.

Nebenan in der Kleinen Jurahalle feierten unterdessen die Kleinen ihren Gottesdienst. "Gott ist unser Schutz und unsere Burg" lautete die Losung. "Es geht um Geborgenheit und Vertrauen", sagt Laura Pöhlmann, eine der jugendlichen Betreuerinnen. In einem Anspiel wurde eine Szene aus dem Leben der Familie Luther gezeigt. Als Mitnehmsel bastelten die Kinder ein Windlicht, das aussieht wie eine Burg.

Auf der Bühne an Luthers Biergarten gab es Theater und Musik. Der Gospelchor Pyrbaum lobte stimmgewaltig den Herrn. © Foto: Günter Distler


Am Nachmittag gehörte die Jurahalle dem "Markt der Möglichkeiten", wo sich verschiedene kirchliche Einrichtungen darstellten, von der Diakonie bis zur Notfallseelsorge. Beim Evangelischen Bildungswerk sitzt die dreijährige Theresa in einer Klangschale und grinst glücklich, wenn der Klöppel das Messing zum Schwingen bringt. "Es ist super entspannend für sie", sagt Mutter Sonja Döpping.

Auf der Bühne vor den Hallen gibt es Musik und Theater. Es singt ein Gospelchor und die "Lutherin" berichtet von der Flucht aus dem Kloster in einem Heringsfass,;dem Leben an der Seite des Reformators, mit großer Familie und einem Mann wortgewaltig und verzagt ist, doch leider gar kein Verhältnis zum Wirtschaften hat.

Kekse und Playmobil

Sie hingegen musste das Geld zusammenhalten und so hätte der echten Katharina von Bora sicherlich der Himmelsmarkt, wo "Lutherprodukte" aller Art angeboten wurden. Von den Lutherkeksen bis hin zur unvermeidlichen Playmobil-Figur des Reformators, dem Verkaufsschlager des Jahres 2017.

Doch es ging auch ohne Geld: Am Tisch von Elea Distler schauen Kinder in die Bibel. Sie suchen einen Spruch, den sie auf ihr selbst geschöpftes Büttenpapier schreiben. Anschließend siegeln sie diesen mit einer Lutherrose in rotem Wachs. "Es passt zur Zeit der Reformation; damals wurde alles besiegelt, um zu zeigen, dass es echt ist", sagt die 17-Jährige. 

HAUKE HÖPCKE

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