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Mittwoch, 21.11.2018

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Juraleitung verläuft mitten durch den Landkreis

Netzbetreiber Tennet informierte über das Projekt — Jetzige Trasse stammt aus 40er-Jahren - 27.06.2018 16:04 Uhr

Ein Problem beim Neubau: Viele Orte sind wie Pollanten an die Leitungen herangewachsen. Tennet-Planer Reinhard Hüttner diskutierte mit interessierten Bürgern. © Fotos: Hauke Höpcke


Dieses Mal soll alles anders werden als beim "Südost-Link", der beinahe an Bürgerprotesten gescheitert wäre. "Wir wollen die Bevölkerung ganz früh informieren, dass etwas auf sie zukommt", sagt Reinhard Hüttner. Bei Tennet ist er zuständig für das Planungs- und Genehmigungsverfahren der Juraleitung. In diesen Tagen fährt er mit dem Infomobil des Netzbetreibers durch die Region, gestern war Station in Berching und Beilngries.

Die Juraleitung verläuft zwischen dem Umspannwerk Raitersaich im Landkreis Fürth über das Umspannwerk Ludersheim im Landkreis Nürnberger Land nach Altheim im niederbayerischen Landkreis Landshut. Gebaut wurde sie als Teil der sogenannten "Reichssammelschiene" in den 1940er Jahren.

Die Leitungskapazität entspricht längst nicht mehr den modernen Ansprüchen. Deshalb soll die 220-Kilovolt-Freileitung zu einer 380-kV-Höchstspannungsleitung umgebaut werden. Das ist mit den bisherigen rund 40 Meter hohen Masten nicht möglich. Sie werden durch 50 bis 60 Meter hohe Maste ersetzt.

Planung am Anfang

Noch steht die Planung ganz am Anfang, sagt Hüttner. Grundsätzlich soll die neue Leitung auf der alten Trasse verlaufen. Doch das wird nicht immer möglich sein. Denn mittlerweile sind viele Siedlungen dicht an die Leitung herangewachsen.

In Postbauer-Heng etwa stehen Häuser direkt unter ihr, in Pollanten verläuft sie wenige Meter entfernt. Doch mittlerweile sieht das Landesentwicklungsprogramm (LEP) einen Abstand von 400 Metern zu geschlossenen Ortschaften und 200 Metern zu Einzelgehöften vor – wo es möglich ist und keine anderen Gründe dagegen sprechen. "Es ist eine Bestimmung für den Wohnumfeldschutz", sagt Hüttner. "Es gibt dafür keine gesundheitlichen Gründe."

Auf der Karte im Infomobil sind die Abstandflächen aus dem LEP als rote Kreise um die Orte eingezeichnet. Zwischen Sengenthal und Reichertshofen wird die Trasse deshalb möglicherweise um einige Meter verrutscht. Das ist einem Anlieger gar nicht recht: "Bei der Flurbereinigung wurden die Eigentümer besser gestellt, bei denen ein Mast stand", sagt der Landwirt. "Wenn die jetzt auch noch die Gewinner beim Leitungsbau sind, gehe ich auf die Barrikaden."

Keine Erdkabel

Andere sorgen sich um Magnetfelder, mögliche Strahlung und das Landschaftsbild. "Weshalb werden bei uns keine Erdkabel verlegt wie beim Südost-Link?", fragt ein Mann. Die Antwort: Dort handelt es sich um eine Gleichstromleitung, die die Energie zwischen zwei Punkten transportiert. Vergleichbar einer Autobahn ohne Abfahrten.

Die Juraleitung hingegen ist eine Wechselstromleitung, die viele Verbindungen zu den lokalen Versorgern hat. Dadurch wären deutlich größere Eingriffe in den Boden notwendig, was natürlich noch einmal die Kosten in die Höhe treibt.

Wie geht es weiter? Derzeit werden die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren zusammengestellt. Anfang 2019 finden eine Reihe weiterer Info-Veranstaltungen für die Bevölkerung statt, zu denen jeder mögliche Betroffene nicht weiter als 15 Kilometer Weg haben soll. Neben den sogenannten Info-Märkten für alle Interessierten werden in kniffligen Bereichen "Planungs-Werkstätten" stattfinden, wo die Betroffenen direkt mit den Planern diskutieren und Vorschläge einbringen können.

Die Planfeststellung ist in zwei Jahren vorgesehen, so dass die ersten Maste wohl 2024 oder 2025 fertig sind. 

HAUKE HÖPCKE

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