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Kanal und Wälder leiden unter Trockenheit

Schleusentore aufgewuchtet — Hoffen auf baldigen Landregen — Das Gras wächst nicht mehr - 22.08.2012 20:00 Uhr

Unbekannte Rabauken haben die Tore der Schleuse beim Festplatz in Mühlhausen aufgewuchtet. Ein Damm nimmt etwas den Wasserdruck. Der Kanal leidet an sich schon unter der anhaltenden Trockenheit.

Unbekannte Rabauken haben die Tore der Schleuse beim Festplatz in Mühlhausen aufgewuchtet. Ein Damm nimmt etwas den Wasserdruck. Der Kanal leidet an sich schon unter der anhaltenden Trockenheit. © Biersack


Verschärft werden diese Sorgen durch unbekannte Witzbolde, die die Tore der Schleuse beim Festplatz in Mühlhausen offenbar einen Spalt weit aufgewuchtet hatten. Dadurch rauschte das Wasser einer Halterung davon. Mit Hilfe eines Erddammes ist es inzwischen gelungen, Druck von den beschädigten Schleusentoren zu nehmen.

Zumindest könnte der Vorfall die Erneuerung der hölzernen Sperrvorrichtungen beschleunigen, die nicht mehr in bestem Zustand sind.

Aber auch in den übrigen Abschnitten des Ludwigskanals, der den Landkreis auf einer Länge von 35 Kilometern durchzieht, herrscht Ebbe. Von Pilsach, Kettenbach und Gruber Bach kann dem Kanal nicht mehr ausreichend Nachschub über die Leitgräben zugeführt werden. Ähnlich bedenklich ist die Lage in den nördlichen Abschnitten des Kanals, die durchs Nürnberger Land führen.

Hofmeister stimmt in den Ruf all derer ein, die die Erfüllung ihres Lebens nicht im Braunwerden im Freibad sehen: „Ein richtiger Landregen über mehrere Tage, der täte gut.“ Dagegen fürchtet er die Auswirkungen von Wolkenbrüchen, die auf Grund der Wetterlage in den nächsten Tagen drohen. Die würden innerhalb kurzer Zeit Staub, Schmutz und Sauerstoff zehrende Materialien in die Bäche und dann in den Kanal schwemmen. Das fast stehende Gewässer könne dabei leicht umkippen.

An der Albtrauf östlich von Neumarkt herrscht aber noch kein Notstand. Dank des nassen Frühjahrs sprudeln die Quellen noch, die oberhalb der Lehmschicht austreten, die den Karst nach unten abdichtet. Aber Nachschub wäre jetzt wünschenswert.

Im westlichen Landkreis beginnen die ersten kleinen Gräben und Bäche trocken zu fallen, warnt Bernhard Schönmüller, der Leiter des Forstbetriebs Allersberg, dessen Gebiet weit in den Landkreis Neumarkt hinein reicht.

In den Wäldern sei die Lage dramatisch, erklärt der Forstmann. Die Niederschläge in der letzten Woche seien sozusagen zwischen Baumkronen und Erde verdampft. Wenn es nicht bald kräftig regnet, werden die Bäume ihr Laub abwerfen, fürchtet er. Waldbrandgefahr drohe, denn die Oberschicht des Waldbodens sei zundertrocken. Aus der Luft wird auch von Piloten der Flugsportvereinigung Neumarkt nach aufflackernden Brandnestern Ausschau gehalten.

Die Trockenheit habe aber auch Vorteile. Die Fälltrupps sind derzeit vor allem in den Waldgegenden unterwegs, wo nasse Böden vorherrschen. Jetzt ist auch dort der Untergrund fest und die Maschinen richten viel weniger Schaden an.

Die Waldarbeiter beginnen bei dieser Hitze schon mit dem ersten Tageslicht und legen um elf Uhr die Motorsäge beiseite. Bei diesen Mittagstemperaturen sei ihnen diese schwere Arbeit nicht mehr zuzumuten. Nur der Pilot des Harvesters, der Holz-Erntemaschine, habe es gut, weiß Schönmüller. Der sitzt in einer vollklimatisierten Kabine.

Probleme für Mais

In der Landwirtschaft hat die Dürre und Hitze der letzten Tage keine großen Auswirkungen. Getreide und Raps sind bereits eingefahren oder erntereif. Probleme hat der Mais auf leichten Böden, die die Feuchtigkeit nicht lange speichern konnten.

Auf den Wiesen spüren die Bauern die fehlenden Niederschläge. Der erste Grünschnitt sei noch gut gewesen, doch jetzt wachse dass Gras kaum noch. „Aber“, sagt Johannes Meyer, Abteilungsleiter am Amt für Landwirtschaft, „so schlimm, dass man von Futtermittelknappheit sprechen könnte, ist es noch nicht.“

Der Kartoffelanbau spielt zwar im Landkreis eine untergeordnete Rolle, aber mit der Firma Burgi‘s hat Neumarkt einen Betrieb, der bis zu 85 Prozent seines Rohstoffs, Kartoffeln, aus einem Umkreis von 100 Kilometern direkt vom Bauern bezieht.

Die Frühkartoffeln seien gut gediehen, sagt Johannes Seemeier, der bei Burgi‘s für den Einkauf zuständige Mann, aber mit den späten Sorten sehe es schlecht aus. Die Kartoffelknolle bestehe eben zu einem hohen Prozentsatz aus Wasser. Auch ein Regen könnte jetzt nichts mehr retten, allenfalls die Erntebedingungen verbessern. Denn zu trockener Boden erschwere die maschinelle Arbeit. 

hcb

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