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Klage gegen den Ausbau der Flurwege im Landl

Bund Naturschutz und BLUBB protestieren gegen geplante Asphaltierung und Verbreiterung der Flurwege - 23.09.2017 09:53 Uhr

Bei einer Sonntagswanderung hatten der BUND Naturschutz und die Bürgerinitiative BLUBB eingeladen. Sie war gleichzeitig ein Protest gegen das vorgestellte Konzept für ein ländliches Kernwegenetz. © Foto: Alfons Greiner


Bei der Gänsmühle wurde den etwa 40 Teilnehmern die Problematik bei Kuchen, Tee und Kaffee erläutert. Grundtenor der Organisatoren war, dass der geplante Ausbau weder der Natur, der Erholung oder der Landwirtschaft dienlich wäre.

Heide Inhetveen als Sprecherin der Bürgerinitiative Landl für Luft, Umwelt und Boden (BLLUB) verwies darauf, dass integrierte ländliche Entwicklungskonzepte in Bayern gleichermaßen die Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturräume der ländlichen Bevölkerung im Blick haben müssen. Sie dürfen sich nicht nur auf landwirtschaftliche Großbetriebe beziehen, sondern müssen sich auch für den Erhalt kleinbäuerlicher, Nebenerwerbs- und Biobetriebe einsetzen. Vor allem aber müssen sie bei ihren Maßnahmen ebenso die in der Natur Erholung suchenden Anwohner und Touristen, Wanderer, Radler, Spaziergänger usw. im Blick haben.

Mitsprache erwünscht

Insbesondere beim Ausbau von Feld- und Flurwegen müssen multiple Nutzungsmöglichkeiten gewährleistet bleiben. Deshalb wollen BLLUB und der Bund Naturschutz ihre sowohl vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als auch vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) ausdrücklich erwünschte Mitsprache weiterhin intensiv nutzen.

Gabi Bayer, Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, betonte, dass durch den Ausbau der sogenannten Kernwege der Weg für eine industrielle Landwirtschaft vorbereitet werde. Das Sterben der kleinen bäuerlichen Betriebe werde hingenommen, anstatt diese finanziell zu unterstützen, etwa durch Umstellung auf Ökolandwirtschaft oder Aufbau von Regionalvermarktung. Dafür seien aber die Mittel im ELER-Programm hauptsächlich vorgesehen.

"Die drei von der Gemeinde Mühlhausen vorgesehenen Wege entsprechen nicht der Definition von Kernwegen und ihrem Ausbau", sagte Sigi Schindler, BN Mühlhausen und Gemeinderätin. Der Gänsmühlweg führt direkt am Landschaftsschutzgebiet Sulzbürg entlang. Große Bereiche sind breit genug und in gutem Zustand (Abschnitt Kreuzweg von Hofen her; Abschnitt Gänsmühle nach Mühlhausen). Lediglich der steile, ausreichend breite Abschnitt vom Kreuzweg abwärts zur Gänsmühle ist durch Bauschuttablagerungen und vernachlässigte Pflege sanierungsbedürftig. Das Amt für Ländliche Entwicklung hat bestätigt, dass dies nicht notwendig Asphaltierung bedeute, es gebe auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel durch hydraulisch gebundene Tragdeckenschichten.

Der Weg vom Wappersdorfer Schützenhaus Richtung Döllwang führt fast nur durch Wald und ist bereits zum Teil gepflastert. Hier bestehe überhaupt keine Notwendigkeit der Verbreiterung und Asphaltierung, dies würde sämtlichen Naturschutzrichtlinien widersprechen, zumal auch Wasserschutzgebiete betroffen sind. Beide Wege sind außerdem Bestandteil von ausgewiesenen überregionalen Wanderwegen. Der Ausbau des dritten Weges von Sulzbürg nach Kruppach sei ebenfalls überflüssig, da im Abstand von circa 300 Metern parallel dazu eine gut ausgebaute Gemeindeverbindungsstraße besteht. Der erforderliche Abstand soll aber laut Richtlinien zwischen einem und zwei Kilometern betragen.

Sigi Schindler zeigte sich als Organisatorin erfreut über die gute Resonanz der Aktion. Die Teilnahme junger Familien belege, dass eine weitere Versiegelung der Landschaft nicht erwünscht sei und der Natur ein höherer Stellenwert zuerkannt werden soll.

BLLUB und BN setzen sich ein für eine asphaltfreie Sanierung und dauerhafte Pflege des Gänsmühlweges, für die Erhaltung der Flurwege ohne Asphaltierung und Verbreiterung und die Einbeziehung des Wegs in ein lokales und europäisches Wanderwegenetz.

Es gelte, die vorhandenen Steuergelder sinnvoll einzusetzen, etwa zur Förderung von Ökolandwirten und Regionalvermarktung. "Bequeme Beförderungswege für Betreiber von Biogasanlagen fallen nicht darunter." 

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