Sonntag, 18.11.2018

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Kleine Bank beharrt auf ihrer Selbständigkeit

Raiffeisenbank Plankstetten hat das Volumen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt — 2500 Kunden - 16.09.2010

Das Kloster ist das Wahrzeichen Plankstettens; davor, im blauen Haus, hat die Raiffeisenbank ihren Sitz. © Johnston


Es ist das Kloster, das die meisten Menschen mit Plankstetten verbinden; doch manch einer, in Flensburg oder München, hat bei dem Ortsnamen wohl eine andere Assoziation: die Raiffeisenbank. Denn auch in diesen beiden Städten hat die Bank ihre Kunden.

Vorstand Walter Frank im Gespräch mit Mitarbeiterin Nicole Sabransky. Hinter dem Thresen in der Eingangshalle steht Christina Neumeyer.


Doch das sind Ausnahmen: Das Gros der Klienten wohnt um die beiden Standorte Plankstetten oder Kevenhüll, weitere der rund 2500 Kunden nehmen auch die Fahrt aus Breitenbrunn oder Neumarkt nach Plankstetten in Kauf, wenn

sie ihr Geld anlegen wollen.

Die Kunden schätzen die direkten Wege: Es gibt in Plankstetten kein Callcenter, wie noch vor Jahren überall üblich, spricht man seinen Berater direkt an. „Wenn einer etwas von mir will, ruft er halt an“, sagt auch Vorstand Walter Frank. Die Hierarchien sind flach, kein Wunder bei elf Mitarbeitern — inklusive Geschäftsleitung. Damit ist die Raiffeisenbank der zweitgrößte Arbeitgeber im Ort, nach dem Benediktiner-Kloster. Auch Kreditentscheidungen können bei den kurzen Wegen in der Bank schnell getroffen werden.

Bilanz von 56 Millionen Euro

Das zahlt sich aus. Das Kundenvolumen und damit auch der Umsatz verdoppelte sich in den vergangenen zehn Jahren. Seit Jahresbeginn sind bis Juli die Privatkredite um elf Prozent gestiegen. Die Kundenforderungen belaufen sich insgesamt auf 34 Millionen Euro. Insgesamt weist die Bilanz gut 56 Millionen Euro aus. Die vergebenen Kredite verteilen sich je zur Hälfte auf gewerbliche, hier werden Selbstständige und Ärzte mit gezählt, und private Kunden. Ein Großteil Letzter leiht sich zwischen 100000 und 500000 Euro.

Auf aggressive Werbung, um noch mehr Kunden zu gewinnen, verzichten die Plankstettener. Man sei sogar wohl deutschlandweit die einzige Bank ohne Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern, sagt Frank. Ein Verkaufsziel wird also nicht vorgegeben. Dennoch lägen die Umsatzzahlen pro Mitarbeiter weit über dem Durchschnitt aller Raiffeisenbanken, erklärt er.

Die Plankstettener sind konservativ, und glücklich darüber. Dubiose Zertifikate habe keiner der Kunden. „Ich würde nichts anbieten, was ich nicht selber kaufen würde“, sagt Frank. Amerikanische Schrottimmobilien hatte die Bank auch nicht im Portfolio, die Wirtschaftskrise streifte das Institut nur am Rand, durch die allgemein gesunkenen Zinsen zum Beispiel.

Stattdessen legt man das Geld meist eher konservativ an; innovativ ist man allerdings im Bereich regenerative Energien. Mit dem Kloster zusammen, hat sich die Raiffeisenbank Plankstetten auf dem Feld profiliert. Doch das ist wohl die einzige „Extravaganz“, sonst setzt man auf Kontinuität.

Alles andere würde auch gar nicht zum Bild der dörflich geprägten Raiffeisenbank passen. Bereits 1896 wurde sie gegründet, damals noch unten im Dorf an der Bahnlinie. Inzwischen arbeitet man im alten Schulhaus.

Da will man auch bleiben. Dafür aber, das weiß Vorstand Frank genau, muss die Raiffeisenbank Plankstetten ihre Unabhängigkeit bewahren. Denn für die gut 300 Einwohner, die es in dem Ort gibt, würde wohl keine Filiale erhalten bleiben. Dabei lohnt sich das Geschäft — wäre es nicht so, hätte die Raiffeisenbank Plankstetten als Unternehmen längst dicht machen müssen.

In AG umgewandelt

Daher hat sich die Generalversammlung dazu entschieden, die eingetragene Genossenschaft in eine genossenschaftliche Aktiengesellschaft umzuwandeln. Damit will man die Eigenständigkeit weiter verteidigen, mit der Neumarkter Raiffeisenbank zu fusionieren, wie es die Dietfurter vor einigen Jahren taten, kommt nicht in Frage.

Dabei sind die Plankstettener noch lange nicht die kleinste Raiffeisenbank Deutschlands; in Schlewig-Holstein gebe es eine, die habe gerade mal zwölf Millionen Euro Bilanzsumme, sagt Frank. Und auch die Raiffeisenbank Bruck bei Schwandorf sei nur halb so groß wie die in Plankstetten.

Die Größe sei also kein Argument, die Versorgung im ländlichen Raum aufzugeben, sagt Frank. Und so hofft er, der im nächsten Jahr 20 Jahre in dem Ort dabei ist, dass eine Raiffeisenbank in Plankstetten noch in 30 Jahren munter Kredite vergibt und Geld anlegt. Die Zeichen stehen gut. 

hol

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