8°C
Sonntag, 19.05. - 06:12 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Kobler will räumliche Geschichten erzählen

Der Schweizer Architekt Tristan Kobler sprach im Maybach-Museum — Gesunder Spieltrieb hält kreativ - 19.11.2012 11:00 Uhr

NEUMARKT  - Sandburgen und Bauklötzchen, das Untere nach oben kehren und eigentlich immer alles neu erfinden: Kreatives Schaffen beginnt mit einem ausgeprägten Spieltrieb. Wem es später gelingt, diesen zu kultivieren und die Resultate zu einem architektonischen Maßstab zu entwickeln, zählt ohne Zweifel zu den Berufenen seines Standes.

Nur der Wandel ist beständig: Mit großflächigen Projektionen, Szenographien, löst Tristan Kober die Bindung von Architektur an Inhalte auf. So wird Transformation zum kreativen Prozess.
Nur der Wandel ist beständig: Mit großflächigen Projektionen, Szenographien, löst Tristan Kober die Bindung von Architektur an Inhalte auf. So wird Transformation zum kreativen Prozess.
Foto: Fritz Etzold
Nur der Wandel ist beständig: Mit großflächigen Projektionen, Szenographien, löst Tristan Kober die Bindung von Architektur an Inhalte auf. So wird Transformation zum kreativen Prozess.
Nur der Wandel ist beständig: Mit großflächigen Projektionen, Szenographien, löst Tristan Kober die Bindung von Architektur an Inhalte auf. So wird Transformation zum kreativen Prozess.
Foto: Fritz Etzold

Einer von ihnen heißt Tristan Kobler, stammt aus Luzern und betreibt seit 2004 mit seiner Kollegin Barbara Holzer das Büro Holzer Kobler Architekturen in Zürich und Berlin. Am vergangenen Mittwoch begrüßte ihn Johannes Berschneider im Rahmen der Vortragsreihe Architektur & Baukultur in Neumarkt.

Im Museum für historische Maybach-Fahrzeuge hat Tristan Kobler einer ebenso interessierten wie staunenden Gemeinde einen Einblick in sein Schaffen vermittelt.

In Szene gesetzt

„Wir wollen räumliche Geschichten erzählen“, lautet ein Grundsatz von Kobler. Und ein weiterer: „Dafür probieren wir alles aus, damit es keine Wiederholungen gibt.“ Mit besagtem gesunden Spieltrieb geht es deshalb an den Modellbau – es wird getüftelt, kombiniert, zersägt, verschoben.

Vor zwei Jahren hat das Architekten-Team unter dem Titel „Mise en scène“ (in Szene gesetzt, inszeniert) einen Einblick in sein tägliches Tun und Treiben vermittelt. Über wandflächengroße Fotos und reale Installationen hat das Team in einem Berliner Altbau seine Bürolandschaft nachgestellt, um so zu zeigen, dass Inhalte nicht an Architektur gebunden sind und umgekehrt.

Szenographie nennt sich diese Art von Ausstellungen im Fachjargon. Bestehende Räume werden umgeformt, Inhalte transformiert – ein Prozess, dem Tristan Kobler und Barbara Holzer auch in der Architektur immer wieder begegnen: Ob ein Bürogebäude oder ein Wohnhaus ihr Leben lang dem gleichen Zweck dienen, weiß bei ihrer Entstehung niemand. Die Wechselwirkung zwischen Szenographie und Architektur empfindet Kobler deshalb als zusätzlichen kreativen Impuls und setzt immer wieder andere Schwerpunkt – zur Zeit im Bereich der Architektur.

Gebäude wie Gebirge


Zu den jüngsten Kreationen des Architekten-Duos – beide haben übrigens an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich studiert – zählt das Zhong Fang Blue Globe Hotel in der chinesischen Stadt Jiande. Mit seinem ringförmigen Turm, unterschiedlichen Gebäudehöhen und zahlreichen Grünflächen auf Dächer und Balkonen wirkt der Entwurf wie die Fortsetzung der bergigen Umgebung und erscheint selbst wie ein Gebirge. 2014 soll die komplette Hotellandschaft mit Park und Pools stehen.

Neues Leben auf alten Fluren

Noch ein paar Hausnummern größer ist das Projekt „Suurstoffi“. Auf dem Areal einer ehemaligen Sauerstoff-Fabrik im dicht besiedelten Schweizer Kanton Zug entsteht ein komplett neues Stadtviertel mit Wohnraum für mehrere hundert Bürger und über 2000 Arbeitsplätzen.

In direkter Nachbarschaft zu befahrenen Bahngleisen und Öllagerstätten galt es hochwertigen Wohnraum und Büroarbeitsplätze zu schaffen. Jede Wohnung hat ihren individuellen Grundriss mit Loggia, Dachgarten, Balkon oder Pavillon – je nachdem, was die Lage zulässt.

Ein ähnliches Projekt entstand vor vier Jahren in Dietikon nahe Zürich auf dem Gelände einer ehemaligen Salami-Fabrik, hier allerdings mit Schwerpunkt auf Integration zwischen kleinteiliger, traditioneller Bebauung im alten Ortskern und moderner Repräsentanz großflächiger Gebäude. Zwischen einem neuen, siebenstöckigen und einem renovierten Hochhaus mit zehn Stockwerken aus dem Jahre 1962 haben die Architekten mehrere Z-förmige Wohngebäude platziert, die gute Flächennutzung und geschützte Außenräume vereinen.

Eine Aufgabe ganz anderer Prägung hat Barbara Holzer und Tristan Kobler vor sechs Jahren in Luzern erwartet.

In der malerischen Stadt am Vierwaldstätter See ist 1967 das erste Einkaufszentrum der Schweiz entstanden.

Zwischenzeitlich in die Jahre gekommen, galt es dem seinerzeitigen Vorzeigeprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt Luzerns nun die Großzügigkeit moderner Shopping-Malls einzuhauchen. Neben einem markanten, weit Hervorragendes Dach und einem geöffneten Innenhof hat das Büro vor allem mit Tageslicht die Einkaufsatmosphäre deutlich verbessert.

Garten der Verführung

Zu den wohl futuristischsten Projekten von Tristan Kobler dürfte das Gelände Expo.02 in Yverdon-les-Bains zählen. Der Standort gehört zu einem von insgesamt fünf, auf denen im Jahre 2002 die Schweizer Landesausstellung ausgerichtet wurde.

Das Motto lautete „Ich und das Universum“, der Untertitel „Sexualität und Sensualität“. Die Umsetzung war ein Garten der Verführung mit zwölf Stationen, Gebäuden in Form bunter Hügel mit Bars und Restaurants, unterbrochen von trockenen, spröden Kiesflächen und gipfelnd in einer wolkenförmigen Plattform über dem angrenzenden See.

„Dieser Park der Ideen war das Resultat einer Kooperation vieler Individuen und Autoren, die das Beziehungsthema leidenschaftlich umgesetzt haben“, erinnert sich der Schöpfer.

Vielfalt ist eben doch das Elixier der Kreativität. Eine Ausstellung zum Thema Stadtentwicklung tritt dafür einen eindrucksvollen Beweis an, veranstaltet vor zwei Jahren in der Turbinenhalle des ehemaligen Heizkraftwerks Berlin-Mitte.

Unter dem Titel „Realstadt“ hatte Kobler in den morbiden Charme der brüchig gewordenen Industriearchitektur einen 80 Meter langen und sechs Meter breiten Tisch inszeniert. Rund 250 Architektur- und Stadtmodelle repräsentierten die Wünsche, wie eine Stadt denn wirklich aussehen könnte – Transformation in Reinkultur. 

sha


Ihr Kommentar

Name:
 
 Bitte beachten Sie unsere Netiquette.
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.


Themen am Wochenende

Aktueller Zeitungstitel Neumarkter Nachrichten
  • Verdruss ohne Ende: Peter Abspacher erklärt, warum das G8 in Bayern nie ganz akzeptiert wurde
  • Der Einsiedler von Bad Abbach: Michael Kasperowitsch hat einen Eremiten besucht
  • Dichter, Revolutionär, Egomane: Eine Sonderseite zum 200. Geburtstag von Richard Wagner
Nachrichten aus der Region
Alle Regionen

22:00 Uhr:
20:19 Uhr:
19:00 Uhr:

Links unten
Die tägliche Kolumne der Neumarkter Nachrichten - immer mit einem Augenzwinkern. Schmunzeln Sie mit.
Aktuell: Naivität wird hart bestraft

flirt.nbi
Suche wird durchgeführt...
Termine in Stadt und Land
Neumarkt i.d.OPf.

Daniel Müller-Schott, Francesco Piemontesi

Mittwoch
05
Juni
Kategorie: Klassik
Beginn: 20:00 Uhr
Wo: Neumarkt i.d.OPf. - Historischer Reitstadel

Fußball in der Region
Fußball in der Region
Spielberichte, Statistiken und Hintergründe von der Regionalliga bis zur B-Klasse. Umfassend, aktuell und kompetent.

Fußballtippspiel