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Einer von ihnen heißt Tristan Kobler, stammt aus Luzern und betreibt seit 2004 mit seiner Kollegin Barbara Holzer das Büro Holzer Kobler Architekturen in Zürich und Berlin. Am vergangenen Mittwoch begrüßte ihn Johannes Berschneider im Rahmen der Vortragsreihe Architektur & Baukultur in Neumarkt.
Im Museum für historische Maybach-Fahrzeuge hat Tristan Kobler einer ebenso interessierten wie staunenden Gemeinde einen Einblick in sein Schaffen vermittelt.
„Wir wollen räumliche Geschichten erzählen“, lautet ein Grundsatz von Kobler. Und ein weiterer: „Dafür probieren wir alles aus, damit es keine Wiederholungen gibt.“ Mit besagtem gesunden Spieltrieb geht es deshalb an den Modellbau – es wird getüftelt, kombiniert, zersägt, verschoben.
Vor zwei Jahren hat das Architekten-Team unter dem Titel „Mise en scène“ (in Szene gesetzt, inszeniert) einen Einblick in sein tägliches Tun und Treiben vermittelt. Über wandflächengroße Fotos und reale Installationen hat das Team in einem Berliner Altbau seine Bürolandschaft nachgestellt, um so zu zeigen, dass Inhalte nicht an Architektur gebunden sind und umgekehrt.
Szenographie nennt sich diese Art von Ausstellungen im Fachjargon. Bestehende Räume werden umgeformt, Inhalte transformiert – ein Prozess, dem Tristan Kobler und Barbara Holzer auch in der Architektur immer wieder begegnen: Ob ein Bürogebäude oder ein Wohnhaus ihr Leben lang dem gleichen Zweck dienen, weiß bei ihrer Entstehung niemand. Die Wechselwirkung zwischen Szenographie und Architektur empfindet Kobler deshalb als zusätzlichen kreativen Impuls und setzt immer wieder andere Schwerpunkt – zur Zeit im Bereich der Architektur.
Zu den jüngsten Kreationen des Architekten-Duos – beide haben übrigens an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich studiert – zählt das Zhong Fang Blue Globe Hotel in der chinesischen Stadt Jiande. Mit seinem ringförmigen Turm, unterschiedlichen Gebäudehöhen und zahlreichen Grünflächen auf Dächer und Balkonen wirkt der Entwurf wie die Fortsetzung der bergigen Umgebung und erscheint selbst wie ein Gebirge. 2014 soll die komplette Hotellandschaft mit Park und Pools stehen.
Noch ein paar Hausnummern größer ist das Projekt „Suurstoffi“. Auf dem Areal einer ehemaligen Sauerstoff-Fabrik im dicht besiedelten Schweizer Kanton Zug entsteht ein komplett neues Stadtviertel mit Wohnraum für mehrere hundert Bürger und über 2000 Arbeitsplätzen.
In direkter Nachbarschaft zu befahrenen Bahngleisen und Öllagerstätten galt es hochwertigen Wohnraum und Büroarbeitsplätze zu schaffen. Jede Wohnung hat ihren individuellen Grundriss mit Loggia, Dachgarten, Balkon oder Pavillon – je nachdem, was die Lage zulässt.
Ein ähnliches Projekt entstand vor vier Jahren in Dietikon nahe Zürich auf dem Gelände einer ehemaligen Salami-Fabrik, hier allerdings mit Schwerpunkt auf Integration zwischen kleinteiliger, traditioneller Bebauung im alten Ortskern und moderner Repräsentanz großflächiger Gebäude. Zwischen einem neuen, siebenstöckigen und einem renovierten Hochhaus mit zehn Stockwerken aus dem Jahre 1962 haben die Architekten mehrere Z-förmige Wohngebäude platziert, die gute Flächennutzung und geschützte Außenräume vereinen.
Eine Aufgabe ganz anderer Prägung hat Barbara Holzer und Tristan Kobler vor sechs Jahren in Luzern erwartet.
In der malerischen Stadt am Vierwaldstätter See ist 1967 das erste Einkaufszentrum der Schweiz entstanden.
Zwischenzeitlich in die Jahre gekommen, galt es dem seinerzeitigen Vorzeigeprojekt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Altstadt Luzerns nun die Großzügigkeit moderner Shopping-Malls einzuhauchen. Neben einem markanten, weit Hervorragendes Dach und einem geöffneten Innenhof hat das Büro vor allem mit Tageslicht die Einkaufsatmosphäre deutlich verbessert.
Zu den wohl futuristischsten Projekten von Tristan Kobler dürfte das Gelände Expo.02 in Yverdon-les-Bains zählen. Der Standort gehört zu einem von insgesamt fünf, auf denen im Jahre 2002 die Schweizer Landesausstellung ausgerichtet wurde.
Das Motto lautete „Ich und das Universum“, der Untertitel „Sexualität und Sensualität“. Die Umsetzung war ein Garten der Verführung mit zwölf Stationen, Gebäuden in Form bunter Hügel mit Bars und Restaurants, unterbrochen von trockenen, spröden Kiesflächen und gipfelnd in einer wolkenförmigen Plattform über dem angrenzenden See.
„Dieser Park der Ideen war das Resultat einer Kooperation vieler Individuen und Autoren, die das Beziehungsthema leidenschaftlich umgesetzt haben“, erinnert sich der Schöpfer.
Vielfalt ist eben doch das Elixier der Kreativität. Eine Ausstellung zum Thema Stadtentwicklung tritt dafür einen eindrucksvollen Beweis an, veranstaltet vor zwei Jahren in der Turbinenhalle des ehemaligen Heizkraftwerks Berlin-Mitte.
Unter dem Titel „Realstadt“ hatte Kobler in den morbiden Charme der brüchig gewordenen Industriearchitektur einen 80 Meter langen und sechs Meter breiten Tisch inszeniert. Rund 250 Architektur- und Stadtmodelle repräsentierten die Wünsche, wie eine Stadt denn wirklich aussehen könnte – Transformation in Reinkultur.


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