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Ulrich Fleckenstein steht auf einem Holzbrett. „Wenn Sie auf dem Boden stehen, haben Sie in zehn Minuten Eisfüße. Ich hab‘ schon Eisfüße“, sagt der Verkäufer. Es ist halb elf, für Ulrich Fleckenstein ist der Markt nun beendet. Der Händler packt Olivenöl, Essig und Antipasti in sein Auto. Nicht die Kälte vertreibt ihn, sondern er geht, weil die Kunden fehlen. „Die Leute bleiben zu Hause. Was soll ich denn hier, soll ich mir den ganzen Tag Neumarkt anschauen?“, sagt Fleckenstein.
Hätte er bereits am Morgen gewusst, dass der Wind so stark bläst, wäre er nicht gekommen. Doch der Wetterbericht hat ihn betrogen. „Ich hab‘ im Internet geschaut, so ein starker Wind wurde nicht angekündigt.“
Nicht nur die fehlenden Kunden, sondern auch der Wind vertreiben ihn nun: „Das Risiko ist mir zu groß. Beim Eiermann da drüben ist heute morgen bereits der Stand weggeflogen.“
Der Eierverkäufer hat daraufhin den Markt verlassen. Rund um den Stand von Ulrich Fleckenstein sind weitere Lücken, bald wird auch sein Standplatz leer sein.
Nach Hause fahren würde am liebsten auch Peter Keckeisen (59). Doch er muss bis zum Schluss bleiben: „Sonst schimpft mein Chef.“
Keckeisen hat aber einen der wärmsten Arbeitsplätze am Wochenmarkt, trotzdem friert ihn: „Bei mir ist es hinten warm und vorne kalt“, sagt der 59-Jährige, der nur einen Pullover und einen dünnen Arbeitskittel trägt. Die Jacke liegt im Auto.
Seinen Stand musste Keckeisen am Morgen bereits um 90 Grad drehen. Nur wenige Meter vor ihm steht nun ein weiterer Stand, dieser schützt vor dem starken Wind. „Heute morgen hat mir der Wind ständig das Feuer ausgelöscht“, erzählt Keckeisen, während sich hinter ihm die Hähnchen drehen. Mehrere hundert Grad ist es dort heiß. Doch auch den Hähnchen macht das Wetter zu schaffen: „Wenn es von vorne so kalt ist, brauchen sie länger, bis sie fertig sind“, sagt Keckeisen, der normalerweise ein Thermometer hat. Doch heute ist dies kaputt. „Wahrscheinlich wegen der Kälte.“ Im Sommer zeigt dieses Thermometer oft über 50 Grad an, doch Keckeisen freut sich bereits auf diese Hitze: Er schwitzt lieber, statt — wie derzeit — zu frieren.
Bevor der nächste Kunde kommt, muss der Hähnchen-Verkäufer nun eine lockere Plane an seinem Stand befestigen, währenddessen erzählt er, dass am Morgen bereits der Stand eines Kollegen umgefallen ist: Die Holzteile seien nur wenige Zentimeter neben einem neuen BMW liegen geblieben.
Beobachtet hat dies auch Luise Englmeier, auch sie muss ständig die Planen und Stangen ihres Standes festhalten, damit diese nicht davonfliegen. Doch trotz Kälte und Wind hat Luise Englmeier gute Laune: „Ich bin das gewohnt, ich komm‘ aus der Landwirtschaft.“ Die extremen Minusgrade stören sie daher nicht, doch auch bei ihr fehlen die Kunden. „Guten Morgen, bei mir gibt‘s heut Schweinsbraten“, schreit Englmeier, doch für einen Schweinebraten ist es diesem Mann noch zu früh. „Ich komm später wieder“, antwortet er.
Während Planen Luise Englmeier schützen, ist Michael Kamm direkt dem Wind und der Kälte ausgesetzt. Snowboardkleidung, Mütze, gefütterte Schuhe und Handschuhe wärmen ihn. Der Weinhändler hätte sich die jetzigen Temperaturen bereits vor sechs Wochen gewünscht. „Dann hätten wir Eiswein machen können.“
Nun hofft er jedoch, dass es nicht noch eisiger wird. „Bei uns in Unterfranken hatte es heute morgen zehn Grad minus, ab Minus zwanzig Grad wird es für den Weinanbau kritisch.“ Wird es noch frostiger, gefriert zudem der Wein in den Flaschen. „Der Alkohol schützt zwar, aber ab minus 15 Grad gefriert der Wein trotzdem.“
Doch im Moment zeigt das Thermometer in der Stadt nur Minus zehn Grad, der Wein ist noch flüssig. Michael Kamm läuft immer wieder hin und her, damit er nicht auskühlt. Trotz der Minusgrade und trotz fehlender Kunden will auch Kamm, genau wie seine Kollegin Luise Englmeier, bis zum Schluss auf dem Markt bleiben. „Ich bin nur einmal im Monat in Neumarkt, die Kunden verlassen sich darauf, dass ich dann auch hier bin“, sagt er, während einige Meter weiter Ulrich Fleckenstein Öl, Essig, Antipasti und auch die Teile seines Standes bereits eingepackt hat und auf dem Heimweg ist. Statt weiter auf dem Markt in der Kälte zu stehen, will Fleckenstein sich nun in seinem warmen Büro um das Internetgeschäft kümmern.

