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Donnerstag, 20.09.2018

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Neumarkt: Hier steppt die Kuh durchs Circuszelt

Circus Carelli zu Gast auf dem Volksfestplatz - 09.09.2018 20:30 Uhr

Graziöse Tänzerinnen auf vier Hufen: Die Kühe Milka und Heidi aus Bad Tölz legten eine kesse Sohle aufs Manegen-Parkett. © Martin Herbaty


Hinter dem Circus Carelli stehen die Brüder Franz und Timmy Barelli (bürgerlich Franz und Timmy Spindler), die aus einer alten Artistenfamilie stammen. Erst seit zwei Jahren gehen sie mit ihrem Circus auf Tour, doch die Tradition der Zirkusdynastien lebt in ihrem Unternehmen weiter.

Was Hunde so alles drauf haben: Edi Laforte und seine vierbeinigen Mitarbeiter zeigten erstaunliche Nummern mit Sprüngen und Ausflügen durch Reifen und Röhren. © Foto: Martin Herbaty


Das zeigt sich auch in den Personen – durch das Programm führt Senior John Henry Spindler, der lange Jahre seinen eigenen Zirkus Barelli leitete. Die einst klassischen Zirkustiere wie Elefanten, Tiger und Löwen sind schon lange nicht mehr dabei. Artenschutzbestimmungen, Tierschutzauflagen und Kosten haben die Exoten aus der Manege vertrieben.

Salima Folco zeigte mit den Vertikaltüchern atemberaubende Artistik-Nummern unter der Zirkuskuppel. © Martin Herbaty


Das heißt jedoch nicht, dass es keine Tiernummern mehr gibt: Beim Circus Carelli leben 70 Tiere, von denen die meisten einen oder sogar mehrere Auftritte bei jeder Vorstellung haben – aber eben keine Wildtiere mehr. John Henry Spindler betonte, dass die Veterinärämter dem Zirkus bisher an jedem Spielort Bestnoten in punkto Tierhaltung gegeben habe.

Wieviel artistisches Potenzial in "ganz normalen" Haustieren steckt, zeigte schon zum Auftakt Edi Laforte mit seiner rasanten Hundenummer. Zehn Hunde in allen Größen sprangen durch Reifen und Röhren, balancierten oder schoben ihre Kollegen im Wagen durch die Manege.

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Circus Carelli in Neumarkt

„Lachen, Träumen, Staunen“ – das verspricht der Circus Carelli, der gerade auf dem Neumarkter Volksfestplatz Station macht. Bei der Premiere verzauberte der Zirkus sein Publikum: Talentierte Hunde, Pferde, Esel und Kamele waren dabei und menschliche Akrobaten und Clowns.


Einen buchstäblich gewichtigen Auftritt hatten zwei "Damen aus Bad Tölz": "Heidi" und "Milka" bewiesen, dass sich auch Kühe graziös bewegen und Kunststücke einstudieren können. Unter Leitung von Franz Barelli straften die sechs Baktrischen Kamele bei ihrem Autritt ihren Artnamen "Trampeltier" Lügen. Vor allem die Kinder waren von diesen Tieren begeistert, nicht zuletzt, weil sie in der Pause auch einmal selbst für ein paar Runden zwischen den Höckern Platz nehmen konnten.

Großen Beifall erntete der Auftritt von "Mini", dem winzigen Shetland-Pony, das nicht nur um seinen Kumpel "Maxi" herum lief, sondern problemlos auch unter ihm hindurch. Als "schönstes Pferd der Welt" angekündigt, machte Esel "Manolito" seinem Dresseur Timmy Spindler zum Gaudium der Zuschauer nach Kräften das Leben schwer.

70 Menschen beschäftigt der Zirkus. Angesichts des vielfältigen Aufgabenspektrums vor und hinter den Kulissen – ein Zirkus braucht ja nicht nur Artisten, sondern auch Techniker und Mechaniker, Tierpfleger und Musiker, Lademeister und Fahrer, Zeltmeister und Regisseur – haben fast alle Personen mehrere Hüte auf. So hatte Edi Laforte im zweiten Teil des Programms einen weiteren Auftritt und wirbelte als Tempo-Jongleur Bällen, Keulen und Ringe durch die Luft. Franz Barelli führte nicht nur als Pferdedompteur einen Andalusier und sechs Araber vor, sondern zeigte zusammen mit seinem Bruder als Clown komödiantisches und musikalisches Talent.

Salima Folco, die schon beim spanischen Nationalzirkus gearbeitet hat, demonstrierte als Luftartistin vollendete Körperbeherrschung an den Vertikaltüchern hoch unter der Zirkuskuppel. Auf dem Rücken eines weißen Andalusiers wiederum bewies sie ihr reiterisches Können und führte ihr Pferd allein durch Gewichtsverlagerung durch die der Hofreitschule entlehnten Figuren. Akrobatik in schwindelnder Höhe führte "Lady Desdemona" am Luftring auf.

Auch die nächste Generation steht schon in den Startlöchern: Die zehnjährige Ashley Spindler zeigte ihre erste selbst einstudierte Nummer mit Hula-Hoop-Ringen. Selbst wenn der Nachwuchs gesichert ist – die mehr als 400 Jahre alte Zirkustradition an sich ist angesichts schwererer Bedingungen und moderner Konkurrenz in Gefahr. Von einst über 250 Zirkussen in Deutschland sind noch knapp 50 übrig. Daher forderte John Henry Spindler das Publikum auf. "Besuchen Sie den Zirkus, wenn einer in Ihre Stadt kommt, egal, wie groß oder klein er ist."

Am kommenden Freitag und Samstag jeweils um 15 und 20 Uhr und am Sonntag um 11 und 15 Uhr. Am Sonntag haben bei der Nachmittagsvorstellung alle Väter freien Eintritt. 

MARTIN HERBATY

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