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Das ist tatsächlich ein „hidden champion“, ein versteckter Sieger: In der Neumarkter Dreichlingerstraße residiert nicht irgendeine Niederlassung des schwedischen Thule-Konzerns. Die Dependance ist praktisch die Deutschland-Zentrale des Unternehmens — und die nach eigenen Angaben weltweit größte Produktionsstätte von Pkw-Dachboxen. Über 200000 Stück verlassen alljährlich die Werkshallen und werden global verschickt.
Folgerichtig ist der Neumarkter Geschäftsführer Frank Feiland nicht nur „Vice President Sales“ bei Thule, sondern auch weltweiter Vertriebschef. Entsprechend international geht es in seinem Betrieb zu: In dieser Woche waren Großkunden aus Indonesien und aus Thailand da, um sich die Produktionsanlagen einmal anzuschauen.
Apropos Asien: Könnte der Dachboxen-Marktführer nicht viel billiger irgendwo in Fernost produzieren? Thule-Chef Feiland hat andere Prioritäten: Der Hauptmarkt für das Dachboxenprogramm liegt in Europa, so dass das Werk in Neumarkt mit 138 Mitarbeitern den Vorzug kurzer Vertriebswege bietet. „Wenn jemand heute 1000 Boxen bestellt, dann können wir spätestens übernächste Woche liefern“, sagt der Geschäftsführer stolz.
Außerdem verfügt der Neumarkter Betrieb über einen modernen Maschinenpark. Der hohe Mechanisierungsgrad einschließlich Roboter-Einsatz sorgt dafür, dass der „Anteil an Arbeit überschaubar“ ist, so Frank Feiland. Sein Credo: „Qualität und hohe Lieferfähigkeit sind genauso wichtig wie die Arbeitskosten.“
Der Thule-Statthalter in Neumarkt sagt für den Standort einen „leichten Zuwachs“ beim Personal voraus, ohne dass allerdings ein kräftiger Ausbau der Belegschaft in Aussicht stünde. Der Absatz des skandinavischen Konzerns unterliegt gewissen saisonalen Schwankungen, so dass Thule in der Oberpfalz auch Zeitarbeiter einsetzt, um die Auftragsspitzen abzuarbeiten. Feiland: „Unser Bestreben ist es aber immer, feste Arbeitsverhältnisse daraus zu machen.“
Die gegenwärtig starke Nachfrage nach den Über-Kopf-Containern auf den Personenwagen ist durchaus normal: „Es brummt immer im Dezember und Januar“, berichtet der örtliche Thule-Chef. Das hat nicht unmittelbar mit der aktuellen sibirischen Kälte, Schnee und Wintersportverlockungen zu tun. Auch die tatsächlichen Schneeverhältnisse in den Zielgebieten der Alpen sind eher weniger ausschlaggebend für die Kauflaune der Autobesitzer. Entscheidend ist dagegen der Schneefall im Flachland, der die Konsumenten animiert, eine neue Dachbox für den nächsten Skiausflug zu kaufen.
Thule hat international durch den Zukauf von mittelständischen Unternehmen expandiert. Davon konnte auch der Standort Neumarkt profitieren: Meistens bekommt dann die Administration und die Produktentwicklung am Ort durch die Firmenübernahme anderswo einen personellen Zuwachs.
2010 hat die Thule Group mit 3100 Mitarbeitern und 50 Standorten weltweit auch mit Anhängern, Schneeketten und Fahrradträgern rund 630 Millionen Euro Umsatz gemacht.

