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Neumarkt zeigt Nazis den Stinkefinger

Zahlreiche Bürger protestierten gegen Aufmarsch des Dritten Weges - 22.04.2017 16:31 Uhr

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Nazi-Spuk in Neumarkt: Eine Stadt wehrt sich mit Erfolg

Die Verhältnisse waren klar: 50 Nazis, 30 Antifa, 200 Neumarkter Bürger, strömender Regen. Nach 130 Minuten war der braune Spuk ausgestanden, eine Stadt hat sich erfolgreich gegen die Vereinnahmung durch den Dritten Weg gewehrt.


Das Positive an dem braunen Spektakel: Auch wenn die Neumarkter erst spät erfuhren, welche rechtsextremistischen Umtriebe da am Samstag geplant waren - sie waren da, um ihre Stadt nicht von den Rechtsextremen vereinnahmen zu lassen.

Zivilgesellschaft in Neumarkt funktioniert, das war das wichtigste Signal dieses Nachmittages, losgelöst von dem rechtsradikalen Spektakel mit markigen Sprüchen und lautem Getrommel, das, so ein grober Überblick, wenige Zuhörer fand. Wer da am frühen Nachmittag im strömenden Regen rund ums Rathaus stand, der war gegen den Dritten Weg. Auch, wenn zwei oder drei unverbesserliche Neumarkter für die Extremen warben.

Immer wieder mussten die Polizisten die Antifa abhalten, den Rathausplatz zu stürmen.

Immer wieder mussten die Polizisten die Antifa abhalten, den Rathausplatz zu stürmen. © Wolfgang Fellner


Die Extremisten hatten sich gegen 13 Uhr am Bahnhof versammelt, der Großteil war mit der Bahn angereist. Für sie war Neumarkt nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Nürnberg, wo der Dritte Weg am späten Nachmittag zum Aktionstag geladen hatte. Rund 50 Aktivisten, schätzte die Polizei, keine zehn davon aus dem Landkreis. Sie setzten sich in Formation, zwei Trommler vorweg, ihre Plakate hoch gereckt und marschierten Richtung Rathaus.

Vor dem Rathaus erwarteten bereits 200 Gegendemonstranten den gespenstischen Aufzug. „Neumarkt ist bunt“ war einer der Slogans, SPD und FDP, dazu Grüne und die Linke, bekannten Flagge, Vertreter der verschiedensten Parteien waren vertreten. Auch SPD-Kreisverbandsvorsitzende Carolin Braun und die Neumarkter stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende Gertrud Heßlinger waren vor Ort. „Ich möchte mich vor allem bei den Bürgern bedanken, die trotz der kurzen Frist doch noch in so großer Menge gekommen sind“, sagte Carolin Braun.

Denn, bitteres Vorspiel: Die Stadtverwaltung hatte den Aufzug der Nazis genehmigt, weil er zu genehmigen ist. Aber sie hatte niemanden aus den Parteien darauf hingewiesen, was da für ein brauner Auftritt droht. Also hatten Braun und Heßlinger, die erst spät von der Kundgebung erfahren hatten, am Freitag noch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine machtvolle Gegendemonstration auf die Beine zu stellen. Das war ihnen letztlich auch gelungen.
  

Wolfgang Fellner

Wolfgang Fellner Neumarkter Nachrichten E-Mail

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