Freitag, 24.03. - 05:13 Uhr

|

zum Thema

Parsberger Boxer Ünsal Arik legt sich mit Erdogan an

36-jähriger Deutsch-Türke trat in der Sendung von Jan Böhmermann auf - 17.03.2017 12:45 Uhr

Hat eine klare Meinung: Ünsal Arik kritisiert den türkischen Präsidenten Erdogan scharf.

Hat eine klare Meinung: Ünsal Arik kritisiert den türkischen Präsidenten Erdogan scharf. © Screenshot: ZDF-Mediathek


Ünsal Arik ist schon ein bisschen stolz auf seine Herkunft. "Ja freili", entgegnet er schmunzelnd auf die Anmerkung von Entertainer Jan Böhmermann, den Bayer in ihm schon am Dialekt erkennen zu können, nachdem er in der aktuellen Ausgabe der Sendung "Neo Magzin Royale" auf der Bank für Gäste Platz genommen und die ersten Worte gesprochen hat.

Geboren ist der 36-Jährige in Parsberg im Landkreis Neumarkt. Arik ist mehrfacher Boxchampion - und hierzulande in der deutsch-türkischen Community einer der lautesten Kritiker des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der vollbärtige Kampfsportler trägt bei seinem Auftritt ein schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck "#ERDOCANT", dazu eine Nike-Jogginghose und Turnschuhe.

Obwohl er sowohl einen deutschen als auch einen türkischen Pass besitze, habe er ein Einreiseverbot in die Türkei bekommen, erzählt Arik. "Ein Einreiseverbot?", fragt Böhmermann erstaut. "Wir haben doch denselben Freund", sagt der Profiboxer. "Äh, da kann ich nicht drüber reden", fällt der Satiriker, der wegen eines Schmähgedichtes bei Erdogan in Ungnade gefallen ist, dem Profiboxer scherzend ins Wort.

Bilderstrecke zum Thema

Ünsal Arik drillt die Kickboxer des ASV Neumarkt Ünsal Arik drillt die Kickboxer des ASV Neumarkt Ünsal Arik drillt die Kickboxer des ASV Neumarkt
Ünsal Arik drillt die Kickboxer des ASV Neumarkt

Der gebürtige Parsberger Ünsal Arik ist Box-Welt- und Europameister. Beim ASV Neumarkt hat er den Kickboxern eine Kostprobe gegeben, wie sein tägliches Training aussieht.


Auch Arik hat "Beef" mit dem türkischen Präsidenten. "Das Land gehört Atatürk und nicht Erdogan", stand auf einem T-Shirt, das der 36-Jährige nach einem Kampf in der Türkei trug. "Es gibt halt Leute, die haben Ego-Probleme", sagt der Boxer. "Erdogans Ego ist so klein", ergänzt er und zeigt mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, wie klein. "Weil er Ego-Probleme hat, hat ihm das nicht gepasst."

"Wer ihn wählt, wird für mich dumm bleiben"

Arik hatte im vergangenen August mit einem Auftritt im Sat1-Frühstücksfernsehen von sich Reden gemacht, bei dem er seine Landsleute, die Erdogan unterstützen, als dumm bezeichnete. "Wer ihn wählt, wird auch weiterhin für mich dumm bleiben", wiederholt der Boxer seine Aussagen in der Sendung am Donnerstag.

Als Arik erzählt, wie er Erdogan als "Adolf Hitler 2.0" bezeichnet hat, lacht das Publikum laut auf. Auch Böhmermann grinst, wenn er auch erneut betont, dass er auf keinen Fall öffentlich über die Angelegenheit reden könne. "Nazivergleiche - wer macht das in diesen Tagen nicht?", witzelt der Entertainer und spielt damit auf die jüngsten Provokationen vom Bosporus in Richtung Berlin und Den Haag an. Arik legt nach: "Aber wie du gesagt hast: Adolf war cool, weil der hat Adolf umgebracht. So viele Eier hat Erdogan nicht."

"Dieser Mensch ist böse und gehört einfach weg." Die deutliche, heftige Kritik an Erdogan überrascht selbst Böhmermann. "Du bist der erste Türke, der öffentlich so etwas sagt", sagt der Satiriker. Sogar Gangsterrapper hatten angesichts der vor dem Referendum in der Türkei aufgeheizten Stimmung Angst gehabt, in seiner Sendung aufzutreten, so Böhmermann. "Gangsterrapper halten nur ein Mikrofon und können singen", sagt Arik. "Ich bin ja ein Mann, gehe in den Ring und teile aus und stecke auch ein. Das ist ja auch das, was mich von Erdogan sehr stark unterscheidet. Er braucht 500 Bodyguards und ich löse meine Probleme alleine."

"Ich rede nicht über meine Landsleute, die in der Türkei leben. Aber ich bin sehr enttäuscht von allen Türken, die in Deutschland leben und Deutschland gegenüber keinen Respekt zeigen", sagt der 36-Jährige. "Jeder Türke, dem es hier nicht passt, weiß doch, wo der Flughafen ist." Wer so auftritt, macht sich natürlich Feinde. Aufgrund seiner Meinung hat Arik kaum noch Freunde. Er berichtet davon, dass Erdogan-Anhänger seine Familie beleidigen und ihn mit Hassmails überschütten. Doch das sei ihm egal. "Hunde die bellen, beißen nicht", sagt er. 

5

5 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.