Donnerstag, 15.11.2018

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Pyrbaum: ÖPNV muss sexy sein

Verein PYR-einander will Verkehrssituation verbessern - 26.07.2018 16:29 Uhr

Autonom fahrende Busse, die den Öffentlichen Nahverkehr in der Marktgemeinde Pyrbaum ergänzen? Die PYR-einander-Vorsitzenden können sich solch eine Lösung prinzipiell schon vorstellen. © Foto: privat


Auf der letzten Jahreshauptversammlung des Jahres wurde ein entsprechender Beschluss gefasst, der insbesondere auch die Schwierigkeiten, Pflegepersonal für das Seniorenheim zu gewinnen, intensiv beleuchtete. Dabei spielt auch die mangelhafte Erreichbarkeit der Marktgemeinde mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Rolle. Aber auch älteren Mitbürgern soll die Möglichkeit eröffnet werden, ohne eigenes Kraftfahrzeug problemlos und kostengünstig Neumarkt oder Nürnberg erreichen zu können. Dazu muss der ÖPNV nach Meinung des Fördervereins attraktiver, transparenter und vor allem auch kostengünstiger werden.

Zwischenzeitlich haben die beiden Vorsitzenden Riesch und Kiefer mit dem zuständigen Sachgebietsleiter im Landratsamt Endres die Gesamtsituation besprochen. Auch wenn die Marktgemeinde mit den vorhandenen Angeboten, zum Beispiel Linien- und Schulbussen, Anrufsammeltaxen und einem Rufbus, relativ gut angebunden erscheint, besteht volle Übereinstimmung, dass das bestehende System mit einer Vielzahl von Fahrplänen für viele potentielle Nutzer zu undurchsichtig ist.

Dazu kommt eine mangelnde Attraktivität des Nahverkehrs in vielen ländlichen Bereichen, die man aus Sicht des Fördervereins in städtischen Kommunen nicht kennt: Dort ist der ÖPNV in all seinen Schattierungen völlig selbstverständlich, auch für junge Leute ist es gängig, nicht mit dem eigenen Auto innerstädtisch unterwegs zu sein.

Um den ÖPNV in das Bewusstsein der Gesellschaft auch im ländlichen Bereich zu rücken, brauche es eventuell eine langfristig angelegt Marketingkampagne, wie die Gesprächsteilnehmer überlegten — oder wie es aus ihren Reihen anschaulich formuliert wurde: Der ÖPNV müsse "sexy" werden.

Um Transparenz zu schaffen, bedürfe es demnach regelmäßig verkehrender Verkehrsmittel, die zu festen Zeiten im halbstündigen Wechsel zum nächstgelegenen S-Bahnhof fahren. Dadurch würde sich auch eine komplizierte Fahrplangestaltung erübrigen. Diese Regelung favorisierte nach Angaben des Fördervereins auch Pyrbaums Bürgermeister Guido Belzl in einem früheren Gespräch.

Die weitere Hürde, die in der Versammlung angesprochen wurde, stellt die Kostensituation dar: Wenn eine Einzelfahrt nach Nürnberg 7,20 Euro kostet, mit Rückfahrt das Doppelte, bei 2 Personen 28,80 Euro, dann brauche man sich demnach nicht zu wundern, wenn Bürger lieber mit dem Auto unterwegs seien.

Aufklärung und Gutscheine

Damit kam Landrat Willibald Gailler ins Spiel: In einem Gespräch konnte man auch hier hinsichtlich der Kostensituation, der mangelnden Transparenz und Attraktivität größtenteils Übereinstimmung erzielen. Der Landrat brachte verschiedene Ideen ins Gespräch mit ein, beispielswiese Aufklärungsaktionen über die Möglichkeiten des ÖPNV, Gutscheinaktionen und eventuell neue Zyklen der Bustakte. Auch bezüglich der Fahrpreisgestaltung war man sich einig.

Dabei muss die bestehende Bindung an die bis zum Jahr 2021 geltenden Verträge berücksichtigt werden. Erst danach können grundlegende Veränderungen ins Auge gefasst werden. Bis dahin gelte es, die bestehende Situation zu optimieren, zusätzliche Verbindungen zu schaffen und jetzt schon die Kostensituation zu entschärfen.

Auch autonom fahrende Fahrzeugen könnten in Zukunft eine Rolle spielen: Die PYR-einander-Vorsitzenden Riesch und Kiefer nahmen vor Ort den autonom fahrenden Bus aus Bad Birnbach in Augenschein, der als Prototyp momentan auf einer 700 Meter langen Strecke erprobt, aber noch Ende des Jahres durch die 2. Generation der Fahrzeugentwicklung auf einer dann 2500 Meter langen Strecke eingesetzt wird.

Der zuständige Sachgebietsleiter der Gemeinde Bad Birnbach Kröll erläuterte in einem Gespräch die Entwicklung dieser innovativen Transportmöglichkeit und gab seiner festen Überzeugung Ausdruck, dass die technische Weiterentwicklung ein rasantes Tempo vorlegen wird. Der Bus wurde von der französischen Firma easy-mile entwickelt und wird von der Deutschen Bundesbahn betrieben. Zwischenzeitlich wurden 8000 km unfallfrei zurückgelegt und dabei etwa 14 000 Fahrgäste befördert. Zur Zeit liegen die Taktzeiten zwischen 8 und 18 Uhr, künftig werden zwei Busse von 8 bis 21.15 Uhr in Betrieb sein.

Bei einer abschließenden Probefahrt konnten die Vorstandsmitglieder des Fördervereins einen Eindruck der innovativen Technologie bekommen, deren Einsatzmöglichkeiten für die Marktgemeinde — ebenso wie eine weitere Verbesserung des ÖPNV — weiter verfolgt werden soll. 

nn

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