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Reichsgraf Tilly gab nur kurze Gastspiele

Breitenbrunn blickt mit Historienspektakel zurück in den 30-jährigen Krieg — Fest am 9. und 10. September - 21.08.2017 08:40 Uhr

Mit Vorführungen, und Gefechtsszenen will man beim Tillyfest die Geschichte von Breitenbrunn im 30-jährigen Krieg näher bringen. © Foto: Werner Sturm


Der historische Hintergrund für das Tillyfest ist, dass der bayerische Kurfürst Maximilian I. im Jahr 1624 seinen Kriegsherrn Johann Tserclaes Graf von Tilly mit Breitenbrunn und Schloss Breitenegg beliehen hat. Mit dem General bekam erstmals ein Regent die Herrschaft über Breitenbrunn und Breitenegg, der nicht aus der Region stammte.

1559 wurde er auf Schloss Tilly in Brabant in Belgien geboren. Zeit seines Lebens war er Soldat und kämpfte als Heerführer für verschiedene Herrscher. Im Jahre 1610 berief ihn der Kurfürst nach Bayern, wo er das bayerische Heer reorganisieren sollte. Tilly wurde Oberkommandierender der von Bayern geführten katholischen Liga. Im Jahre 1624, Graf Johann Tserclaes von Tilly war bereits 65 Jahre alt, begann die miteinander verwobene Geschichte von Breitenbrunn und dem General, die ihren Niederschlag Jahr für Jahr im Tillyfest findet.

Am 7. Juni 1624 kam Graf Tilly zum ersten Mal nach Breitenbrunn, um sein neues Lehen in Besitz zu nehmen. Einen Tag später, an einem Sonntag, begleitete er erst eine Prozession zusammen mit einer großen Anzahl seiner Untertanen. Anschließend spendete er der Kirche von Breitenbrunn zum Abschied 100 Taler, ein kostbares Messgewand und stiftete eine Rosenkranzbruderschaft.

Krieg rief ihn ins Feld

Tilly konnte nicht lange auf seinem neuen Besitz bleiben, der Krieg rief ihn wieder zu seiner Truppe und ins Feld. Die Verwaltung seines Besitzes übertrug er dem Landrichter Viktor von Gilg, der daraufhin im Schloss Breitenegg residierte. Als der Kurfürst in den endgültigen Besitz der Oberpfalz kam, wurden Tilly zur Herrschaft Breitenegg noch die Ämter Holnstein, Helfenberg, Hohenfels und die Stadt Freystadt zugesprochen.

1630 verzichtete Maximilian I. auf alle Hoheitsrechte in der Herrschaft Breitenegg. Damit war der Weg frei, dass Tilly durch den Kaiser zum Reichsgrafen erhoben werden konnte. Außerdem wurde ausgehandelt, dass die Wildensteiner Monstranz an die Kirche in Breitenbrunn zurückgegeben wird. Einer der wenigen Fälle, in denen etwas aus der Schatzkammer der Wittelsbacher zurück an die rechtmäßigen Besitzer ging.

1631 hielt sich Tilly abermals in seiner Herrschaft Breitenegg auf, musste diese aber bald wieder verlassen und das kaiserliche Heer nach Norden führen. Der Brand von Magdeburg brachte dabei eine Wende im bisherigen Krieg, auch für Breitenbrunn. Denn ab hier begann der Schwedisch-Deutsche Krieg. Am 16. April 1632 wurde Tilly in der Schlacht bei Rain am Lech schwer verwundet, und die katholisch-kaiserliche Sache kam in unserer Gegend ins Hintertreffen. Während Tilly in Ingolstadt im Sterben lag, brach über seine Herrschaft zum ersten Mal der Krieg herein.

14 Jahre wütete der Krieg schon im deutschen Land, aber in Breitenbrunn und Bayern war man bis dahin verschont geblieben. Das erste Opfer der Schweden in Breitenbrunn war am 23. April 1632 der Schneider Markus Neubeck, ihm folgte vier Tage später der Jüngling Ulrich Wagner, Mesner und Kantor von Breitenbrunn. Am 16. Juli wurde der Schuster Georg Moegele ermordet und am 20. September der Bauer Leonhard Lauffer von Premerzhofen.

Breitenbrunn und seine umliegenden Nachbarn, ob Klöster oder Städte, wurden noch des Öfteren geplündert, wobei es schon egal war, von welcher Seite, der Krieg hatte eine Stufe der Gewalt, der Gleichgültigkeit und Verrohung erreicht wie selten zuvor. 30 Jahre Krieg waren zu viel für Volk, Land und Soldaten. Premerzhofener Bauern konnten beispielsweise am Schluss ihren Zehent nicht mehr entrichten, und in Breitenbrunn standen Häuser und Schmieden leer.

Schweden vertrieben

Die kaiserlichen Verbände konnten die Schweden nochmals aus Bayern vertreiben, es war aber keine Seite mehr stark genug, einen entscheidenden Sieg zu erringen. So gingen 30 Jahre Krieg am 24. Oktober 1648 mit dem Westfälischen Frieden zu Ende.

Beim Tillyfest in Breitenbrunn lässt sich das raue und harte Leben der damaligen Zeit in allen Winkeln des Ortes erfühlen, aber auch Herzlichkeit, allerlei Musik und Tanz. Mit Vorführungen, Darstellungen und Gefechtszenen will man den Menschen der heutigen Zeit die Geschichte von Breitenbrunn im 30-jährigen Krieg näher bringen. Durch geschichtlich wahre Hintergründe sowie fiktive Ereignisse sollen die Besucher erfahren, wie es vielen Orten in diesem großen Krieg erging. Am Sonntag, 27. August, findet dazu um 19.30 Uhr eine Versammlung aller Tilly-Gruppen beim Lehner statt. 

WERNER STURM

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