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RepairCafé zieht von Berching nach Mühlhausen

Inhaber Helmut Schmidt-Pauly sucht noch Mitarbeiter - 18.06.2018 12:06 Uhr

Helmut Schmidt-Pauly beim Abschleifen der verwitterten Farbe eines Fensterladens. Bald wird im Schleusenwärterhäuschen in Mühlhausen sein RepairCafé eröffnen. © Foto: Anton Karg


Treibende Kraft ist der Berchinger Pensionär Helmut Schmidt-Pauly, ein älterer Herr im "Unruhestand". Denn nicht nur in Berching hatte er das ehemalige Cafe Herter in ein RepairCafé umzubauen, sondern jetzt auch in Mühlhausen, wenn es gilt, den Klenzebau am Ludwigskanal aufzupeppen und einzurichten.

Fast täglich kann man den Projektleiter dort antreffen. Sieben freiwillige Helfer stehen ihm zur Seite, aber nicht alle Tage. Schmidt-Pauly dankt der Gemeinde Mühlhausen und vor allem auch Bürgermeister Martin Hundsdorfer, dass dem Verein RepairCafé das Kanalhäuschen zur Verfügung gestellt wurde. Den Neumarkter Nachrichten hat Schmidt-Pauly diesen Text zur Verfügung gestellt, den wir in Auszügen veröffentlichen:

"Einige von Ihnen waren schon Gäste im RepairCafé Berching, und Sie sind vielleicht auch mit einem reparierten Gerät wieder nach Hause gegangen. Die RepairCafé-Bewegung stammt ursprünglich aus Holland. In Deutschland sind die RepairCafés etwa 2012 eingeführt worden. Meine Mitarbeiter und ich haben seit März 2015 unser RepairCafé in Berching mit Engagement und Freude betrieben. Leider wurden wir zu Anfang des Jahres gekündigt, unser Bau wird abgerissen und durch einen Wohnbau ersetzt. Eine Suche nach neuer Wirkungsstätte in Berching blieb bisher erfolglos.

Wir ziehen im Juni nach Mühlhausen ins Schleusenwärterhaus an Schleuse 25 um. Aber viele wissen noch nicht, was ein Repaircafé ist, und was wir machen: Kurz gesagt, wir wollen zur Nachhaltigkeit beitragen. Was heißt das?

Von der Industrie und der Wirtschaft werden wir seit Jahrzehnten zum Konsum erzogen. Es muss immer mehr - und das immer öfter - neu gekauft werden. Selbst wenn die alten Dinge noch funktionieren. 'Wachstum muss sein' ist das Glaubensbekenntnis. Auch, wenn das auf Kosten unserer Umwelt und unserer Nachkommen geht. Aus Amerika kam, wie so viele 'gute Dinge', der Begriff der geplanten Veraltung (planned obsolescence), das bedeutet, die Gebrauchsgegenstände werden so gefertigt, dass sie möglichst bald nach der Garantie den Geist aufgeben. Und natürlich möglichst nicht mehr zu reparieren sind. Damit werden unsinnig wertvolle Rohstoffe verbraucht und Müllberge produziert. Dagegen wollen wir zum Widerstand anstiften.

Wenn Sie heute mit einem kaputten Haushaltsgerät zu Ihrem Händler kommen, sagt der Ihnen oft, eine Reparatur lohne sich nicht, ein neues Gerät sei billiger. Das ist durchaus richtig, weil ein Händler in seinem Betrieb einen hohen Stundensatz berechnen muss, den er auch braucht. Aber das macht dann die Reparatur zu teuer. Und für manche älteren Dinge gibt es auch keine Ersatzteile mehr. Endstation Container.

Wir sind ein paar Bastler mit soliden Kenntnissen, die sich solcher Geräte mit Leidenschaft annehmen. Und wir arbeiten ehrenamtlich, um möglichst viel vor dem Container zu retten. Warum? Viele ältere Dinge wurden noch viel solider gearbeitet und sind gut zu reparieren, da wenig Plastik dran ist und noch fast alles demontierbar ist. Nach einer Reparatur halten sie dann meist wieder viel länger als ein billiges neues Teil, das meistens aus Asien kommt.

Reparieren macht Freude, und wenn das Teil dann wieder richtig funktioniert, ist der Reparateur um ein Erfolgserlebnis reicher. Und der Besitzer des Geräts nur wenig Geld losgeworden. Zur Zeit sind wir mit vier Mann im RepairCafé aktiv und machen zwei Reparatur-Abende im Monat. Geplant sind in Mühlhausen jeweils der erste und dritte Mittwoch im Monat von 18 bis 22 Uhr.

Werkzeug und Ausstattung sind inzwischen weitgehend vorhanden, unsere Kunden sollen damit - soweit möglich - selbst bei der Reparatur mitmachen. Zumindest dabei sein, damit sie eine bessere Beziehung zu ihren Dingen bekommen. Wegwerfmentalität ist 'out'! Wir können auch keine Geräte annehmen, die von uns repariert, später wieder abgeholt werden. Außer, es müssen Ersatzteile besorgt werden, dann dauert es bis zum nächsten Mal. Auch dann muss der Besitzer bei der Reparatur dabei sein.

Und manches lässt sich auch von uns nicht mehr retten. Also, kommen Sie mit ihren kaputten Sachen zu uns, bevor Sie sie wegwerfen. Meist sind sie noch zu retten und zu brauchen. Wir checken das. Bei Erfolg der Reparatur freuen wir uns dann über eine kleine Spende. Sollte sich jetzt jemand von Ihnen ermuntert fühlen, in unserem Team mitzuarbeiten, heißen wir jeden herzlich willkommen. Wann wir an der Schleuse 25 starten, werden wir bekannt geben, wir freuen uns auf Ihren Besuch."

Interessierte erreichen Helmut Schmidt-Pauly in Berching unter (08462) 952676. 

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