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Doch Stadtwerkedirektor Manfred Tylla, der die Studie am Institut für Energietechnik in Auftrag gegeben hat, will einen anderen Weg gehen. Er sagt „ja“ in begrenztem Umfang zu Pfleiderer, sieht aber die Werke in der Pflicht, Neumarkt energetisch unabhängiger zu machen. Dazu braucht es, sagt er, unter anderem ein Biomasseheizkraftwerk. Oberbürgermeister Thomas Thumann liegt auf dieser Linie. Bei Flitz und CSU spricht man von einem zu großen Risiko.
Brautsch hatte drei Varianten jeweils mit BMHKW und Energiezentrale als Ausgangspunkt untersucht. Die kleine Lösung hätte eine Netzlänge von 11,7 Kilometern und einen errechneten Fernwärmebedarf von knapp 28000 Megawattstunden im Jahr (MWh/a).
Variante B mit einer Netzlänge von 21,1 Kilometern geht von einem Wärmebedarf von knapp 41000MWh/a aus und schließlich Variante C mit einer Netzlänge von 33,7 Kilometern und einem Wärmebedarf von beinahe 60000MWh/a.
Alle drei Lösungen wurden mit und ohne Industriefernwärme für Burgis, Lammsbräu und neuerdings Jura-Fleisch durchgerechnet. An etwa 130 Grad heißem Dampf für die drei Großabnehmer wären 13650 MWh/a notwendig.
Eine neue technische Entwicklung würde die Lieferung von Heißdampf über ein BMHKW, unterstützt von einem mit fossilen Brennstoffen betriebenen Spitzenlastkessel, erschwinglicher machen. Es wären im Bereich dieses 2,7 Kilometer langen Stichs nur drei statt vier Leitungen nötig. Der Rücklauf des Kondensats würde sich erübrigen, wenn überzähliger Dampf in das normale Wärmeversorgungsnetz eingespeist würde.
Die Varianten A bis C wurden auch mit einer Versorgung durch die Energiezentrale Pfleiderer durchgespielt. Die Industriefernwärme müssten in diesem Fall aber Kraftwerke direkt zu den Verbrauchern liefern. Direkt nutzbare Abwärme von Pfleiderer wäre das 105 Grad heiße Wasser, das als Kondensat aus den Trockenkammern kommt. Brautsch spricht von einer elektrischen Leistung von 1,9 Megawatt (MW). Das würde reichen, um den südlichen Bereich der Stadt mit Wärme zu versorgen.
Doch Pfleiderer will diese Quelle nur im Paket mit dem 50 Grad warmen Wasser aus dem Kondensator der Turbine hergeben. Das wäre so nicht brauchbar und müsste mit Hilfe einer Wärmepumpe auf Temperatur gebracht werden.
Diese Wärmepumpe müssten die Stadtwerke bauen und betreiben und sie mit Ökostrom für 94,5 Cent für die Kilowattstunde aus dem Pfleiderer-Kraftwerk fahren.
Die Megawattstunde Wärme aus dem Kondensator wird den Werken nun für 14 Euro angeboten. Im Juli 2010 wollte Pfleiderer noch 25 Euro dafür. Das weckte bei einigen Mitgliedern im Werksenat Zweifel an der Seriosität.
Michael Wolff hatte für Pfleiderer die Gespräche mit Tylla geführt und auf der Abnahme des lauwarmen Turbinen-Kondensats bestanden. Sonst rechne es sich für das Unternehmen nicht. Nur eine Teilversorgung des südlichen Stadtgebiets mit den 1,9 MW Leistung aus den Trockenkammern sei nicht zu haben.
Damit jedoch hatte Stadtwerkedirektor Manfred Tylla den Spanplattenhersteller bisher auf der Rechnung gehabt. Im Süden Pfleiderer, im Norden das stadteigene BMHKW der Variante B mit Industriefernwäme. Das schwebt ihm vor. Die Produktion von eigenem Strom liegt Tylla am Herzen. Das sei ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit und auch wichtig für das Überleben der Stadtwerke.
In der Diskussion ging etwas unter, dass bei der Umsetzung von Variante B mit Wärme vom holzverarbeitenden Unternehmen 5,4 Millionen Kilowattstunden pro Jahr Strom, wenn auch öko, verbraucht würden. Variante B auf Basis eines BMHKW würde dagegen 34 Millionen Kilowattstunden im Jahr produzieren.
Allerdings käme die Stadt die Lösung mit Pfleiderer zunächst deutlich billiger. Das finanzielle Risiko wäre überschaubar. Die Variante B mit Industriewärme als BMHKW (ohne Netz, mit Spitzenlastkessel) würde Investitionskosten von knapp 23 Millionen Euro nötig machen. Dagegen müsste die Stadt nur vier Millionen Euro in die Hand nehmen, wenn lediglich der Anschluss an die Energiezentrale mit Wärmepumpe gebaut werden müsste. Pfleiderer will sich daran mit 25 Prozent beteiligen.
Für die Abgabe von Wärme, mit der das Unternehmen in den letzten Jahrzehnten unentgeltlich den Neumarkter Talkessel geheizt hatte, schweben Pfleiderer Vertragsdetails vor, die Tylla nicht glücklich machen.
Die Preise würden einer Gleitklausel unterliegen, die halbjährlich den Kosten für Holz, Öl und Gas angeglichen werde. Das an die Kunden in ähnlichem Rhythmus weiterzugeben, würde schwierig werden für die Stadtwerke. Außerdem soll für die 50 Grad warme Brühe eine jährliche Mindestabnahmemenge von 15 Gigawattstunden festgeschrieben werden, die in fünf Jahren erreicht werden müsste. Was ist, wenn nicht?
Immer wieder tauchte in den letzten Monaten die Frage auf, wie denn die Befeuerung eines BMHKW mit Hackschnitzeln gesichert werden könne und wie es mit der Preisentwicklung für den Brennstoff aussehe.
Es gebe Übereinkünfte mit den Waldbauernvereinigungen, erklärte Tylla zum wiederholten Mal, doch er könne keine Verträge abschließen, solange er nicht wisse, ob er bauen dürfe und wie groß. Er strebe überdies eine Einkaufsgemeinschaft mit Bögl und mit anderen Stadtwerken an. Dass die Kosten für den Brennstoff weiter steigen, sei ihm klar, aber das würden die für Öl und Gas auch tun und beim Strom werde man sich noch böse wundern.
Zweifel an der Seriosität eines früheren Pfleiderer-Managers, der heute im Holzgeschäft mitmischt, lässt Tylla nicht gelten. Der sei immerhin der einzige Lieferant des Biomasseheizkraftwerks Sandreuth in Nürnberg.

