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„Aus, Schluss, vorbei. Protest, Widerstand, Revolution“, so der Protagonist auf der spartanischen Bühne der Kulturfabrik in seinem abendfüllenden Programm. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er in die Rolle von Franz Josef schlüpft, in die des Ratzinger aus Regensburg, des Willi Brand, der lässig an seiner Zigarette „zuzelt“ oder des „Bruno Weißflog“, Eremit aus Sachsen, der die Grenzerfahrung zwischen „hieben und drieben“ gemacht hat. Für das Berchinger Publikum verkündet der Münchener Kabarettist Helmut Schleich in seinem neuen Programm „Nicht mit mir!“ die ultimative Form persönlichen Protests.
Aber wenn ein Helmut Schleich „nicht mit mir“ sagt, ist das kein leiser Rückzug ins Private. Sein höchst vergnügliches Panoptikum aus schillernden Typen und kuriosen Gestalten ist wie immer mit dabei: Bei Schleich kommt der große bayerische Vorsitzende Franz Josef Strauß ganz besonders gut heraus: kurzer Hals, beide Hände am Revers der Jacke, der ganze Körper wippt nach vorne geneigt, wenn er über seine Nachfolger und die CSU lästert: „Weit ist es gekommen mit meiner Partei, wenn sie mit 47 Prozent der Wählerstimmen die absolute Mehrheit errechnen: 50 plus x ist 47.“
Oder die „staatstragende“, zukunftweisende Politik von Seehofer und Co: „Die CSU ist gegen die Atomkraft, auch schon vor zwei Jahren war das so. Aber niemand hat das gewusst.“
Kein gutes Haar lässt der „überglobale“ Parteivorsitzende an einigen Mitgliedern des derzeitigen Kabinetts. Er spricht von der „Donauschnepfe“ aus Ingolstadt oder von dem Tierarzt Huber, der nur dann tätig werde, „wenn der Ministerpräsident ein Rindvieh ist“.
Helmut Schleich und seine präzise gezeichneten Figuren unternehmen mit dem Zuschauer immer wieder neue Reisen in die Tiefen der bayerischen Befindlichkeit und entführen dabei in die ergötzlichen Absurditäten des Alltags. Ein Beispiel dafür ist der der „Lärmschutzlandler“, bei dem der kreative Lästerer aus München das lautstarke Geheule des Laubbläsers im Garten imitiert.
Er schildert, wie ein williger Zeitgenosse nach dem Putzen der Wohnung sich ein Weißbier verdient hat und aus Versehen einen kräftigen „Sprutz“ in den Receiver schüttet: Die Folgen sind ungeahnt. Es gibt nur mehr „BR Alpha“ – und „Denkzeit“: Wer bin ich? Wenn ja, wie viele? Wo komme ich her? Wo will ich hin?
Früher sei nicht alles besser gewesen. Kein Telefon. „Da hat man von Berching nach Neumarkt schreiben müssen.“ Jetzt in Zeiten von Facebook (Daumen hoch, „gefällt mir“) sei man universal erreichbar. Und eine besondere Aufgabe hat Schleich außerdem den Berchinger mitgebracht. „Da fahr ich mal nach Berching“, sagt er. Es handelt sich um eine Mathe-Aufgabe, die das Kultusministerium gestellt hat für Schüler, die in die Realschule wechseln wollen.
Ein Planschbecken, das exakt 2070 Liter Wasser fasst, soll mit drei Schläuchen gefüllt werden: Wie lange das dauern würde, wenn zum Beispiel nur das dünnste Röhrchen benutzt würde, durch das in 40 Minuten 80 Liter strömen, habe eine Frage gelautet. Schleich seziert den Text akribisch und untersucht alle Unzulänglichkeiten, dreht und wendet, kommt schließlich zu dem eindeutigen Resümee: „Eine Bankrott-Erklärung“.


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