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Rosmarie Braun aus Mühlhausen hatte die Versorgung der Hühner von Nachbarn übernommen, die derzeit verreist sind. Als sie den Stall öffnete, um die Tiere zu füttern, schlug der Falke zu, der offenbar nur auf seine Chance gelauert hatte.
Er ließ sich auch nicht von seiner Beute vertreiben. Selbst als ihn die erschrockene Frau mit einer Schaufel samt toter Henne in ein Nachbargrundstück beförderte, ließ er nicht von seiner Beute ab und schlug sich unbeeindruckt den offenbar knurrenden Magen voll.
Rosmarie Braun machte sich zunächst Vorwürfe, weil es doch ein Huhn erwischt hatte, für das sie verantwortlich war, bat dann aber Ernst Langer um Hilfe, von dem sie weiß, dass er Jäger und Naturfreund ist. Dem gelang es mit Hilfe von Körben aus seinem Gartenfachbetrieb den Vogel einzufangen.
Den Neumarkter Nachrichten erzählte er, dass er schon Tage zuvor einen auffällig hellen Greifvogel gesehen habe, den drei Krähen verfolgt hatten, wie es so deren Art ist. Er hatte zunächst an einen Habicht geglaubt.
Nach gelungener Einfangaktion erkundigte sich Langer bei der Jagdbehörde und bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, was er denn nun mit dem Falken tun solle. Er wurde an den Eulenhof verwiesen, den Helmut Kraus in Großalfalterbach betreibt. Bei dem haben schon viele Greifvögel, die verletzt oder geschwächt und ausgehungert gefunden worden sind (wir berichteten), Asyl erhalten. Für diese Lösung sprach sich auch der Leiter des Veterinäramtes Neumarkt, Dr. Kai Langner, aus.
Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei dem Tier, das in Mühlhausen eingefangen wurde, um einen Gerfalken, vielleicht einen Zuchtfalken. Der Veterinär hält es für möglich, dass es sich eventuell um eine Kreuzung zwischen Ger- und Wanderfalke handelt. Das kriege man mit künstlicher Befruchtung hin. Der Greifvogel dürfte aus einer Falknerei entflogen sein. Das lässt sich aus der mit einer Nummer versehenen Beringung schließen. Im Internet soll nun der Besitzer ausfindig gemacht werden.
Der hell gefiederte Gerfalke ist die weltweit größte Falkenart. Er ist um den Polarkreis in den arktischen Regionen Eurasiens und Nordamerikas sowie Grönlands zuhause und besiedelt dort die Tundra. In Mitteleuropa ist er nur sehr selten als Wintergast zu beobachten und hält sich dann meist in Küstennähe auf.
Der Gerfalke, dessen horizontale Fluggeschwindigkeit die seines nahen Verwandten, des Wanderfalken, übertreffen soll, wird seit dem Mittelalter als Beizvogel (Jagdfalke) sehr geschätzt. Weiße Gerfalken galten als besonders wertvoll und zählten regelmäßig zu den Geschenken an und zwischen Fürstenhäusern.
Auch heute sind betuchte Falkner bereit, hohe Summen für ein solches Tier auf den Tisch zu legen, sagt Helmut Kraus.

