Dienstag, 25.09.2018

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Seltsam: Zwei Hallenbäder direkt nebeneinander

Ein Westfale in der Oberpfalz: NN-Austauschreporter besichtigt Baustelle an Mühlstraße - 18.05.2018 09:22 Uhr

Das Familienbad Lüdenscheid: Es ist ein einziger Gebäudekomplex mit zwei Schwimmbädern unter einem Dach. Doch im vorderen der beiden Bäder kann man im Sommer wenigstens die Glastüren in Richtung Liegeweise und Planschbecken öffnen. © Foto: Florian Hesse/Lüdenscheider Nachrichten


Und ich muss euch sagen: Solch eine gigantische Schwimmbad-Baustelle habe ich noch nie gesehen. Aber was wir in der Hauptstadt des Märkischen Kreises haben, habt ihr sicher auch noch nicht gesehen.

Das neue Neumarkter Ganzjahresbad nimmt langsam Formen an. Die Bagger wühlen sich ins Erdreich, nebenan ist das Freibad in Betrieb. © Foto: Olaf Moos


Ich kann mich gut erinnern, wie es damals bei uns war. In den 70er- und 80er-Jahren. Da hatten wir in der Innenstadt ein altes Hallenbad, sogenannte Kurzbahn mit 25 Metern, und wir hatten Glück, dass unser Schwimmverein, die Wasserfreunde Lüdenscheid, es nutzen durften. Denn das Parkbad gehörte der belgischen Armee, die in Lüdenscheid eine Garnison unterhielt. Und am Nattenberg, Stadtrandlage, gab es ein altes Freibad, 50-Meter-Bahn, Baujahr 1934.

Das war bei uns Wettkampfschwimmern nicht sonderlich beliebt, weil das Wasser immer ziemlich kalt war und es nur eine zugige Holzumkleide gab. Aber dort haben wir trainiert, weil wir uns auf die Rennen auf der langen Bahn in der Sommersaison vorbereiten wollten. Im Jahre 1951 fanden hier die Deutschen Schwimm- und Springmeisterschaften statt. Einer der bekanntesten Teilnehmer war der Wasserspringer Günter Haase, mehrfacher deutscher Meister vom Ein-Meter- und Drei-Meter-Brett sowie im Turmspringen. Seit 1950 startete er für den SV Neptun Lüdenscheid und gewann 1952 in Helsinki die olympische Bronzemedaille im Turmspringen. Aber das nur am Rande.

Nun stehe ich also auf der Baustelle an der Mühlstraße und wundere mich. Mitten in der Stadt ein Freibad mit zwei Becken und oberhalb, direkt dran, noch ein Hallenbad, drumherum Wohnhäuser an dicht bebauten Sträßchen. Und zu alledem jetzt dieses epochale Loch, in dem nach und nach 40 Millionen Euro verbuddelt werden sollen, das aber langsam erkennen lässt, was es mal werden soll. Wenn es im Jahre 2021 ein Schwimmbad geworden ist, das Wasserratten aus dem Umland zur Mühlstraße lockt, wird das Thema Parkdruck bei den Anliegern möglicherweise für Unmut sorgen. Solche Probleme gibt es in Lüdenscheid nicht. Parkplätze haben wir an den Schwimmsportstätten genug.

Als das alte Freibad marode geworden war und die Belgier sich anschickten, die Kasernen zu räumen und die Garnison – und ihr baufälliges Schwimmbad – aufzugeben, begann eine neue Entwicklung. In der Innenstadt entstand ein Wellenbad. Und am Nattenberg bauten die Stadtwerke direkt neben das Freibad ein neues Hallenbad und erneuerten nebenan auch das 50-Meter-Becken und die Umlagen. Der Vorstand der Wasserfreunde war glücklich.

An der Mühlstraße in Neumarkt in der Oberpfalz steht der westfälische Tauschreporter am Bauzaun und versucht, die Dimensionen des Projekts zu begreifen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Luftschlösser des damaligen Oberbürgermeisters Alois Karl Wirklichkeit geworden wären, der sogar das Palm Beach bei Nürnberg ausstechen wollte. Dafür wäre hier kein Platz gewesen. Man hätte den halben Stadtteil evakuieren und einäschern müssen. Nun also, 17 Jahre später, die abgespeckte Version, dafür mitten in der Stadt.

Mangels Rentabilität schloss das Wellenbad mitten in der Stadt Lüdenscheid seine Pforten irgendwann wieder. Es folgten die Trockenlegung und ein Umbau. Ein Indoor-Spieleparadies für Kinder namens "Tommywood" zog ein, gab aber 2013 auf und schloss. Und der Zahn der Zeit nagte in der rauen sauerländischen Witterung derweil weiter sichtlich am Freibad. Bis die Stadtwerke als Eigentümer und Betreiber einen seltsamen Plan fassten.

Sie rissen das 50-Meter-Becken ab und ebneten es ein. Das Vorhaben lautete, an seiner Stelle ein Schwimmbad mit 25-Meter-Bahn zu bauen. Im Vereinsvorstand der Wasserfreunde zog man lange Gesichter. Das Training in der Sommersaison etwa auf der kurzen Bahn?

Die Verantwortlichen dachten aber wohl eher an die Lüdenscheider Öffentlichkeit. Der Clou sollte ein sogenanntes Cabrio-Dach werden. Im Sommer könne man es öffnen und – voilá – hat man ein Freibad.

Doch das mit dem wegschiebbaren Dach wurde nichts. Übrig blieben Türen, die in Richtung Liegewiese und Kinderbecken zu öffnen sind. Das Ergebnis, zusammengefasst, lautet: Lüdenscheid hat nicht nur ein einziges, sondern sogar zwei Hallenbäder – und zwar direkt nebeneinander.

Das kriegt kaum eine Stadt hin. Und Neumarkt in der Oberpfalz wohl auch nicht. Aber ein Trost bleibt: Dafür entsteht hier ein hoffentlich wunderschönes Ganzjahresbad. Nur eins. Aber das reicht ja auch. 

OLAF MOOS

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