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Solarmodule made in Neumarkt

Hans Thoma fertigt neuartige Module für Sonnenstrom-Branche - 10.08.2014 10:00 Uhr

Unternehmer Hans Thoma hört nicht auf, mit und an Solarzellen zu tüfteln. © Berny Meyer


Die Ideen gehen Hans Thoma nicht aus. Es ist herrliches Sommerwetter, die Sonne scheint auf die Solarmodule auf dem Dach der Garage. Thoma steht davor und kontrolliert die Anlage. „Alles, was wir verkaufen, wird hier getestet. Ansonsten könnte ich das gar nicht mit gutem Gewissen verkaufen.“

Bewässerte Elemente?

Thoma gründete seine Firma J. v. G. Thoma GmbH (abgeleitet von seinem eigentlichen Namen Johann von Gott) im Jahre 1997, seine Jurawatt Vertriebs GmbH ist eine spätere Ausgründung aus der J. v. G. Thoma. Das Unternehmen ist in Freystadt und Neumarkt zuhause. Hier werden die Ideen des Chefs umgesetzt, die zunächst am ehemaligen, umgebauten landwirtschaftlichen Anwesen der Familie am Möninger Berg getestet wurden. Derzeit beobachtet Thoma, ob es sinnvoll ist, Solarmodule zu bewässern – vereinfacht ausgedrückt.

Der Diplom-Ingenieur stammt aus Solnhofen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Schon während des Studiums der Nachrichtentechnik bastelte er gern und probierte aus. Ihn verschlug es schließlich in die Oberpfalz, er kaufte da ein altes Anwesen und baute es zum Firmensitz und Pferdegestüt aus und um. Der 58-Jährige züchtet seit vielen Jahren Andalusier. Das Reiten ist seine Leidenschaft, ebenso wie Ökostrom.

Über 40 Fabriken weltweit

Produziert wird hauptsächlich im Ausland. Über 40 Fabriken sind weltweit installiert worden, unter anderem in Bangladesch, Indien, Rumänien, Russland oder Südkorea. Dort werden „normale“ Solarmodule produziert und an die Kunden, die in der ganzen Welt sitzen, ausgeliefert. Thoma hält im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent an den Fabriken.

Wird eine neue Solar-Anlage installiert, schickt er seine Mitarbeiter aus Neumarkt oder Freystadt an den jeweiligen Standort, um mit deren Knowhow ein hochwertiges Endprodukt zu garantieren.

In seinen Werken in Neumarkt und Freystadt sind insgesamt 50 Mitarbeiter beschäftigt. Hier werden Sonder-Module gefertigt. Eines nennt sich „Plug & Save“. Dahinter verbirgt sich eine Solaranlage für die Steckdose. „Keine aufwändige Verdrahtung, keine Verkabelung der Wechselrichter mit den Modulen und mit dem Zähler, einfach nur einstecken (steckerfertiges Modul) und loslegen – Strom produzieren“, verspricht der Hersteller. Eine weitere Neuheit sind die „Desert++ Module“. Normalerweise halten Module einer Temperatur von 70 Grad über einen gewissen Zeitraum stand. In Wüstenregionen können sie daher, obwohl dort bekanntlich die Sonne häufiger und intensiver scheint, nicht eingesetzt werden, da es schlichtweg zu heiß ist. Thomas Idee: Warum nicht einfach Module fertigen, die zuverlässig auch große Hitze aushalten? Seine neuen Produkte sind funktionstüchtig, auch wenn sich das Modul auf gut 125 Grad Celsius aufheizt. Auch fertigt die Firma spezielle, wesentlich leichtere Module. Diese können auf Dächern, die weniger Gewicht tragen können, installiert werden und die neuesten sogenannten Turnkey-Fabrik-Installationen sind in Tunesien und Marokko.

Thoma hat mit seinen Firmen auch schwierige Zeiten erlebt, als vor gut drei Jahren die Einspeisevergütungen immens gesunken sind. Er habe diese Krise gut weggesteckt, da die Fabriken immer gut gelaufen seien. Mit seiner Jurawatt macht er im Jahr durchschnittlich acht Millionen Euro Umsatz — je nach Projekt.

US-Kunden sind angetan

Er habe sich von Anfang an auf Endverbraucher spezialisiert. Der deutsche Markt werde zunehmend unwichtiger, sagt Thoma. In Zukunft werde die Solarbranche, wie viele andere Branchen der alternativen Energie, von der Frage getrieben: Wie kann man den Strom effektiv speichern? Auch darüber macht sich der 58-Jährige viele Gedanken und tüftelt fleißig. Angst vor billiger Konkurrenz aus China hat der gebürtige Mittelfranke nicht. „Die Kunden, vor allem in den USA, schätzen Made in Germany“, sagt der dreifache Vater und vierfache Großvater. 

MELANIE KUNZE

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