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Diese Zahl hat Professor Markus Brautsch von der Hochschule Amberg-Weiden ermittelt. Er schreibt gerade an einem Energiekonzept für den Landkreis, das spätestens Ende Oktober fertig sein soll, kündigt Landkreissprecher Michael Gottschalk an. Es fehle noch das Biomasspotenzial des Landkreises. Da wolle man behutsam vorgehen und die Verträglichkeit und den Flächenverbrauch einbeziehen.
Wichtig sei vor allem, noch mehr Energie einzusparen. Für den gesamten Freistaat gilt im Moment, dass nur dann komplett regenerative Energie ausreichen würde, wenn zwei Drittel der jetzt verbrauchten Energie eingespart würden. Das sieht Gottschalk als Ansatzpunkt für den Landkreis: Ab kommendem Jahr sollen Energie-Sprechtage auch in den Gemeinden bisher zögerliche Hausbesitzer anlocken. „Wenn Energie immer teuerer wird, und das ist der Fall, sind erstmal nötige Investitionen schnell wieder hereingeholt“, macht Gottschalk klar. Nebenbei würden für energetische Sanierungen meist heimische Firmen engagiert — noch ein Vorteil für die Region.
In seiner Untersuchung entwirft Professor Brautsch auch Modellprojekte für Gemeinden und gibt so Anreize, etwa von den drei Biogasanlagen in Gimpertshausen künftig neben dem erzeugten Strom auch die Wärme in einem Nahwärmenetz zu nutzen oder in Engelsberg das vorhandene Heizkraftwerk um Kraft-Wärme-Kopplung zu ergänzen.
Wann die magischen hundert Prozent Energie aus regenerativen Quellen erreicht sein könnten, will Gottschalk nicht konkret prognostizieren. 2030 oder 2040 könnte der Landkreis autark sein, schätzt er — „da muss man noch ein Fragezeichen dahinter machen“. Doch inzwischen sind noch einige regenerative Kraftwerke an den Start gegangen, deren Leistung noch gar nicht in der Erhebung eingerechnet seien.
Da lehnt sich Johannes Ehbauer von der Firma Windpower, die etwa die Windräder Winnberg 3 und 4 (wird noch gebaut) betreut, weiter aus dem Fenster: Im Jahr 2012 würden einige sehr leistungsstarke Kraftwerke an den Start gehen, so dass er sich schon für das Jahr 2015 einen energieautarken Landkreis Neumarkt vorstellen kann.
Bereits jetzt erntet die Windkraftanlage Winnberg 3 so gut, dass Windpower eine Jahresleistung von über acht Millionen kWh erwartet. Der Solarpark in Mühlhausen versorgt rund 1890 Haushalte pro Jahr mit Strom, über sieben Millionen kWh werden allein dort eingespeist.
Die Firma TecnoSun Solar Systems, deren Module sich stets zur Sonne hin ausrichten, will Anfang Oktober in Postbauer-Heng mit ihrer Anlage starten und noch heuer ans Netz gehen; sie hat eine Leistung von zwei bis 2,5 MWp (Megawatt peak). Diese Zahl gibt an, was eine Anlage technisch maximal an Strom produzieren kann. Wie viel Strom pro Jahr tatsächlich geerntet wird, hängt vom Standort, vom Wetter und anderen Faktoren ab. Deswegen konnte Firmensprecher Thomas Vogel die Jahresleistung nur ungefähr schätzen. Bei einem angenommenen Jahresverbrauch eines Einfamilienhaushalts von 5 MWh reicht das für 440 Familien. Weiter plant das Unternehmen eine Anlage in Pölling, wie die in Postbauer-Heng entlang des Bahndamms; die Dimension dieser Anlage sei aber noch offen.
Für Bürger, die sich für erneuerbare Energien engagieren und Geld anlegen wollen, sei Jurenergie eine beliebte Adresse, sagt Roland Hadwiger vom Landratsamt. Die Genossenschaft hat 382 Mitglieder, die für rund 2,7 Millionen Euro Anteile gezeichnet haben. Dabei spielen Idealismus und Vertrauen auf eine solide, weil greifbare Anlageform eine Rolle, sagt Hadwiger. Mit dem Geld wurde jüngst die neue Salzhalle in Pilsach mit einer PV-Anlage bestückt, eine Gewerbehalle in Sengenthal soll folgen und in Hohenfels könnten drei große Panzerhallen Module aufs Dach bekommen.
Dreh- und Angelpunkt einer umfassenden Energieversorgung ist die Frage, wie Energie gespeichert werden kann. Auch da ist der Landkreis aktiv, sagt Gottschalk: Ein Ansatz ist, Druckluft in Industriebehälter zu pressen und so Energie zu konservieren; in Baden-Württemberg werde die Methanisierung erprobt. Man sei auf der Suche nach einem Hochschulpartner, um weiterzuforschen und das Ziel, zu hundert Prozent mit regenerativer Energie auszukommen, möglichst bald zu erreichen.

