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Spannende Bat Night in Weichselstein

"Bat Night": In Weichselstein wurden die fliegenden Säugetiere in ihrem Sommerquartier aufgestöbert - 02.09.2017 11:33 Uhr

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Bat-Night in Weichselstein

Viele Neugierige waren gekommen, um bei der Bat-Night in Weichselstein Wissenswertes über Fledermäuse zu erfahren.


Der Arbeitskreis Umwelt und Natur Sengenthal e. V. hatte dazu im Rahmen der 21. Europäischen "Bat Night" in Anjas Keramikwerkstatt eingeladen. Im Werkstattgebäude haben seit Jahren Fledermäuse ihr Sommerquartier aufgeschlagen.

Das Interesse des Publikums am Leben der nachtaktiven Jäger war groß. In diesem Werkstattgebäude haben Fledermäuse ihr Sommerquartier eingerichtet. © Fotos: Martin Herbaty


Nachtaktiv, klein, auf Jagdflügen bis zu 70 Stundenkilometer schnell und dazu extrem wendig: Fledermäuse sind selbst unter besten Bedingungen nicht einfach zu beobachten. Entsprechend wenig wissen die meisten Menschen über Mausohr, Hufeisennase und Abendsegler. Hinzu kommt, dass mittlerweile alle 23 in Bayern heimischen Fledermausarten als extrem gefährdet gelten und immer seltener in freier Wildbahn vorkommen.

Mit den Ohren sehen

Deshalb hatte Raimund König, Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt und Natur, zum Auftakt des Abends einen Informationsvortrag über die einzigen fliegenden Säugetiere vorbereitet. "Fledermäuse fliegen mit den Händen und sehen mit den Ohren" – spannende Fakten über die kleinen Flugakrobaten faszinierten die Zuhörer. Etwa, dass Fledermäuse zwar pro Jahr nur ein Junges bekommen, aber auch über 30 Jahre alt werden können. Oder dass eine Fledermaus täglich bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts fressen muss – wofür etwa eine Zwergfledermaus 1000 bis 3000 Mücken pro Nacht erlegt.

Begeistert registrierten die zahlreichen Kinder unter den Besuchern, dass die ersten Fledermäuse bereits während des Vortrags über ihren Köpfen kreisten. Nun hieß es schnell sein: Die ausfliegenden Fledermäuse verließen mit Einsetzen der Dunkelheit ihre Schlafplätze und kreisten kurz um die Werkstatt, bevor sie zu ihren Jagdflügen aufbrachen. Mit und ohne Taschenlampen versuchten die Menschen in Hof und Garten um das Gebäude, einen Blick auf die Tiere zu erhaschen. Dies erwies sich als alles andere als einfach, obwohl der von Raimund König eingesetzte Fledermaus-Detektor einige Aktivitäten im Luftraum über den Köpfen der Beobachter anzeigte.

Tipps für mehr Wohnraum

Der Bat-Detektor erfasst die Ultraschall-Ortungsschreie der jagenden Fledermäuse und wandelt sie in hörbare Töne und Lichtsignale um. Eine zusätzliche Chance ergab sich im Inneren der Werkstatt: Hoch oben im Dachstuhl krabbelten noch einige Nachzügler auf dem Weg zu den Ausflugslöchern. Mit Taschenlampen, Fingerzeigen und wilden Rufen machten die jüngsten Gäste ihre Mitstreiter aufmerksam, wo sie zwischen den Dachbalken noch eines der Tiere entdeckt hatten, bevor sich dieses in die Luft schwang.

Ein Bat-Detektor wandelt die Ultraschall-Ortungsschreie der Fledermäuse in hörbare Töne um. © Foto: Herbaty


Nicht in natura, aber dafür aus der Nähe ließen sich die Fledermäuse dann noch in einer Diaschau und einem Lehrfilm betrachten. Die Besucher der Fledermausnacht erhielten außerdem Tipps, wie sie Fledermäusen Wohn- und Lebensraum verschaffen können. So stand ein Ansichtsexemplar eines der Fledermauskästen bereit, die Sengenthaler Kinder am vergangenen Dienstag im Rahmen des Ferienprogramms gebaut hatten.

Garten naturnah gestalten

Hier wies Raimund König darauf hin, dass es Jahre dauern könne, bis Fledermäuse ein solches neues Quartier annehmen. Nicht nur ein Mangel an Schlafplätzen lässt die Fledermauszahlen in Bayern zurückgehen. Mindestens ebenso gefährlich ist der Nahrungsmangel.

Durch die "aufgeräumten" Landschaften und starken Pestizideinsatz finden die geflügelten Jäger immer weniger Beute. König empfahl deshalb, Gärten naturnah und damit insektenreich zu gestalten und Blumen und Stauden zu pflanzen, die nachts blühen und so Nachtfalter anlocken. 

MARTIN HERBATY

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