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Architekt Michael Deppisch stellte Fachleuten aus Handwerk und Industrie, Energieberatern und interessierten Bürgern individuelle Projekte beispielhaft vor.
Mit dem im Oktober 2011 beschlossenen Klimaschutzfahrplan hat sich die Stadt Neumarkt ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2050 soll das gesamte Stadtgebiet auf erneuerbare Energien umgestellt sein und der Energieverbrauch um 50 Prozent und der Kohlendioxid-Ausstoß um 95 Prozent gesenkt werden. Da dies ohne Beteiligung der Bürger nicht zu erreichen ist und ein Großteil des Energieverbrauchs beim Bauen und Wohnen stattfindet, hat der Stadtrat das Förderprogramm „Faktor 10“ aufgelegt: Hier fördert die Stadt zusätzlich zu staatlichen Zuschüssen energetische Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Je nach Art und Umfang sind dabei auch Zuschüsse in fünfstelliger Höhe möglich.
Eine weitere Maßnahme ist die Vergabe der „Grünen Hausnummer“ als Gütesiegel für Energieeffizienz, die Nutzung nachwachsender Rohstoffe und Nachhaltigkeit bei Bau und Betrieb von Gebäuden. Hier werden Bereiche von energetischer Qualität über Heiz- und Lüftungstechnik und Wassernutzung bis zum Naturschutz am Bau bewertet. Beispiele, wie sich auf diese Weise geförderte Vorhaben umsetzen lassen, präsentierte Michael Deppisch. Der vielfach ausgezeichnete Freisinger Architekt betonte, dass energieeffizientes Bauen im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne eine hochkomplexe Angelegenheit sei: Ein Vorhaben müsse sich in die historische und kulturelle Identität eines Ortes passen, gleichzeitig aber moderne Verfahren optimal nutzen. Dies ist nach Deppischs Ansicht nur möglich bei koordinierter Zusammenarbeit aller Gewerke und einer übergreifenden Bauplanung. Dabei gehört für ihn die Zukunft individuellen Lösungen, wie er sie anhand eigener Projekte vorstellte.
So wurde der Stall eines alten Dreiseithofes in Sendelbach bei Nürnberg zum Studio umgebaut und energetisch aufgerüstet, ohne dass sich die Optik von außen änderte. Dafür wurden Glastüren hinter das alte Tor gesetzt, und dank Zwischensparrendämmung blieb das Fachwerk des Dachstuhls auch von innen sichtbar.
In Freising entstand auf einer schmalen Baulücke ein energetisch optimiertes Wohnhaus, das die traditionelle Raumaufteilung umkehrt: Die Schlafräume sind unten, Küchen- und Wohnbereich sind im großzügig verglasten Obergeschoss, das trotz knappen Platzes ein großzügiges Wohngefühl vermittelt und den Blick auf Domberg und Altstadt erlaubt.
Ganz traditionell mit Steildach und massivem Mauerwerk angelegt ist das Rathaus in Hörgertshausen in der Hallertau. Doch große Glasflächen bis unters Dach öffnen das Rathaus zur Dorfmitte nach Norden und Osten und bringen viel Licht in das Gebäude. Das landschaftstypische Sparrendach wurde neu interpretiert aus Brettschichtholz ausgeführt und ermöglicht einen stützenfreien Veranstaltungssaal unter dem Dach.
Dass energieeffizientes Bauen und Gestaltungswille sich auch bei Gewerbebauten nicht ausschließen, belegt die preisgekrönte Fertigungshalle der Schreinerei Design.S in Pulling bei Freising. Der 70 Meter lange Holzbau ließ sich für den gleichen Preis wie eine Stahlfertighalle realisieren – ist jedoch so funktional wie individuell.
Eine Lichtfassade an der Nordseite bringt Tageslicht bis in den letzten Winkel. 1200 Quadratmeter Photovoltaikfläche auf dem Dach erzeugen 70000 kWh Strom pro Jahr, deutlich mehr als den jährlichen Eigenbedarf von 55000 kWh. Als Puffer in sonnenlosen Zeiten dient eine Pelletheizung, in der die im Betrieb anfallenden Holzabfälle genutzt werden.
Eine besondere Herausforderung war das Biohotel im Apfelgarten in Hohenbercha bei München. Die Traditionsgaststätte Hörger benötigte 2005 dringend zusätzliche Zimmer. Neben knappen Grundverhältnissen war der Zeitdruck ein zusätzliches Problem: Die Zimmer sollten schon zur Fußball-WM 2006 zur Verfügung stehen. Außerdem sollte der Neubau mit ländlichen Traditionen und der Natur im Einklang stehen.
Der Wille zur Nachhaltigkeit ebenso wie der knappe Zeitplan ließen die Entscheidung für einen Holzfertigbau fallen. Die 21 Zimmer wurden als Module aus Zirbelholz vorgefertigt und auf zwei Ebenen zu einem langen Bau gestapelt.
Die mit dem Gelände steigende Bauform sorgt ebenso wie das Flachdach dafür, dass der Bau dem Garten gegenüber zurücktritt und auch das Ortsbild des 200-Seelen-Dorfes nicht stört.


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