Montag, 12.11.2018

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Sprengstoff-Lager bei Sengenthal soll vergrößert werden

An der Gemeindegrenze sollen 50 Tonnen Ammoniumnitrat gebunkert werden - 27.07.2018 13:00 Uhr

Zaun, Eisentor, Pförtner: Das Maxam-Gelände im Wald zwischen Neumarkt und Sengenthal ist stark gesichert. Auf dem Areal werden tonnenweise Sprengstoff-Komponenten gelagert. © Foto: Wolf-Dietrich Nahr


Auf der alten Weißmarter-Teerstraße zwischen Neumarkt und Deining ist man im tiefen Wald schnell an der Liegenschaft vorbei gerauscht. Nur ein großes Eisentor zwischen hohen Bäumen signalisiert, dass hier das Lager der Firma Maxam Deutschland GmbH liegt. Eine verwitterte Warntafel hinter dem stacheldrahtbewehrten Zaun gibt Aufschluss über die Historie: Früher war das knapp 9000 Quadratmeter große Gelände ein Außenlager der Wasag Chemie GmbH. Später ging das Areal an die Firma Westspreng über. Seit dem Jahr 1957 haben die jeweiligen Eigentümer die Genehmigung, auf dem Gelände Sprengmittel oder Komponenten für solche Explosivstoffe zu lagern.

Maxam ist ein Hersteller von Sprengstoffen und Zündsystemen, der unter anderem Explosives mit mobilen Mischgeräten an den jeweiligen Einsatzstellen erzeugt. Kunden der Firma sind Steinbruchbetreiber, Tief- und Straßenbauer, Natursteinbetriebe und die Zementindustrie. Das Unternehmen nutzt nach Angaben der Gemeinde Sengenthal auf dem Grundstück fünf Stollen. Laut Bürgermeister Brandenburger reichen die Gewölbe sechs bis 20 Meter tief in den felsigen Untergrund. Im Stollen 4 darf Maxam laut Genehmigung 25 Tonnen der Sprengstoff-Komponente Ammoniumnitrat lagern. Diese Kapazität soll auf 50 Tonnen aufgestockt werden.

Gutachten des Bundesamtes

Deshalb hat das Landratsamt Neumarkt über einen immissionsschutzrechtlichen Antrag der Firma zu entscheiden. Am Montag kommender Woche wird sich der Sengenthaler Gemeinderat mit dem Thema befassen. Dieses Vorhaben ist laut Bürgermeister von den Fachbehörden "begleitet und geprüft" worden. Unter anderem habe das Bundesamt für Materialprüfung die Vergrößerung des Lagers begutachtet, Zugänge und Türen zu den Stollen überprüft und Details des Brandschutzes erörtert. Nach der Beteiligung der Gemeinde Sengenthal wird das Landratsamt das Vorhaben prüfen und einem vereinfachten immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren unterziehen. Laut Kreis-Sprecher Michael Gottschalk ist gesetzlich keine förmliche Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. "Das ist kein außergewöhnlicher Fall", sagte Gottschalk.

Das im Stollen gelagerte Ammoniumnitrat scheint allerdings längst nicht so "ungefährlich" zu sein, wie Sengenthals Bürgermeister Brandenburger meint: Bei Explosionsunglücken mit Ammoniumnitrat unter anderem in Ludwigshafen am Rhein und in Texas sind im vergangenen Jahrhundert mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen. Ammoniumnitrat haben die Attentäter bei ihren Anschlägen 1995 in Oklahoma City und 2011 in Oslo verwendet.

Großübung der Feuerwehren

Bürgermeister Brandenburger ist sich sicher, dass für den Brand- und Katastrophenschutz alles getan wird: Die Firma unterliege ständigen Prü-fungen; das Personal sei für den Umgang mit Gefahrgut geschult; die Feuerwehren könnten auf umfassende Alarmpläne zurückgreifen — wie bei einer Großübung, die erst vor wenigen Tagen stattgefunden hat. Die Distanz zwischen dem Gelände und einem Gewerbegebiet auf Neumarkter Stadtgebiet beträgt rund 650 Meter.

Passanten werden auf die Schilder "Wasserschutzgebiet" aufmerksam. Landkreis-Sprecher Gottschalk bestätigt, dass das Areal in der äußersten Randzone des Wasserschutzgebietes liegt. Eine Genehmigung des vergrößerten Lagers werde daran nicht scheitern, weil es sich um einen "bestehenden Standort" handelt. Was nicht ausschließt, dass das Landratsamt als Genehmigungbehörde ein besonderes Augenmerk hat. Michael Gottschalk: "Man wird darauf schauen, dass da nichts passiert." 

Wolf-Dietrich Nahr Neumarkter Nachrichten, stellvertretender Redaktionsleiter E-Mail

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