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Presslufthammer und Fräser, Fäustel und Knüpfel hat Julia Dietrich im Griff. So bringt sie Granit in Form, lässt eine geschwungene Linie auf einem Urnenstein entstehen. Obwohl es ein Knochenjob ist und die 20-Jährige „es jetzt schon im Kreuz spürt“, macht ihr der Beruf, in dem vor allem Männer arbeiten, einen Riesenspaß.
Ins Büro wollte sie nie. Dann haben ihr die Praktika den Weg nach Velburg gezeigt: Dreimal, in den Schulferien, als die jetzt 20-Jährige noch auf die Mädchenrealschule ging, probierte sie für sich den Beruf in der Velburger Steinmetz-Werkstatt von Reithmeier aus. Ihr künstlerisches Geschick hat die Reitelshofenerin vorher beim Malen oder im Werkunterricht eingesetzt, „in die dritte Dimension ist sie bei uns vorgestoßen“, sagt Reithmeier.
Er hat ihr Talent schon beim ersten Praktikum erkannt: Sie zeichnete einen umsetzbaren Entwurf für eine Froschfigur, modellierte das Objekt und „haute den Frosch dann aus dem Stein raus, als hätte sie nie etwas anderes gemacht“, sagt ihr Chef. Aber sie als Auszubildende einzustellen — das war ihm nach dem ersten Eindruck zu früh. So ließ er sie nochmal in den Ferien antreten, diesmal gestaltete sie einen Buddha, wieder ein gut gelungenes Stück.
Der Knochentest kam dann beim dritten Praktikum. Da testete Reithmeier Julia Dietrichs Belastbarkeit: Er brummte ihr „eine Sträflingsarbeit auf, bei der auch die Männer jammern“, sagt er, er ließ sie einen sehr harten Stein bearbeiten, eine Woche lang. Sie hatte Blasen und sich auch mal auf den Finger gehaut, aber sie hielt durch. Danach hatte sie ihren Azubi-Platz in der Tasche.
Bei der Gesellenprüfung erntete Dietrichs Talent Lorbeeren: Mit einer beschrifteten Stele, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld anmahnt, überzeugte sie die Prüfer. Aus einer vierkantigen Säule erhebt sich eine Weltkugel, die mit Geldscheinbündeln umgeben ist. Vor einem Bankgebäude, sagt Dietrich, wäre das Stück als Mahnmal gut aufgehoben, „am besten sollten wir sie gleich nach Frankfurt rauffahren“, scherzt sie.
Für ihre Arbeit „brauche ich schon Biss, man muss sich gegen den Stein wehren können“, sagt sie. Mit ihr in der Berufsschulklasse saßen zwei weitere Frauen und über 40 Männer. Aber sie wollte nur einen Beruf, in dem sie mit Herzblut arbeiten kann. Den hat sie gefunden; auch mit ihren Kollegen kommt sie gut klar. Die anderen packen mit an, wenn es um schwere Hebe-Arbeiten geht, „aber da gibt es ja auch die Technik“, sagt Dietrich und weist auf den Stapler, der schwere Steine hieven kann.
Beim Grabstein-Bearbeiten ist die junge Frau viel mit dem Tod konfrontiert; dem Ort für die Trauernden Form und Gestalt zu geben, findet sie dabei eine wichtige Aufgabe, die sie gern mit ausführt.
Als Steinmetzin könnte sie auch andere Arbeitsfelder erobern, bei der Dombauhütte mitmachen, als Restauratorin tätig sein oder auf dem Bau. Jetzt möchte sie als Gesellin erstmal noch Erfahrung sammeln, dann, überlegt sie, könnte sie auf die Meisterschule gehen; auch Fortbildungen seien eine gute Möglichkeit, „allein die Schrifttypen“, überlegt Dietrich. Ihr Chef Reithmeier wird sie unterstützen, ihr Talent fördern, denn er habe, sagt er, mit ihr im Betrieb noch einiges vor.

