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„Es geht uns eine Schule des Lebens verloren.“ So kommentierte der Ortsbeauftragte des THW Neumarkt, Gerhard Schmirler, die Entscheidung der Politik, die Wehrpflicht abzuschaffen. In seiner Eröffnungsrede beim Festakt kritisierte er aber nicht nur diese politische Entscheidung, durch die in Zukunft all die Helfer, die durch die Ersatzdienstzeit rekrutiert wurden, wegfallen werden, sondern forderte auch eine radikale Änderung der Verwaltung. Die Helfer dürften nicht mit immer neuen Vorschriften gegängelt werden, denn was nütze es, „wenn mir ein Jurastudium beim Einsatz mehr hilft als eine fundierte Fachausbildung?“
Schmirler lobte das THW selbst als starke Gemeinschaft, auf die man sich verlassen könne und für die sich das Engagement lohne. „Auf meinem Weg mit dem THW habe ich einige Lebensfreundschaften sammeln dürfen“, sagte er stolz.
Vor dem Festakt hatte für die 116 THWler und ihre Gäste ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St. Anna stattgefunden. Danach wechselten alle die Straßenseite, denn nun stand die Segnung des selbst gemachten Geburtstagsgeschenks an: Ein Kipper mit zwölf Tonnen Nutzlast, der den Fuhrpark ergänzt. Er stand bis letztes Jahr in den Diensten des Bauhofs Berching, wurde seit August wieder auf Vordermann und schließlich in den typischen Hilfswerkfarben dunkelblau und weiß lackiert. Der Umbau wurde vom Helferverein finanziert.
Die Segnung nahmen Dekan Norbert Dennerlein und Dekan Richard Distler gemeinsam vor. Anschließend ließen es sich beide nicht nehmen, zusammen mit Oberbürgermeister Thomas Thumann in das Fahrzeug zu steigen und sowohl Blaulicht als auch Hupe auszuprobieren.
Nachdem der Festakt mit der Begrüßungsrede von Gerhard Schmirler begonnen hatte, ergriff zunächst Tilman Gold, Referent im Landesverband des THW Bayern, das Wort. Er zählte die Höhepunkte während des 40-jährigen Bestehens des THW Neumarkt auf, zu denen auch die Ausrichtung des THW-Landesjugendlagers 1995 zählte. Anschließend lobte er die ehrenamtlichen Helfer des THW. Andere Katastrophenschutzgruppen seien größtenteils hauptamtlich strukturiert.
Ilona Knecht-Jesberger, Geschäftsführerin der THW-Geschäftsstelle Schwandorf, ehrte im Anschluss den langjährigen Kreisbrandrat Günter Gruber für seinen Einsatz um die Zusammenarbeit zwischen THW und Feuerwehr in der Region. Er bekam die THW-Ehrenplakette überreicht.
Auch Gerhard Schmirler wurde geehrt. Tilman Gold verlieh ihm das THW-Ehrenzeichen in Bronze, weil er als ehrenamtlicher Ortsbeauftragter viel Zeit für das THW geopfert habe.
Bundestagsabgeordneter Alois Karl zollte dem THW seinen Respekt für die erbrachten Leistungen, Landrat Albert Löhner dankte für die „außergewöhnlichen Leistungen, an die wir Begünstigten uns viel zu schnell gewöhnt haben“ und OB Thumann hob die stets gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und THW hervor.
Zum Schluss des Festakts ließen Zugführer Wolfgang Meier und Zugtruppfüher Philipp Hollfelder die Geschichte des Ortsverbandes Revue passieren: Die Gründung war am 29. April 1971 in der Bahnhofsgaststätte, im Hintergrund stand die Angst vor einem Überfall der UdSSR auf Deutschland im Kalten Krieg. In einem solchen Fall, so hieß es damals, bräuchte man eine Organisation, die die Zivilbevölkerung beispielsweise in Notunterkünften unterbringen oder die Infrastruktur provisorisch wieder herstellen könne: das THW.
Nachdem die ersten Ausrüstungsgegenstände noch im Landratsamt untergebracht wurden, bezog das THW 1972 ein eigenes Domizil in der alten Strumpffabrik. Die gebrauchten Fahrzeuge wurden im Bauhof untergestellt. 1972 hatten die Neumarkter THWler dann ihren ersten nennenswerten Einsatz mit einem Jugendzeltlager bei den Olympischen Spielen in München. 1978 bekam der Ortsverband einen fabrikneuen Mercedes-Rundhauber, zwei Jahre später seine Unterkunft in Lähr.
In der Zeit danach war das THW mit dem Maierbach beschäftigt, der 1982 über seine Ufer trat, und fuhr zahlreiche Hilfstransporte über die gerade erst geöffnete Grenze in die östlichen Nachbarländer. 1992 wurden sowohl der Helferverein, der inzwischen 100000 Euro in den Ortsverband investiert hat, als auch die THW-Jugend gegründet. Große Einsätze hatten die Neumarkter zum Beispiel mit ihrer Gulaschkanonen 2003 beim Hochwasser in Frankreich, bei dem der Ortsverband die anderen Helfer mit Mittagessen versorgte, oder die Ausleuchtung der Arbeiten in Baiersdorf 2007 beim Hochwasser.
Nach dem Festakt wurde eine Ausstellung eröffnet, in der der Ortsverband seine Fahrzeuge und Aufgaben vorstellte und außerdem ein „Powermoon“ zu sehen war. Dabei handelt es sich um einen Leuchtballon, der blendfreies, tageslichtähnliches Licht abgibt und zum Beleuchten größerer Flächen verwendet wird. Vor dem Landratsamt konnten die Besucher zudem den neuen Kipper und den Lichtmastanhänger bewundern.

