Sonntag, 18.11.2018

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Weitere Stolpersteine in Neumarkt und Sulzbürg verlegt

Sie erinnern an 17 jüdische Deutsche, die vertrieben oder ermordet wurden - 16.10.2017 20:20 Uhr

Obere Marktstraße 39: Dort wohnte die Familie Haas. Semi, Frieda und Ilse wurden ermordet. Ernst befreiten 1945 GIs aus einem Lager. © Foto: Distler


Myrna Haas, Witwe des vor einem Jahr verstorbenen Ernst Haas, war mit ihren Söhnen aus den USA nach Neumarkt gekommen. Foto: Günter Distler


Es war ein bewegender Augenblick, es war ein anrührender Moment am Oberen Markt. "Jahrzehntelang erinnerte sich niemand an dieses Familie und dann geschah Wunder über Wunder und heute gibt es in Neumarkt die Stolpersteine", sagte Myrna Haas, die Witwe von Ernst Haas. Er hatte als einziger jüdischer Neumarkter Verschleppung in die Konzentrationslager überlebt und starb im vergangenen Jahr in seiner neuen Heimat in den USA.

Vor seinem Elternhaus in der Oberen Marktstraße 39 erinnern nun fünf Stolpersteine an seine Eltern Semi und Frieda Haas, seine Geschwister Ilse und Walter und an ihn selbst. "Vergessen Sie niemals dieses Familie", sagte Haas. Gemeinsam mit ihren Söhnen sprach sie ein Gebet in englischer und in hebräischer Sprache.

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Stolpersteine in Sulzbürg und Neumarkt

In Neumarkt und Sulzbürg hat der Künstler Gunter Demnig 17 weitere Stolpersteine verlegt. Die Messingtafeln erinnern an jüdische Familien, die während der NS-Zeit vertrieben, deportiert oder ermordet wurden.


Dann entzündete Myrna Haas eine Kerze mit einem blauen Davidstern, dem Symbol des Judentums, und stellte diese vor die eingelassenen Messingtafeln mit den eingravierten Lebensdaten der Familie ihres Mannes.

Am Schlossberg in Sulzbürg erinnern fünf Steine an die Mitglieder der Familie Weil, von der nur ein Mitglied die Judenverfolgung und die Shoah überlebte. © Foto: Wolfgang Fellner


An zwei weiteren Stellen im Stadtgebiet wurden "Stolpersteine" verlegt: Vor der Bahnhofstraße 13 erinnern sie an Kurt, Helene Henriette und Hermann Baruch. In der Stephanstraße 17 wohnten Seligmann und Albert Haas sowie Leopold und Rosa Löw. In Sulzbürg befinden sich fünf neue Stolpersteine am Schlossberg 2. Sie erinnern an Rebekka, Leopold, Lazarus, Cäcilie und Bertha Weil.

Seit zwei Jahren gibt es die Neumarkter "Initiative Stolpersteine". Seine Mitglieder erforschen die Lebensgeschichte der jüdischen Mitbürger im Kreis Neumarkt. Neben der Vorsitzenden Heide Inhetveen und der Leiterin des Stadtmuseums Petra Henseler ist hierbei das Ostendorfer Gymnasium besonders engagiert.

Zu Ernst Haas bestand seit 2004 ein enger Kontakt. Am OG entstand das Musical "Der letzte Brief" über das Leben seiner Schwester Ilse Haas. Zwischen 2006 und 2014 besuchte er mehrmals die Schule.

Engagierte Schüler

Ein P-Seminar unter der Leitung von Alexander hatte auch den gestrigen Tag vorbereitet, das Programm gestaltet, die Lebenswege der Familie Haas recherchiert, die Blumen besorgt, die an den Gedenktafeln niedergelegt wurden, und selbst auch die Patenschaft für einen der Stolpersteine übernommen.

Denn das Projekt des Künstler Gunter Demnig, der mit inzwischen 61 000 Stolpersteinen in 21 Ländern die größte dezentrale Gedenkstätte geschaffen hat, finanziert sich im Kreis Neumarkt ausschließlich über private Spenden und nicht mit Geld aus der öffentlichen Hand. 

Hauke Höpcke Neumarkter Nachrichten E-Mail

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