Es ist halbzehn Uhr vormittags und die ersten Käufer haben schon gefunden, wonach sie gesucht haben. Richard Sturm und seine Frau Gertraud, die aus dem kleinen Ort Eppersdorf hinter Seligenporten kommen, haben entdeckt, wonach sie gesucht haben. „Das ist ein altes Butterfass, bestimmt schon um die 150 Jahre alt“, erklären sie. Funktionstüchtig ist es zwar nicht mehr, aber das muss es auch nicht sein.
Vor eineinhalb Jahren hat das Ehepaar die letzten Kühe verkauft und danach stand der Stall leer. Jetzt kommt neues Leben hinein. Das Ehepaar macht nämlich ein Bauernhofmuseum daraus und deshalb fährt es auf Flohmärkte. Für 20 Euro war das Butterfass ein echtes Schnäppchen. Eine Milchkanne, einen Schlitten und eine Fuchsfalle haben die beiden zudem erstanden, und sie strahlen vor Glück.
„Man muss im Voraus denken“, winkt eine Frau hinterher, die auf dem Weg zum Auto ist. Sie hat den leeren Stall für eine Weihnachtskrippe erstanden. Figuren dazu gibt es am Flohmarkt auch zuhauf. Man muss nur schauen, schauen. Für den Bummel über den Markt muss man sich deshalb Zeit nehmen. Über 400 Händler dürften es wohl sein“, schätzt Michael Meier, der Veranstalter.
Viele Händler jammern, dass das Geschäft schlecht gehe. „Ich bin froh, wenn die Standgebühren hereinkommen“, meint einer aus dem oberfränkischen Altenkunstadt. „Die Leute haben einfach kein Geld“, ist seine Erklärung dafür. Veranstalter Michael Meier glaubt aber, dass das Jammern zum Geschäft gehört. Er verkauft Münzen. „Die Sätze aus Monaco, San Marino und dem Vatikan sind die teuersten.“ Das Münzgeschäft gehört schon seit eh und je zu den Haupteinnahmequellen der Zwergstaaten.
„Wir bummeln über den Markt, einfach weil es Spaß macht. Speziell suchen wir nicht nach Bestimmtem“, lacht ein Familienvater, der mit Frau und Kindern unterwegs ist. Ein anderer Käufer nimmt eine Schatulle in die Hand und bläst darüber. „Die Flöhe sind weg“, grinst er. Und wirklich, die Flohmärkte haben von den Flöhen ihren Namen. Im Spätmittelalter verschenkten die hohen Herrschaften, Fürsten und Grafen an die armen Untertanen Kleider, die diese weiter und weiter verkauften. Dabei schlüpfte dann auch hin und wieder ein Floh hinein.
Das US-Ehepaar Nancy und Randy Waldron kommt aus dem Truppenübungsplatzstandort Grafenwöhr angereist. „Wir sind noch eineinhalb Jahre in Deutschland“, berichtet das Ehepaar. Sie denken schon etwas traurig an den Abschied aus good old Germany. Bierkrüge haben sie schon gesammelt, Randy Waldron hat sieben Geschwister und diese freuen sich auf die bayerischen Markenzeichen. Heute hat Waldron ein Buch über den legendären Jagdflieger Manfred von Richthofen erstanden, Nancy hält Ausschau nach Bauernmalerei und alten Milchkannen.
Eine Frau aus der Nürnberger Gegend präsentiert ihre Schätze in einem Korb. Ein schon in die Jahre gekommenes Wetterhäuschen und Weihnachtliches aus dem Erzgebirge sind darunter. Das Erzgebirge ist ja Weihnachtsland. Am Fuß eines Nussknackers befindet sich der Aufkleber „Hergestellt in der DDR“. Während nach der Wende noch eine Fülle an Militaria aus dem Ostblock zu finden war, ist jetzt nur mehr wenig zu sehen, hin und wieder Anstecker mit „Hammer und Sichel“.
„Die Gruscher sind in der Überzahl“, stuft ein Händler das Käuferpotential ein. „Der Zeitgeist ist einfach anders“, fügt er hinzu. Ein anderer hat die Nachlässe von verstorbenen Tanten dabei, Haushaltsgegenstände in Hülle und Fülle. Ein Interessent entdeckt Kohlenschaufeln. „Nicht zum Heizen nehme ich sie, sondern als Kehrichtschaufel“, sagt er. „Wieder ein Teil weniger“, wird sich der Händler denken, der fünf Euro einsackt.
Feldpostbriefe aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wechseln im kleinen Karton für 40 Euro die Seiten, da brauchte es kein Feilschen mehr, obwohl das normalerweise zum Flohmarkt gehört.
Der Flohmarkt, ein Sammelsurium aus Nippes, Kuriositäten und Raritäten, die man im Geschäft nicht bekommt. Und bei ebay? „Nein, das ist keine echte Konkurrenz für uns“, meint Veranstalter Meier. Die Leute wollen die Dinge sehen und im wahrsten Sinn des Wortes begreifen. Natürlich gehört ein Schwätzchen dazu. Der Flohmarkt als Ersatz für den Tante-Emma-Laden, nur in anderen Dimensionen. Und er ist auch oft eine Zeitreise in die eigene Lebensgeschichte. „Ja, das hatten wir damals auch, als ich klein war“, kann man immer wieder hören.
Für einen 36-jährigen Wirtschaftsingenieur aus Nürnberg hat sich die Fahrt gelohnt. Er ist Sammler. Sammler von Elvis-Platten. „Nicht so verbissen wie manche, bei denen es auch auf die Pressung der Schallplatten ankommt“, sagt er. Stolz zeigt er seine erworbenen Platten mit dem Konterfei des legendären Sängers.
Hier ist alles billiger als im Internet. Versandkosten gibt es nämlich nicht“, ergänzt er. Und das Flair gibt es sogar umsonst.
Der nächste Flohmarkt findet am Samstag, 2. Oktober, statt, dann auch in der Großen Jurahalle. Voranmeldungen unter (0178) 5848285.

