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Freitag, 21.09.2018

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Zu wenig Lokführer: Agilis streicht 30 Prozent seiner Fahrten

Pendler zwischen Neumarkt und Parsberg brauchen Geduld - 07.09.2018 09:28 Uhr

Die Nachfrage der Kunden ist da, doch – wie die gesamte Bahn-Branche – hat Agilis (rechts im Bild) aktuell massiv mit fehlendem Personal zu kämpfen. Es musste deshalb seinen Fahrplan massiv einschränken. © Foto: André De Geare


Vorrangig handele es sich bei den Ausfällen um die sogenannten Zwischentaktungen, schildert Katharina Ziegler, Pressesprecherin des Unternehmens. Sie beteuert, "Wert darauf zu legen, dass so viele Schülerzüge wie möglich planmäßig verkehren". Doch die Ausfälle seien krankheitsbedingt. Das macht sie schwer planbar. Für die Schulen im Landkreis, wie beispielsweise die Parsberger Realschule, eher sub-optimal.

Einen handfesten Notfallplan gibt es dort nicht. Doch Realschul-Direktorin Ingrid Meggl weiß, wie sie auf mögliche Ausfälle der Agilis-Bahnen reagieren würde. Rund ein Drittel ihrer Schüler kommt per Bahn, überwiegend aus Richtung Regensburg.

"Wenn der eine oder andere erst mit dem nächsten Zug kommt, drücken wir ein Auge zu. Schließlich wird in den ersten Tagen noch keine Probe geschrieben." Sie warnt jedoch: "Wir wissen genau, wer auf den Zug angewiesen ist, und wer zwei Straßen weiter wohnt."

Ingrid Meggls Kollege am Gymnasium hat sich um eventuelle Zugausfälle noch keine Gedanken gemacht. Zum einen, weil es aktuell nicht danach aussieht, zum anderen, weil Josef Gloßner "ganz andere Probleme" hat". Denn in Parsberg wird die Bahn-Unterführung saniert. Eine längerfristige Baustelle, die auch Umleitungen für die Schulbusse zur Folge haben.

Bislang wenig Ärger

Neben Parsberg liegen noch Seubersdorf, Deining und Neumarkt als größere Kommunen an der betroffenen Strecke. Für sie fällt am Wochenende etwa jeder zweite Agilis-Zug aus. Dennoch berichtet keines der Rathäuser bislang von Bürgern, die sich beschwerten. Und auch am Neumarkter Bahnhof selbst meldeten sich bislang nur vereinzelt verärgerte oder ratlose Kunden, wie man in den dortigen Geschäften hört.

Lediglich Deinings Bürgermeister Alois Scherer ist etwas angesäuert: "Wir machen Werbung dafür, dass die Leute das Auto stehen lassen sollen. Und dann das." Rund 100 von 4800 Bürgern in seiner Gemeinde pendeln mit dem Zug in umliegende Städte.

Er fährt fort: "Ich kann doch jemandem, der einen Pass beantragt, auch nicht sagen: ,Das geht nun wegen Krankheit leider nicht‘. Der würde sich zurecht fragen, ob ich meinen Laden nicht im Griff habe."

Mahnungen ignoriert

Ähnlich sieht es Harald Hammer von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Regensburg. Er wirft der Bahnbranche insgesamt falsche Planung vor: "Seit 2016/17 weisen wir darauf hin, dass die Unternehmen gegensteuern müssen. 2018 hat sich der Personalmangel nun deutschlandweit bei allen Unternehmen in der Branche massiv zugespitzt."

Weil es an Personal fehlt – "nicht nur bei den Lokführern, sondern auch bei Zugbegleitern, Servicekräften und Angestellten in den Werkstätten" – müssen laut Hammer die Verbliebenen, so weit es Arbeitszeitgesetz und Tarifvertrag zulassen, verstärkt ran. Er beruft sich dazu auf Gesprächen mit Betriebsräten in ganz Bayern.

Nicht nur erkältet

Die Folge: "Es geht um deutlich tiefgreifendere Erkrankungen als einen Schnupfen", so Hammer. Katharina Ziegler von Agilis will das nicht stehen lassen: "Wir halten uns an alle Vorgaben. Es gibt genug Ruhezeiten." So oder so: Den Gewerkschaften EVG und GDL spielt die aktuelle Situation in die Karten.

Anfang Oktober gehen die Tarifverhandlungen mit Agilis weiter. Darauf folgen die mit der DB AG. Das Ziel: Den Beruf attraktiver machen.

Agilis erstellt derzeit einen Ersatzplan, der bis 30. September gelten und unter www.agilis.de einsehbar sein soll. Dort stehen alle aktuellen Fahrplan-Änderungen. 

Alexandra Haderlein E-Mail

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