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Abschluss der Konzertsaison mit Ralf Grobe

"Eric Satie in Wort und Klang" auf Schloss Seehaus - 20.09.2017 15:50 Uhr

Ralf Grobe sorgte mit seinem musikalisch-literarischen Satie-Portrait für ein unterhaltsam-heiteres Finale der Schloss-Seehaus-Saison. © Harald Munzinger


Der Bassbariton Ralf Grobe hatte sich intensiv mit dem extravaganten Éric Alfred Leslie Satie befasst und aus dessen Kompositionen und eigenwilligen Gedanken ein Programm gestaltet, das Künstlerkollege Jan Kobow so faszinierte, dass er "lange davon träumte", es auf Schloss Seehaus darbieten zu können. Ein paar Jahre habe es gedauert, bis es klappen sollte, ließ er wissen, "gut Ding also Weile haben".

Dass sich das Warten lohnte, bestätigte begeisterter Applaus eines erheiterten Publikums, das sich am sonnigen Spätsommerabend aus der herbstlichen fränkischen Landschaft in die Welt des Erik Satie entführen ließ, der sich von Mythen, Mittelalter und Religion – seiner eigenen – hatte inspirieren lassen.

Grobe, der im Bereich der Renaissance- und Barockmusik einen hervorragenden Ruf genießt und auf nationalen wie internationalen Bühnen "zuhause" ist, in Markt Nordheim zu erleben, war an sich schon ein Glanzpunkt der Seehaus-Saison, einen Musiker, Sänger und Rezitator in einer Person, eine von Gastgeber Jan Kobow bewunderte Rarität, die ein volles Haus verdient gehabt hätte. Die von Satie beschworene heilende Wirkung der Musik sollten entspannende Stunden im Konzertsaal mit Nachwirkungen im romantischen Park auch eines spannenden Lebensbildes des extravaganten Avantgardisten des frühen 20. Jahrhunderts belegen.

Minimalmusik und Klavierstücke

Nach dessen eigenem Bekunden "kein Antiwagnerianer" aber Verfechter eine "eigenen Musik ohne Sauerkraut" schöpfte Ralf Grobe aus einem reichen Schatz an Aufzeichnungen für das Charakterbild Saties, der seine Kritiken gerne selbst geschrieben hatte, sich auch schon mal mit Kritikern anlegte und zwischen den Zeilen eines überschäumenden Lobliedes auf deren Gattung bissige Satire anklingen ließ.

Auch wenn er im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts die "Neue Musik" beeinflusste, mit seinen Miniaturen für diese einen bedeutenden Beitrag leistete und ein Wegbereiter der populären Musik war, sowie mit seinem Hang zur Kürze und Schlichtheit der Kompositionen als ein Vorreiter der Minimalmusik gilt, war sein Weg nicht mit Ruhm gepflastert, Armut auch nach denen Jahren seines Durchbruchs (1917/18 mit Auftragskompositionen) sein steter Begleiter bis zum Tod 1925 in Paris.

Ralf Grobe verstand es ausgezeichnet, Gedanken und Musik von Erik Satie zu verweben. Zwischen Klavierstücken als prägende kurze Beispiele "musikalischer Kargheit" - schließlich habe "kein Komponist das Recht, die Zeit seines Zuhörers unnötig in Anspruch zu nehmen" - und originellen (teils selbst übersetzten) Liedern, las Grobe mit ausdrucksstark sonorer Stimme aus Aufzeichnungen Saties etwa über den Sport mit treffsicherem Spott. Dass man sich Erik Satie mehr widmen sollte, der seine leidenschaftlich vertretene "Hintergrundmusik" heute in Werbespots wiedererkennen würde, war aus den Zuhörerreihen bei manch - ebenfalls zeitlosen - launigen Anmerkungen und satirischen Betrachtungen zu vernehmen.

Nächstes Jahr wieder

Nach 15 Veranstaltungen ist auf Schloss Seehaus für 2017 der "Vorhang gefallen". Gastgeber Jan Kobow zog ein zufriedenes Fazit, konnte sich - wie etwa beim Schubertabend oder dem Slotkoor - über ein volles Haus und durchweg guten Besuch freuen. "Eine leichte Tendenz" geringerer Gästezahlen bei Konzerten mit Eintritt stellte er mit verschmitztem Lächeln fest. Dass die Kulturfreunde aus der Metropolregion, aus der das Kultur-Schloss Seehaus einen wachsenden Zuspruch erfährt, spendefreudig sind, stellte Dietmar Leibssle-Schacher in einer ebenfalls zufriedenen Bilanz des Schloss-Seehaus-Fördervereins fest.

Auch mit einem Zuschuss aus dem Bayerischen Kulturfonds will dieser weiterhin sowohl die nötigen Sanierungsmaßnahmen, als auch "Seehaus als lebendiges Kulturgut der Region" mit vielfältigen Veranstaltungen fördern. So wird es auch 2018 wieder "Vorhang auf" im Golddorf Markt Nordheim heißen, worauf Vorfreude sich mit den "vorletzten Gedanken" bei der Satie-Hommage verband. 

Harald J. Munzinger

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