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Ausstellung in Berufsschule warnt vor Rechtsradikalismus

Neustadt will den Anfängen wehren - Aufruf zu Wachsamkeit - 11.11.2014 10:47 Uhr

Der Jugend ist die Ausstellung in der Berufsschule Neustadt mit zahlreichen aufschlussreichen Schautafeln zu “Rechtsradikalismus in Bayern. Demokratie stärken, Rechtsradikalismus bekämpfen” besonders empfohlen, deshalb auch die Einladung an andere Schulen gerichtet. © Harald Munzinger


Von der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Verfügung gestellt, ist sie zunächst zwei Wochen in Neustadt, dann weitere zwei Wochen in der Berufsschule Bad Windsheim zu besichtigen, was interessierten Bürgern möglich ist und insbesondere auch anderen Schulen empfohlen wird. Diese bittet Oberstudiendirektorin Bettina Scheckel um Anmeldungen. In den nächsten Tagen werden auch Zeitzeugengespräche dem Ziel dienen, mit der Aufklärung “zum demokratischen Engagement und zur Auseinandersetzung vor Ort motivieren”.

Wie wichtig das ist, machte die Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair, Buchautorin und Expertin in den Themenbereichen Neonazismus, Rassismus und Holocaust bei der Eröffnung der Ausstellung an Beispielen aus dem Landkreis deutlich.

Sie erinnerte an die Schändung des Judenfriedhofes bei Diespeck, den eine fünfköpfige Gruppe ebenso verübt hatte, wie einen Anschlag mit Molotowcocktails auf ein von Ausländern bewohntes Haus in Bad Windsheim. Derlei Gewalttäter oder auch Mörder würden in ihrer Szene als Helden gefeiert. Mair mahnte zur Wachsamkeit , dass mit Nazis in den Parlamenten, Mord nicht eines Tages wieder staatlich legitimiert werde, wie es im Dritten Reich der Fall gewesen sei.

Zivilcourage lohnt sich

Dass sich Zivilcourage lohne, die Gesellschaft eine gewisse Macht habe, sah sie am markanten Beispiel Scheinfeld belegt, wo mit massivem, buntem Protest und offensivem Handeln der Kommune ein Einnisten der Nazis verhindert worden sei. Da sich diese andere Lokalitäten suchten , sei stete Wachsamkeit nötig, so Birgit Mair, die dazu aufrief, diesen Kräften “im öffentlichen Raum die Lufthoheit zu entziehen”. Dafür sah sie gerade im Nordbayern den Widerstand gut aufgestellt”.

Die Expertin mit dem aufmerksamen Blick auf die rechte Szene sieht diese nun speziell auf die Flüchtlinge und Asylbewerber fokussiert. Nach einer aktuellen Studie sei es “mit dem Rassismus mittlerweile in Bayern am Schlimmsten”. Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit seien Bestandteile der Nazi-Ideologie, deren Bodensatz. Birgit Mair zeigte ein breites Spektrum an Parteien, Kameradschaften und immer neuen Organisationen auf, die aus Verboten resultierten, mit denen die die Nationalsozialisten “strategisch umzugehen gelernt” hätten. Deren Springerstiefelimage sei überholt, machte sie am Sortiment im Versandhandel auf der Internetplattform deutlich.

Kirsch: “Sich einmischen”

Stellvertretender Landrat Norbert Kirsch begrüßte die Ausstellung des BayernForums der Friedrich-Ebertstiftung gerade in der Schule, seien doch “Jugendliche und Heranwachsende bevorzugtes Ziel der Rechtsextremisten”. Es sei wichtig, informiert und angeregt zu sein, sich mit der Szene auseinanderzusetzen und zu überlegen, was die Gesellschaft dagegen tun könne. Denn, so Kirsch, hinsehen und ausgrenzen genüge nicht. Er maß den Tafeln “Was dagegen tun” in der Ausstellung besondere Bedeutung bei, gelte es doch, aufzustehen, aktiv zu sein, sich einzumischen, sich für die Abwehr des Rechtsextremismus zu engagieren.

Das dies gerade in Neustadt und im Landkreis gefordert sei, machten Kirsch und Bürgermeister Meier mit dem Rückblick auf ein unrühmliches Kapitel mit der frühen Ehrenbürgerschaft Hitlers und ausgeprägtem Antisemitismus deutlich.

Oberstudiendirektorin Bettina Scheckel, Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair und stellvertretender Landrat Norbert Kirsch (von rechts) mahnten bei der Ausstellungseröffnung zur steten Wachsamkeit gegen den Rechtsextremismus. © Harald Munzinger


Nun habe man den Anfängen frühzeitig gewehrt und den Rechten deutlich gemacht, “dass Neustadt bunt und demokratisch ist, weshalb wir heute kein rechtsextremes Problem haben”, so Meier. Am jüngsten Beispiel in Scheinfeld zeige sich jedoch, dass es die Aufgabe aller demokratisch denkender Menschen sei, “auf einer breiten gemeinsamen Basis undemokratischen, rassistischen und Menschen verachtenden Zielen des Rechtsextremismus entgegen zu wirken”.

Wichtige Rolle der Schule

Den Schulen maß der Bürgermeister dabei eine ganz wichtige Rolle zu, “wenn es darum geht , bei unseren Jugendlichen demokratische Werte zu vermitteln und demokratisches Verhalten zu stärken“. Dass dies in Neustadt in vorbildlicher Weise geschehe, zeigte Klaus Meier am Beispiel des “überaus empfehlenswerten” Filmes “Stoplersteine” der Neustädter Realschule sowie am Austausch mit Schülern anderer Nationen auf.

Die Berufschule habe bisher das Glück gehabt, “nicht wirklich mit rechtsradikalen Ereignissen in die Öffentlichkeit gelangt zu sein, erklärte Schulleiterin Scheckel. Vor der Schule verteiltes Propagandamaterial werde der Schulleitung übergeben. Auszubildende, die rechte, demokratiefeindliche Ideologien äußerten, oder gar den Hitlergruß zeigten, würden konsequent dafür ein paar Tage vom Unterricht ausgeschlossen, “um ihr Verhalten zu reflektieren“. 

Harald J. Munzinger

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