Sonntag, 18.11.2018

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"Bauer Willi" als Mutmacher

"Sparkassen-Landwirtschaftsforum" mit positiven Impulsen - 09.11.2018 11:33 Uhr

"Bauer Willi" Kremer-Schillings sprach Kreisobmann Jürgen Dierauff und Kreisbäuerin Renate Ixmeier (v. r.) mit dem Dilemma Landwirtschaft-Verbraucher aus dem Herzen. © Harald Munzinger


"Der Obelix der Landwirtschaft", wie Kreisobmann Jürgen Dierauff den international bekannten "Bauer Willi" in Franken willkommen hieß, der sich allerdings mit Blick auf die Figur eher als "Asterix" fühlen mochte, sorgte beim vierten "Sparkassen-Landwirtschaftsforum" für eine buchstäblich "randvolle" NeuStadtHalle. Ein Bild, für das Direktor Gunther Frautz die stark eingeschränkte Beinfreiheit am Bühnenrand gerne in Kauf nahm. Der redegewandte Rheinländer, der sich in TV-Shows, mit Aufsehen erregenden Publikationen auch in "Blogs" sowie seinem Buch "Sauerei" einen Namen gemacht hat, in dem den Konflikt Landwirtschaft-Verbraucher beschreibt, brachte diesen auch auf der Bühne unterhaltsam-anschaulich zum Ausdruck.

Auf der einen Seite skizzierte "Bauer Willi" (mal mit Wut-, mal mit Mut-Attribut) die Persönlichkeitsspaltung von Bürger und Verbraucher; der eine der Landwirtschaft durchaus zugetan, der andere den möglichst billigen Lebensmitteln mit dem Anspruch der Herstellung unter strengster Wahrung des Natur- und Tierschutz. Zu dieser "moralischen Schizophrenie" zeigte Dr. Willi Kremer-Schillings klare Kante: "Wer für 2.79 Euro ein Hähnchen kauft, gibt das Recht ab, über Massentierhaltung zu schimpfen".

Einfache Lügen haben es leichter

So lange der Geldbeutel das Kaufverhalten bestimme, billig aber mit hohen Auflagen nach europäischen Normen nicht zu produzieren sei, lasse sich diese Schere nicht schließen, machte "Bauer Willi" deutlich. Da es "einfache Lügen besser als komplizierte Wahrheiten" hätten – Beispiel Bienensterben und tatsächliche Zunahme der Bienen – sah er die Landwirtschaft vor das weitere Problem plakativer Angriffe gestellt, das sie allerdings mit ständigem Jammern und Verteidigen nicht lösen könne.

Es gelte deshalb die Grundhaltung zu ändern, mehr positiv zu denken und das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit zu korrigieren, ermunterte der eloquente Referent die vielen Kolleginnen und Kollegen in dem bei ernster Thematik immer wieder erheiterten Publikum. Kreative Kommunikation nannte er dazu als Beispiel, die Segel richtig zu setzen, um nicht dem Wind tatenlos ausgesetzt zu sein. Für Kindergärten und Schulen die Hoftore zu öffnen, aber auch für zugezogene Neubürger, die sich an Lärm und Gerüchen störten, die ihm beim Ausbringen von Gülle oder nächtlicher (Not-)Ernte schon das Leben schwer gemacht hatten, riet "Mut-Bauer Willi".

Bis auf den letzten Platz war die "NeuStadthalle" beim vierten "Sparkassen-Landwirtschaftsforum" besetzt. © Harald Munzinger


Man müsse wieder den Bezug zur Landwirtschaft und auch zu Lebensmitteln schaffen, der verloren gegangen sei, so der dazu seine manch Methoden schilderte, wenn etwa mit einem Vorwurf mit einer Frage gekontert und das Gegenüber in Erklärungszwang gebracht wird. Dass dabei vielfach das Geflecht von zu mutmaßlichen Skandalen verdichteten Halbwahrheiten aufbreche, zeigte der noch im Nebenerwerb tätige Landwirt auf, der aber vornehmlich das Werbefeld für seinen Berufsstand beackert. Den forderte er auch in Neustadt auf, als Unternehmer etwas zu unternehmen, "selbst aktiv zu werden und nicht auf Andere zu warten". Dies bezog "Bauer Willi" auch auf die kreative Produktwerbung.

Kampf gegen Meinungsmacher

Dass die Landfrauen kommunikativ versierter seien, vernahm Kreisbäuerin Renate Ixmeier dieses Kompliment gerne, die auf deren Aktivitäten im Zusammenwirken mit dem BBV-Bildungswerk verwies. Sie stimmte Dr. Willi Kremer-Schillings zu, dass der "ewige Kampf gegen Meinungsmacher" mit Offenheit und Ehrlichkeit sowie Geduld zu führen und bei Verbraucher um mehr Verständnis zu werben sei.

Mit Kreismann Jürgen Dierauff, der auch auf den schwierigen Überzeugungsprozess bei Politikern und Bürokratie – aktuelles Beispiel eine speziell entwickelte Betäubung ohne Spritze vor der Ferkelkastration – hinwies, hatte sie "Bauer Willi" in zwei Betriebe eingeladen, um ihm "ein Gesicht der Landwirtschaft in Franken" zu vermitteln. Akustisch eindrucksvoll taten dies die "Landfrauenstimmen" unter der Leitung von Erwin Mari zum Auftakt des "Sparkassen-Landwirtschaftsforum", zu dem Direktor Frautz an der Spitze der  Ehrengäste den Landtagsabgeordneten und stellvertretenden Landrat Hans Herold sowie Hausherr Klaus Meier im Kreis zahlreicher Bürgermeisterkollegen aus dem Landkreis willkommen heißen konnte. Nach dem launig-informativen Exkurs durch das "Dilemma der Essensmacher" bestand Gelegenheit zu regen Gedankenaustausch in schöner Atmosphäre. 

Harald J. Munzinger

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