Mittwoch, 21.11.2018

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Bayernweite Rettungshundeprüfung bei Schornweisach

Vermisstensuche im Wald - Lebensrettende Arbeit bei jedem Wetter - 28.10.2018 19:10 Uhr

Nicole Büttner aus Bad Kissingen zählte zu den erfolgreichen BRK-Hundeführern, nachdem ihr Schapendoes "Erbse" beide Flächensuchen sicher absolvierte, hier im gewünschten Abstand seinen Opferfund anzeigte und sie Rettungsmaßnahmen für eine verletzte Person anforderte. © Harald Munzinger


Diese waren nach einer Gasexplosion auf dem benachbarten Campingplatz vom Jugendzeltplatz am Schornweisacher Freizeitsee in panischer Angst in den nahegelegenen Wald geflüchtet, wie das Unglücksszenario für die Einsatzkräfte beschrieben war. Wie viele Personen in welchem Alter vermisst wurden und möglicherweise verletzt waren, war offen, da nach dem realitätsnah beschriebenen Unglücksbericht zur fraglichen Zeit auf dem Zeltplatz „eine gemischte Gesellschaft verweilte“.

Zwei Tage lang machten sich die Teams mit den Prüfern auf die Suche in drei Hektar großen Arealen, nachdem die BRK-Hundeführerinnen und -führer zunächst eine theoretische Prüfung mit 25 stichprobenartig gestellten Fragen aus dem Bereich der Fachdienstausbildung absolviert hatten. Da ging es unter anderem um die Orientierung, um die Erste Hilfe für Mensch und Hund sowie um Funk, Recht oder Kynologie. Dann waren eine Anzeigeübung und die Unterordnung Kriterien, auf die von den beiden Prüfern – begleitet von zwei Hospitanten - diesmal genau geachtet wurden, ehe es zur „Flächensuche im Wald“ ging.

Vor der galt es zunächst einmal die Windrichtung auszumachen, um die Suche für den Hund gegen den Wind anzugehen. Ob mit feinem Puder, Seifenblasen oder Rauch werden dabei verschiedene Methoden angewandt. Ist der Rettungshund von seinem Führer zur Anzeige aufgefordert, wird bewertet, wie er sich unterordnet und beim Auffinden der gesuchten Person verhält.

Hund muss genügend Abstand halten

Es sei wichtig, dass er ausreichend Abstand zu der Person halte, diese nicht bedränge und den Fund ausdauernd anzeige, wird zu diesem Prüfungsteil erklärt. Rainer Weiskirchen, der sich damit intensiv befasst, weiß von verschiedenen Methoden zu berichten. So gebe es Hunde, die ihre erfolgreiche Suche durch Bellen anzeigten, andere gingen zum Führer zurück und geleiteten ihn zum Fundort. Dort muss gegebenenfalls Erste Hilfe geleistet werden, wozu die wichtigsten Utensilien ebenso mitgeführt werden, wie Wasser für das Opfer und auch den Hund, dem eine Belohnung für seine gute Spürnase sicher ist.

Die spielt in der rund zwei jährigen Ausbildung für die Motivation der Hunde eine wichtige Rolle, bei der auch der Spieltrieb des Tieres genutzt wird, wie es am Rand der Prüfung geschildert wurde. Flächensuchhunde arbeiteten bei jedem Wetter, was sie auch am regnerischen Sonntag bewiesen, stünden also immer zur Verfügung und machten im Wald oder unwegsamen Gelände „jegliche menschliche Witterung“ aus. Die Hundestaffel im BRK-Kreisverband hat derzeit 32 Mitglieder aus verschiedenen Bereitschaften und etwa 30 Hunde in den Sparten Flächen- und Trümmersuche sowie „Mantrailling“ in der Aus- und Weiterbildung.

Schon zu 35 Einsätzen gerufen

2017 hat diese Hundestaffel mit der Ausbildung sowie bei Einsätzen etwa 6240 Helferstunden abgeleistet. In diesem Jahr wurde sie bereits zu 35 Einsätzen gerufen, die sich in der Stadt entsprechend schwieriger, als bei der Flächensuche gestaltet. Von der BRK-Staffel waren auch Trümmersuchhunde beim Sprengstoffanschlag in Ansbach angefordert und hätten im Fall einer weiteren Sprengung sofort nach eventuellen Verletzten in Trümmern suchen können.

Zunehmende Bedeutung gewinnen nach Mitteilung des Roten Kreuzes die sogenannten „Mantrailer“, die dazu ausgebildet werden, „die Spur einer Person anhand ihres Individualgeruches zu verfolgen“. Mit dieser einzigartigen „DNA“ kann ein „Mantrailer“ eine bestimmte Richtung ausmachen, in der ein Mensch verschwunden ist und dann auch der Flächensuchhund gezielt in dieser Richtung eingesetzt werden. Über etwa zehn der „Maintrailer“ und 18 Teams für die Flächensuche verfügt der BRK-Kreisverband aktuell, ferner über zwei zur Trümmersuche.

Als Ausrichter von Prüfung ausgeschlossen

Die Staffel war als Ausrichter von der Prüfung am Wochenende ausgeschlossen, womit sichergestellt werden sollte, „dass die Prüfung mit unbekannten Versteckpersonen und unbekannten Prüfungsgeländen durchgeführt“ werden konnte. Damit kamen die meisten teilnehmenden Team mit bestandener Prüfung zurecht, bei der es auch darum ging, „die Erstversorgung zu leisten und die weiteren notwendigen Rettungsmaßnahmen zu veranlassen“. Dass „nebenbei“ die Schornweisacher Ortsburschen ihre Kirchweihfichte aus dem „Übungswald“ holten, beeinträchtigte weder die eine noch die andere Gruppe. Wobei die Burschen nie zuvor in der Kerwatradition so viel professionelle Hilfe für den Fall des Falles in ihrer Nähe gehabt haben dürften. Ausrichter, Prüfer und Teams konnten neben dem reibungslosen Ablauf der bayernweiten „Rettungshundeprüfung Fläche“ fernab vom Festgetriebe auch auf das gastliche Schornweisach anstoßen. 

Harald J. Munzinger

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