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BBV-Agrardebatte: Ernährung braucht Landwirtschaft

Wie sehen Bundestagskandidaten die Zukunft der Betriebe? - 18.09.2017 16:46 Uhr

Bei der BBV-Agrardebatte stellten sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, MdB Uwe Kekeritz, Elke Eder, MdB Carsten Träger und Franz Fleischer (2. bis 5. v. l.) den Fragen zur Zukunft der Landwirtschaft. Eingeladen hatten die BBV-Kreisobmänner Jürgen Dierauff (r.) und Ernst Köninger. © Harald Munzinger


Auf dem Podium gaben Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), die Bundestagsabgeordneten Carsten Träger (SPD) und Uwe Kekeritz (Grüne) sowie Elke Eder (Freie Wähler) und Franz Fleischer (FDP) ihre Statements zur Landwirtschaftspolitik ab und stellten sich - moderiert vom Leiter der Berufsschule Triesdorf, Horst Lochner - den Fragen der praktizierenden Landwirte. Die BBV-Kreisobmänner Jürgen Dierauff (Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) und Peter Köninger sowie die Kreisbäuerinnen Renate Ixmeier und Bettina Hechtel überließen den Kollegen de Diskurs. Lediglich im Fazit staunte Köninger über die "grüne Perspektive" für die Erstwähler. Sollte seine Tochter statt Mais künftig Cannabis anbauen, nachdem dessen Konsum entkriminalisiert werden soll? Kekeritz ignorierte die Kritik an solcher Stimmenwerbung und verhieß schmunzelnd höhere Erlöse.

Agrarminister Schmidt sah den Strukturwandel "abgeschwächt, aber immer noch da", sprach sich gegen große Agrarstrukturen und außerlandwirtschaftliche Investoren sowie die Schwarz-Weiß-Debatte um die ökologische und konventionelle Landwirtschaft aus. Er maß dem Tierwohl besondere Beachtung bei und wollte auf die Generationenfolge, sowie kleine, existenzgefährdete Mittelbetriebe geachtet wissen.

Bei der Förderkulisse die kleinen Bauern im Blick zu haben und bei den Agrarsubventionen jene stärker zu berücksichtigen, die etwas für die Ökologie täten, forderte MdB Carsten Träger ebenso wie die deutliche Stärkung der Regionalvermarktung. Er wolle keine Gentechnik auf dem Teller, erklärte der SPD-Politiker, dass diese bundesweit verboten und auch mehr auf Arten- und Gewässerschutz sowie eine zukunftsorientierte Bodennutzung und die Entwicklung im ländlichen Raum geachtet werden müsse.

Für mehr Nachhaltigkeit

Dass eine Gesellschaft ohne Bauernschaft nicht funktioniere, betonte MdB Uwe Kekeritz mit dem Plädoyer für eine nachhaltige Landwirtschaft und bäuerliche Strukturen sowie gegen die Agrarindustrie und die aktive Exportpolitik. Er forderte neue Wege in einer offenen gesellschaftlichen Diskussion ein, in der sich Grüne und Bauernverband schon annähert hätten. Gleichwohl richtete sich gegen diesen seine Kritik, seine Politik zu wenig auf die kleinen Betriebe ausgerichtet, hier "versagt" und "40 Jahre Fehlentwicklungen" verantworten zu haben.

Elke Eder machte sich für die von den Landfrauen seit langem geforderte Lebens(mittel)kunde im Unterricht stark, sprach diesen das Kompliment für eine sehr gute Arbeit aus. Für sie klafft die Spanne Produzent-Handel zu weit auseinander, weshalb der Verbraucher wieder mehr dafür sensibilisiert werden müsse, den Wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu erkennen. Die Bauern müssten bekommen, was sie verdienten, wozu die Direktvermarktung der beste Weg sei.

Franz Fleischer unterstrich die Notwendigkeit einer modernen, innovativen Land- und Fortwirtschaft, sprach sich für eine flächendeckende Bewirtschaftung und gesunde Nahrungsmittelproduktion sowie gegen die überbordende Bürokratie und politische Entscheidung über die Pflanzenschutz-Zulassung aus. Diese müsse der fachlichen Beurteilung auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse überlassen sein.

Eine breite Themenpalette

Tierschutz, ökologischer Landbau und Betriebsgrößen sollten Themenblöcke sein, die Moderator Lochner zur Diskussion stellte. Dabei kam die übertriebene Regulierungswut, die jegliche Lust und Freude an der Landwirtschaft nehme, ebenso zur Sprache, wie zu unsichere politische Rahmenbedingungen und damit mangelnde Planungssicherheit oder das dringend zu verbessernde Image, dem Umweltministerin Hendrix schweren Schaden zugefügt habe. Die eigenen Stärken wieder mehr darzustellen und die großen Sympathien in der Gesellschaft "proaktiv" zu nutzen, lauteten Ratschläge vom Podium, schließlich könne man auf 78 Prozent Verbrauchervertrauen wahrlich stolz sein. Dieses auch in der täglichen Praxis von Großküchen etwa in Altenheimen mit Regionalprodukten wirksam, werden zu lassen, wurde aus dem Publikum gefordert.

Mit Fakten ehrlich umgehen

In der Politikerrunde sprach man sich für starke, in der Region verwurzelte Betrieb aus, um langfristig die die Lebensgrundlagen zu sichern, verwies auf die sehr hochwertigen und sicheren Lebensmittel, mit denen man sich nicht zu verstecken brauche und auch einen deutlich geringeren Einsatz von Pflanzenschutz, wie vor 20 Jahren, womit Vorwürfe der Bodenausbeutung aus anderen politischen Lagern zurückgewiesen wurden. Dem Hinweis auf ebenfalls weniger Antibiotikaverbrauch wurde die höhere Konzentration der Mittel entgegengehalten und ermahnt, "ehrlich mit Fakten umzugehen". So wollte Kreisobmann Dierauff die Behauptung des Grünen-Politikers Kekeritz nicht im Raum stehen lassen, dass ein Drittel der geschlachteten Schweine weggeworfen werde.

Den mutmaßlich zu vielen Exporten mit einem Volumen von 70 Milliarden Euro, wurden Importe für 80 Milliarden Euro gegenübergestellt. Beim Blick in die Zukunft sollte die bis 2050 auf zehn Milliarden wachsende Weltbevölkerung die zwingende Notwendigkeit der Lebensmittelproduktion und damit eine langfristige Perspektive für die Landwirtschaft deutlichen machen.

"Kein absolutistischer Artenschutz"

Die Sorge, dass der Wolf auch in Westmittelfranken eines Tages die Weidetierhaltung gefährden könne, minderten Schmidt und Fleischer mit der Ansage, ihn bei überhandnehmendem Bestand ins regulierende Jagdrecht aufzunehmen, was der Minister – für den der Wolf "keinen absolutistischen Artschutz" genießt - dann aber schneller geregelt wissen wollte, als beim Kormoran. Würden die Lebensmittel wieder ihren echten Wert bekommen, wären viele Probleme gelöst, war es Konsens auf dem Podium wie im Saal des Gasthauses Wick im Markt Erlbacher Ortsteil Eschenbach.

Da sie zur guten nachhaltigen Ernährung gebraucht werde, blickte Agrarminister Christian Schmidt in "eine gute Zukunft der Landwirtschaft". "Die Ernährung gehört zur Landwirtschaft", sollte von der Diskussionsrunde zur Wahl die Botschaft ausgehen, verbunden mit dem Wunsch "die Wertschöpfung auf Wertschätzung auszuweiten" (Eder) und die "Chancen der Landwirtschaft nicht in überflüssiger Bürokratie zu ersticken" (Fleischer) und weiter jährlich 2000 Betriebe "an die Wand zu fahren" (Kekeritz). 

Harald J. Munzinger

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