Mittwoch, 14.11.2018

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Bilanzzahlen: So steht es um die Kliniken im Landkreis

Mehrerlöse müssen am Jahresende den Krankenkassen zurückgezahlt werden - 14.08.2017 18:09 Uhr

"Die Grundstrukturen und die Stärkungen der tragenden Säulen der beiden Kliniken werden weiter ausgebaut", stimmen Landrat Helmut Weiß und Klinikvorstand Stefan Schilling (r.) überein. © Harald Munzinger


Gemeinsam mit der Bayerischen Krankenhausgesellschaft und der Bayerischen Staatsregierung konnten in den vergangenen Jahren die schlimmsten Auswüchse der übertriebenen Sparvorstellungen der Bundespolitik, beziehungsweise der Krankenkassen, verhindert werden, stellte jetzt Klinikvorstand Stefan Schilling fest.

Trotzdem hätten 42 Prozent aller 363 Krankenhäuser in Bayern das Jahr 2016 mit einem negativen Betriebsergebnis abgeschlossen. Diese Zahlen wären noch drastischer, wenn die Landkreise nicht über den Kreishaushalt als Nothelfer einspringen würden. Mit dem zum 1. Januar 2016 in Kraft getretenen Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) habe sich die Finanzlage der Krankenhäuser nicht wesentlich verbessert. Die wenigen positiven Aspekte, die mit dem Gesetz verbunden seien, würden von den negativen deutlich überlagert.

So wurden nach Auskunft Schillings die letzten Tarifsteigerungen im Personalbereich erneut nicht vollständig ausgeglichen. Die Schere zwischen Kostensteigerungen und Erlössteigerungen gehe wie in den Jahren zuvor immer weiter auseinander. Erschwert werde dies durch den Trend, dass die Patienten immer häufiger die Notfallambulanzen der Krankenhäuser aufsuchten, die daraus gewonnenen Erlöse aber bei weitem nicht kostendeckend seien. Schilling; "Gerade im ländlichen Raum führt dies zu einer weiteren Verschlechterung der Finanzierung der Grundversorgungshäuser".

Im Rahmen der Verwaltungsratssitzung hat der Vorstand der Kliniken des Landkreises Neustadt/Aisch–Bad Windsheim den Jahresabschluss 2016 vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass "die Umstrukturierungen der letzten Jahre greifen, wenn auch mit einer Delle in 2016". "Konnten sich die Klinikverantwortlichen in den Jahren 2014 und 2015 noch über sinkende Verluste freuen, setzte sich dieser positive Trend in 2016 leider nicht fort"so Stefan Schilling. "Dies wesentlich aus zwei Gründen. Die Beendigung einer langjährigen Kooperation mit einem Belegarzt in Bad Windsheim hat zu einem Umsatzrückgang von über 1,2 Millionen Euro geführt". Hierbei gelte es zu erwähnen, dass nahezu alle Abteilungen des Kommunalunternehmens mit positiven Fallzahl- und Umsatzsteigerungen dazu beigetragen hätten, dass ein Großteil der Umsatzverluste aufgefangen worden seien.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt seien die geringen bayernweit festgelegten Steigerungsraten des Klinikbudgets. Habe der Gesetzgeber für die Jahre 2015 und 2016 den Kliniken insgesamt 5,45 Prozent Budgetsteigerung zugestanden, sei es in Bayern auf Grund extremer Patientenzuwächse in den Kliniken lediglich zu einer Erhöhung der Budgets um 2,9 Prozent gekommen; in Euro 1,2 Millionen Euro weniger Budget für die Landkreiskliniken.

2016: Fehlbetrag von 2,861 Euro

Dies, so Schilling, führte dazu, dass selbst die Personalkostensteigerungen in den letzten zwei Jahren nicht zu hundert Prozent gegenfinanziert werden konnten. Das Jahresergebnis des Kommunalunternehmens weist für das Jahr 2016 einen Fehlbetrag in Höhe von 2,861 Millionen Euro aus. Im Geschäftsjahr 2016 wurden rund 16.000 akutstationäre und rehabilitative Patienten behandelt. Durchschnittlich dauerte der Krankenhausaufenthalt bei akutstationären Patienten 5,6 Tage und bei rehabilitativen Patienten 19,6 Tage. Die Auslastung der beiden Kliniken lag bei 75 Prozent.

Ambulant wurden 16.600 Patienten versorgt. Insgesamt erblickten 539 Kinder in der Neustädter Klinik das Licht der Welt. "Auf Grund der bundespolitischen Rahmenbedingungen werden wir in den kommenden Jahren die wirtschaftliche Situation der Kliniken nicht wesentlich verbessern können", so Landrat Helmut Weiß. "Umso wichtiger ist es, dass der Verwaltungsrat an seinen Grundüberlegungen festhält und weiterhin den Fortbestand und den Ausbau der beiden Klinikstandorte vorantreibt. Die Grundstrukturen und die Stärkungen der tragenden Säulen der beiden Kliniken werden weiter ausgebaut", so Weiß. Der Landkreis wird hinsichtlich der Investitionen seiner Verpflichtung nachkommen, und die Baumaßnahmen in Neustadt mit dem Neubau einer Intensivstation und Interdisziplinären Notaufnahmestation sowie der OP-Generalsanierung mit Anbau in Bad Windsheim entsprechend unterstützen.

Maßnahmen für Klinik Neustadt laufen

Die Maßnahme an der Klinik Neustadt ist bereits am Laufen. Für den OP-Bereich in Bad Windsheim hat die Feinabstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie der Regierung von Mittelfranken stattgefunden. Die Klinik erstellt derzeit die notwendigen Antragsunterlagen.

Als äußerst erfreulich bezeichnete der Vorstand ist die Umsatzentwicklung des laufenden Jahres. Mit einem Plus von etwa acht Prozent verzeichneten die Kliniken den höchsten Anstieg überhaupt, erklärte Klinikvorstand Stefan Schilling. Die Freude über diese Patientenzuwächse werde getrübt durch die Tatsache, dass ein nicht unerheblicher Teil dieser Mehrerlöse am Jahresende den Krankenkassen zurückgezahlt werden müsse, und das bei weiter steigenden Kosten. "So verbleiben den Kliniken letztlich von einer Million Euro Umsatzsteigerung voraussichtlich nur 65 Cent. "Diese Ausgleichszahlungen für die erbrachten Mehrleistungen sind vom Gesetzgeber so vorgesehen und verhindern ein wirtschaftlicheres Arbeiten", so Vorstand Stefan Schilling.

Bausteine der Zukunftssicherung

"Die Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes, die wirtschaftliche Situation, aber vor allem der Arbeitsmarkt machen es erforderlich, dass wir den Weg der Konzentration und Zentralisation der Kliniken weiter gehen", betont Schilling . "Mit dem Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZMax) und der Altersmedizin haben wir in Bad Windsheim zwei tragende Säulen. Die bereits vor Jahren beschlossene Konzentration der Notfall- und Intensivversorgung an der Klinik Neustadt a. d. Aisch wird ein weiterer Baustein der Zukunftssicherung unseres Unternehmens sein".

Weiterhin ist Vorstand Schilling bemüht, die beiden Standorte in Richtung Gesundheitscampus auszubauen. Eine Bündelung der Leistungserbringer im Gesundheitswesen wird erforderlich werden, um die flächendeckende Gesundheitsversorgung im Landkreis dauerhaft gewährleisten zu können. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zollte er wie auch Landrat Weiß den höchsten Respekt. Mit viel Engagement und Leidenschaft haben die Mitarbeiter diese Leistungsverdichtung gemeistert. "Ohne diesen unermüdlichen Einsatz für unsere Patienten hätten wir diese Leistung nicht erbringen können", so Schilling.  

nb

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