Freitag, 16.11.2018

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Diespeck: "Teichwirt" ist Kunst und Heim für Bienen

Ambitionierte Imkerin besetzt Figurenbeute neu - 07.06.2018 18:47 Uhr

Die Künstlerin Birgit Jönsson (r.) und die passionierte Imkerin Mirjam Prechtel-Knapp besetzen die Figurenbeute des "Teichwirtes" bei Diespeck sorgsam mit einem neuen Bienenvolk. © Harald Munzinger


Die "Bienenbeuten" – acht aus Jönssons Künstlerwerkstatt im Aischtal mit seinen Ausläufern – ist eines der frühen Projekte der LAG Aischgrund (2009), das viel Beachtung genießt. Einmal, weil es mit bekannten Persönlichkeiten einen besonderen Bezug zur Region schafft. Gleichzeitig aber auch, weil die Figuren zum beliebten Hinguckern wurden, wie es Anne Billenstein vom LAG-Büro feststellte, in den man einen "Bienenbeutenpfad" plant. Und schließlich, weil nach historischem Vorbild Bienen ein Zuhause geboten wird, um deren steten Rückgang man auch in der Region besorgt ist.

Das war auch für die LAG-Aischgrund mit ein Grund gewesen, in ihrem Einzugsbereich eine ganze Serie von "Figurenbeuten" erstellen zu lassen. Die erste war dem Vestenbergsgreuther Gründer des Tee-Imperiums, Martin Bauer, gewidmet. In Uehlfeld schuf Birgit Jönsson eine in der Figur des Pfarrers Veit vom Berg sowie in Lonnerstadt in der eines Hopfenpflückers. Dazu kamen eine "Kräuterfrau" in Vestenbergsgreuth, Markgraf Achilles in Neustadt sowie der typische Teichwirt, der am Ufer der Aisch bei Diespeck seinen Platz finden sollte.

Renaissance einer alten Volkskunst

Aus einem drei Meter hohen Stamm einer hundertjährigen Eiche sägte und schnitzte Birgit Jönsson den kräftigen Teichwirt mit einem kapitalen, weithin leuchtendem goldenen Karpfen auf den Armen. Die Künstlerin sorgte mit den Figurenbeuten nicht nur im Aischtal für die Renaissance einer alten Volkskunst - im 17. und 18. Jahrhundert waren in Osteuropa Bienenbeuten in Form von Heiligen, Bäuerinnen oder Soldaten zum Schutz des Honigs und vor bösen Geistern geschnitzt worden – sondern hat sich mit ihr auch in Europa und Asien einen Namen gemacht. In Europa und Japan stünden heute über 50 ihrer bis zu drei Meter großen Figuren, die nun eher den Bienen Schutz bieten sollen, die in Not geraten sind, lässt die Nürnberger Künstlerin wissen, die mit der Bienenbeute einer "Madonna im Strahlenkranz" auf der Landesgartenschau in Würzburg gerade selbst ihre "liebe Not" hat.

Im Aischtal gilt es immer wieder mal kleinere Schäden im arbeitenden Holz auszubessern, wie kürzlich ein Riss im Markgrafen vor "seiner" Schlosskulisse. Heftig hatte in Diespeck der Specht dem "Teichwirt" zugesetzt, in dem das erste Bienenvolk den Winter nicht überlebt und sich seitdem niemand für die Betreuung gefunden hatte. Der schlug ein Loch ins Holz, das ungebetenen Untermietern Zugang schuf, nach Ameisen und Hornissen zuletzt einer auf dem "Futtertisch" nistenden Blaumeise.

Alles für den Neuanfang gerichtet

Jetzt ist wieder alles – samt neuem "Flugloch" - für das Bienenvolk bereitet, das vom neuen LAG-Vorstandsmitglied Mirjam Prechtel-Knapp, einer passionierten Imkerin aus dem Mittleren Aischgrund, in den Abendstunden eingesetzt wurde. Dabei zeigte Birgit Jönsson, dass sie nicht nur perfekt mit Kettensäge, Axt und Schnitzmesser umzugehen, sondern sich auch auf die Zeidlerei versteht. So wurden sorgsam die Bienen in ihr neues Zuhause "gefegt", die sich zunächst am Eingang festgesetzt hatten. Anne Billenstein beobachtete die beiden Frauen glücklich, dass die "Bienenbeute" wieder besetzt ist, da es "natürlich am schönsten ist, wenn die Figuren bewohnt und von Bienen umschwärmt sind".

Am Infopavillon ganz in der Nähe des Teichwirtes muss man sich dabei ebenso wenig Sorgen machen, wie etwa beim Markgraf Achilles nahe Schule und Kindergarten, da die Bienen äußerst friedlich seien, wie es Imkerin Mirjam Prechtel-Knapp und Künstlerin Birgit Jönsson beteuern. Und so hofft man denn auch, dass sich für Besatz und Betreuung der Bienenbeute am Neustädter Schlossensemble ebenfalls jemand findet. Derzeit sind vier der acht LAG- Kunstfiguren von Bienenvölkern bewohnt, die sie komplett selbst ausstatten. Auch wenn die Bienen in den "Figurenbeuten" sich selbst überlassen bleiben sollten, gilt es nach Auskunft von Mirjam Prechtel-Knapp, Vorsitzende des "Imkervereins Mittlerer Aischgrund", "das Volk im Auge zu behalten", es vor Krankheiten, wie der Varroa, zu schützen oder notfalls im Winter zu füttern, wenn der ihnen überlassene Honig nicht ausreicht.

Dieser Beobachterrolle nimmt sie sich nun beim Diespecker "Teichwirt" an, nachdem sich für andere Beuten eine Vertretung gefunden hat. Mit einer gerade aufblühenden Linde neben der kunstfertig gestalteten "Figurenbeute" ist fürs erste der Tisch für die Bienen gedeckt, auf dem es dann allerdings karg wird. Ein Thema, das die Imker allgemein umtreibt und mit den Landwirten nach Lösungen suchen lässt. 

Harald J. Munzinger

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