14°

Freitag, 21.09.2018

|

"Drachenlord"-Demo: Behörden mit Anwohnern im Gespräch

Die Bewohner von Altschauerberg distanzieren sich von den Geschehnissen - 24.08.2018 12:45 Uhr

Wenige Tage zuvor wurde der beschauliche Ort von Demonstranten überrannt. © ToMa/Grau


Die von Landrat Weiß moderierte Veranstaltung stand unter den Ereignissen anfangs dieser Woche, bei denen 600 bis 800 Personen den mittelfränkischen Ortsteil der Marktgemeinde Emskirchen aufgesucht hatten. Anlass des Menschenauflaufs waren diverse Aufrufe im Internet und aus der YouTube-Szene, sich zu einem "Schanzenfest" vor dem Anwesen des im Internet seit mehreren Jahren agierenden "Drachenlords" einzufinden.

Besonderer Dank galt an diesem Abend dem umsichtigen Verhalten der Bürgerschaft, und dem Engagement der eingesetzten Kräfte von Polizei und Feuerwehr. Landrat Weiß: "Ich fühle mich in unserem Handeln bestätigt und bin zugleich auch erleichtert, dass das Bayerische Verwaltungsgericht Ansbach das mittels Allgemeinverfügung ausgesprochene, mehrtägige Versammlungsverbot des Landratsamtes Neustadt/Aisch-Bad Windsheim bestätigt hat."

Alle Beteiligten waren sich einig, dass Cybermobbing, wie die Hetze und Verbreitung von falschen Tatsachen im Internet noch intensiver von den Strafbehörden verfolgt und geahndet werden müssten. Dabei müsse noch ein stärkeres Augenmerk auch auf das Umfeld und die Geschehnisse, insbesondere aber auch auf die eigentlichen Opfer, in diesem Fall die Anwohner, gelegt werden. Bürgermeister Kempe erklärte: "Wir müssen uns noch intensiver auf die gesellschaftlichen Veränderungen, die die weltweite Digitalisierung insbesondere für eine ländliche Region wie Emskirchen mit sich bringt, einstellen. Dabei ist der Gesetzgeber aufgefordert, die bestehenden gesetzlichen Regelungen an diese Entwicklung möglichst schnell und zielgerichtet anzupassen".

Bilderstrecke zum Thema

"Drachenlord"-Demo bei Emskirchen: Polizei im Großeinsatz

Der "Drachenlord" hat Altschauerberg im Griff. Hunderte versammelten sich zu einer Hass-Demo in dem kleinen Örtchen, trotz eines Verbotes des Landratsamtes. Die Polizei riegelte das Dorf ab, auch um Anwohner zu schützen.


Bei der Nachbetrachtung des Polizeieinsatzes und der sich anschließenden regen Diskussion konnten die Anwohner alle ihre Sorgen und Ängste, aber auch ihre Beobachtungen und Gedanken in aller Ruhe und unter der Aufmerksamkeit der Fachleute vortragen. Mit Sorge wurde auch die große Anzahl der Schaulustigen und Gaffer bewertet, die sich offensichtlich unter die eigentliche Internet-Community gemischt haben. Aus den Reihen der Gesprächsteilnehmer wurde immer wieder festgestellt, dass sich dieser Aufmarsch nicht mehr wiederholen darf und sich "Altschauerberg in aller Deutlichkeit von diesen Umtrieben distanziert".


"Drachenlord" zeigt die hässliche Parallelwelt des Internets


Die Behörden werden an der Vorgehensweise festhalten und weiterhin konsequent gegen vermeintliche Störer, aber auch gegenüber Gaffern vorgehen. Hierfür sollen in den nächsten Wochen unter Einbindung der übergeordneten Behörden - unter anderem das Bayerische Innenministerium - noch in Frage kommende Möglichkeiten, die das Sicherheitsrecht in Bayern bietet, geprüft und eingesetzt werden. Darüber hinaus werden nach Mitteilung aus dem Landratsamt "alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft, die zu einer Befriedigung der Gesamtsituation mittel- bis langfristig beitragen können".

In den nächsten Wochen werde es hierzu weitere interne Treffen von Vertretern der Marktgemeinde (örtliche Sicherheitsbehörde), des Landratsamtes (Versammlungsbehörde) und der Polizei geben. Dabei sollen weiterhin die Anwohner in die Überlegungen und bei der Umsetzung künftiger Maßnahmen eingebunden werden. 

nb

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Emskirchen