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Erstes Museum der Siebenerei in Neustadt

Neben dem Karpfenmuseum entsteht ein weiterer Besuchermagnet - 30.04.2015 16:54 Uhr

Silvia Pertschi hat das Konzept für den neuen Museumstrakt entwickelt, in dem das "Markgrafenzimmer" ein besonderes Schmuckstück sein wird. © Harald Munzinger


Angesichts der überörtlichen Bedeutung der Dokumentation des Siebeneramtes, das seinen Ursprung in fränkischen Dorfgerichten hat und im 13. Jahrhundert in Franken entstanden ist, wird die Einrichtung des “Siebenermuseums” im Alten Markgrafenschloss vom Landkreis mit 3.500 Euro gefördert. Wie beim Karpfenmuseum werden fünf Prozent des Kostenanteils des Heimatvereins für den Bereich Siebenerei im “neuen” Museumstrakt gewährt, der sich auf rund 70.000 Euro beläuft. Vom Bezirk sind 7.500 Euro zusagt, eine stattliche Förderung erfährt man über die LAG Aischgrund aus dem europäischen Leader-Programm.

Im Rathaus freut man sich, dass die Generalsanierung des “Alten Markgrafenschlosses” nach vielen Jahren kurz vor dem  Abschluss steht. Er glaube, so Bürgermeister Klaus Meier, dass “diese historisch sehr bedeutsamen Gemäuer mit dem neuen Markgrafen- und Siebenermuseum eine sehr sinnvolle Nutzung erfahren werden”.

"Es wird ein ruhiges Museum"

Konzipiert hat diese die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Geschichts- und Heimatverein, Silvia Pertschi. “Es wird ein ruhiges Museum mit spannenden Informationen“, kündigt sie an. Und spannend ist es gegenwärtig auch noch, was eine Restauratorin freilegt: Millimeterweise kommen unter den “jüngeren Farbschichten” gemalte Medaillons zum Vorschein, die vor allem das “Markgrafenzimmer” zieren werden.

Für die Museumspädagogik, Sonderveranstaltungen oder Ausstellungen steht nun ein großer Raum zur Verfügung. © Harald Munzinger


Sie dürften aus dem 18. Jahrhundert stammen, vermutlich aus der Zeit des Markgrafen Friedrich (Ehemann der Wilhelmine von Bayreuth), vielleicht aber auch schon früher, was noch zu erforschen ist. Die Markgrafen residierten im Neuen Schloss, das Alte diente wohl als Kanzleigebäude. Leider gebe es keinerlei Dokumente zur Baugeschichte, so Pertschi, die immer noch darauf hofft, “etwas zu finden”.

Alte Exponate und neue Technik

Im ersten Ausstellungsraum, den der Besucher betreten wird, werden die Hohenzollern - Burg- und Markgrafen sowie Kurfürsten - und die von ihnen begleiteten Reichsämter ebenso dokumentiert sein, wie das Territorium Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, zu dem Neustadt mit dem Unterland gehörte. Stammtafel und Wappen werden ausgestellt und den Besuchern viele Sitzgelegenheiten gegeben sein, um mit Tablets das Thema vertiefen zu können, so Silvia Pertschi.

Im “Markgrafenzimmer“ in der “Bastion” wird mit dem Stadtmodell die Stadtgeschichte vermittelt, über die Stadtbefestigung sowie über alle Institutionen der Kommune von der Wirtschaft über die Schule und Kirche bis zum  Handwerk informiert. Auch da wird man sich in die Fensternischen setzen und alles Wissenswerte erfahren können. Stadtkasse und Stadtsiegel werden unter den Dokumenten der Stadtgeschichte zu finden sein.

Von den Markgrafen unterstützt

Besondere Bedeutung genießt die “Siebenerei” im neuen Museumstrakt, gut passend zu den Markgrafen, da diese das Ehrenamt der Feldgeschworenen sehr unterstützt hatten, wovon im Fundus des Geschichts- und Heimatvereins zahlreiche von den Markgrafen unterzeichnete Urkunden zeugen. Die Siebener spielten in der Verwaltung des Markgrafentums eine wichtige Rolle, da sie die Grenzen sicherten und zunächst auch die Gerichtsbarkeit innehatten.

Millimeter für Mllimeter entlockt eine Restauratorin unter Farbschichten mit Wandmalereien dem Alten Markgrafenschloss Geheimnisse. © Harald Munzinger


Die Ausstellung werde das Siebeneramt über Jahrhunderte hinweg bis hin zur heutigen Zusammenarbeit mit dem Vermessungsamt dokumentieren, so Silvia Pertschi. Man sei von den Siebenern in der Region großartig unterstützt worden, könne so Grenzsteine vom 16. Jahrhundert bis heute und Karten zeigen, in denen die Steine eingezeichnet seien. Die Karten seien meist im Zusammenhang mit Streitigkeiten gefertigt worden.

Siebenertruhen, in denen ähnlich der Zunfttruhen wichtige Dokumente aufbewahrt worden waren sowie Brauchtum Gerätschaften und Längenmaße werden ausgestellt sein, die Siebenerei an zwei Videostationen vor einer langen Sitzbank “ganz gut veranschaulicht”  werden.

Museumspädagogik angeboten

Neu im Museumskonzept ist auch das Thema Museumspädagogik. Sie wird im Obergeschoss des Schlosstraktes stattfinden, der nun im letzten Baubschnitt abwendig saniert wurde. Ein großer Raum ist nach Schilderung von Silvia Pertschi für Sonderveranstaltungen und Ausstellungen vielseitig nutzbar sein. Konzerte oder Lesungen kann sie sich im Raum über dem “Markgrafenzimmer” vorstellen, in dem ein Medaillon mit einer "Schäferszene" freigelegt worden ist.

"Medaillon" eines Schäferstündchens. © Harald Munzinger


Für die Museumspädagogik im Zusammenwirken mit den Schulen werden zwei versierte Kräfte zur Verfügung stehen, die mit einer Wappenwerkstatt sowie allem Wissenswerten um die Längenmaße beginnen werden. Für die von der Landesregierung gewünschte Museumspädagogik erhofft sich die Vorsitzende des Geschichts- und Heimatvereins, Carola Kabelitz, ebenfalls noch eine Unterstützung des Landkreises zur Finanzierung der Rahmenbedingungen.
Prüfung dauerte sieben Jahre

Vielleicht überrascht sie ja auch Heimatminister Söder bei der Eröffnung mit einem Umschlag, womit eine zeitnahe Förderung erfolgen würde. Schmunzelnd verkündete Bürgermeister Klaus Meier dem Stadtrat, dass nun der Verwendungsnachweis zum Kulturbewilligungsbescheid vom 30. September 2008 (!) durch die Regierung von Mittelfranken ohne Beanstandungen geprüft sei. Damit kann die Staatsoberkasse die Restrate von 28.600 Euro auszahlen. Der Gesamtzuschuss betrug 143.000 Euro.

Künftig im Dienst der Stadt steht auch Silvia Pertschi für die neuen Aufgaben im nun bald kompletten Museum zur Verfügung, für das noch ein attraktiver Name gesucht wird. In einem Seitentrakt wird unter dem Dach ein “Schaudepot” eingerichtet, das zu einem Spaziergang durch die Geschichte Neustadts und seines Umlandes einlädt. Die im Museum vom Geschichts- und Heimatverein geleistete “hervorragende Arbeit” genieße höchste Anerkennung, würdigte Bürgermeister das ehrenamtliche Engagement. Das wird im erweiterten “Kulturareal Altes Schloss” noch mehr gefordert sein. 

Harald Munzinger

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