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Flüchtlingshilfe in Neustadt kämpft gegen Windmühlen

Ehrenämtler sprechen bei Treffen über Arbeit und Hindernisse - 20.06.2018 19:02 Uhr

Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit trafen sich zum Erfahrungsaustausch. © Schell


Das Freiwilligenzentrum "mach mit" hat es sich vom ersten Tag der Flüchtlingswelle an zur Aufgabe gemacht, Ehrenamtliche im in diesem zu begleiten, qualifizieren und fördern. Gerade der Flüchtlingsbereich ist sensibel und braucht intensive Begleitung. Anke Schug, Integrationslotsin im Landkreis und Stefanie Schell, Projektverantwortliche für "Menschen stärken Menschen" und hauptamtliche Flüchtlings- und Integrationsberaterin der Caritas haben alle Helfer aus der Flüchtlingshilfe zu einem offenen Austauschtreffen eingeladen. Es wurde diskutiert, analysiert "und es ging – verständlich bei diesem brisanten Thema – zeitweise sehr hitzig zu".

Nach dem sich der Bildungskoordinator für den Landkreis, Kai Empacher, vorgestellt hatte, durfte er gleich die ersten Fragen beantworten: Wie ist es möglich, Kinder von Geflüchteten einzuschulen, die nie einen Kindergarten besucht haben, da sie keinen Platz bekommen haben? Was kann man tun? Die Kinder kommen im Alter von sechs Jahren in die Schule, unvorbereitet und mit keinerlei Deutschkenntnissen.

Die Ehrenamtlichen berichteten von Kindern, die sich trotz der schlechten Ausgangslage sehr schnell eingelebt und das Klassenziel erreicht haben. Der Großteil der Kinder tue sich aber schwer. Dies treffe einheimische wie ausländische Kinder gleichermaßen. Der Lern- und Förderbedarf sei unterschiedlich, unabhängig von der Herkunft. Am Ende gab es den gemeinsamen Wunsch, sich an die übergeordneten Stellen zu wenden, "welche unrealistische Deutsch-Einstiegstests am Schreibtisch zaubern, ohne sich ein Bild von der Realität gemacht zu haben".

Wachsende Unsicherheit bei Helfern

Die Ehrenamtlichen wurden von den Verantwortlichen des Treffens aufgefordert, sich auf einer in der Mitte liegenden Landkarte zu positionieren. Von "Abtauchen", "über Stock und Stein" bis hin zur "sonnigen Lichtung". Jeder durfte sich ein Plätzchen suchen, auf dem er sich mit seiner Arbeit mit den Geflüchteten gerade sieht. Es waren auch Orte wie "Abgrund", "Abstieg" oder "Jammertal" eingezeichnet – für jede Situation gab es das passende Bild. Die meisten Ehrenamtlichen sahen sich bei "über Stock und Stein", "sonnige Lichtung", "Weggabelung" und "Pilgerweg". Das spiegelte die Unsicherheit wieder, weil sich die Gegebenheiten zunehmend verändern und der Weg zum Ziel Integration für die Ehrenamtlichen und die Geflüchteten oft steinig ist, resümierte Anke Schug.

Zum Glück habe sich dennoch vieles verbessert und so fänden immer mehr Geflüchtete mit engagierter Hilfe von Ehrenamtlichen ihren Platz in der Gesellschaft. Im Umgang miteinander, beim Verständnis füreinander und beim Thema Integration ganz allgemein liege aber noch immer sehr viel Arbeit allen Beteiligten. Vermisst wurde auf der Landkarte "die Windmühle". Denn aktuelle politische Entwicklungen erschwerten die wertvolle, unentgeltliche Arbeit und fühlten sich für einige Teilnehmer an, wie der berühmte Kampf gegen die Windmühlen.

Brisante Probleme von Flüchtlingen sind weiterhin die Wohnungssuche und der Umgang mit den eigenen vier Wänden. Anke Schug will hier durch eine Mieterqualifizierung dazu beitragen, dass Geflüchtete lernen, was sie in Bezug auf Mülltrennung, Heizkosten sparen und weitere Themen rund um die Wohnungssuche und den Wohnungserhalt beachten müssen.

Für unabdingbar halten es die Ehrenamtlichen, bei allen rechtlichen Fragen die Fachkräfte der Flüchtlings- und Integrationsberatung der Caritas und der Diakonie hinzuzuziehen. Die Mitarbeiter sind entsprechend ausgebildet und haben einen professionellen Blick auf die Problemlagen der Geflüchteten. Auch haben sie engen Kontakt zu übergeordneten Netzwerken und Fachstellen.

Ein Ergebnis des Treffens ist, dass der "Unterstützerkreis Asyl" Neustadt/Aisch seinen 14-tägigen Stammtisch wieder aufleben lassen wird. Dieser wird offen sein, auch für andere Helferkreise und für ehrenamtliche Einzelkämpfer aus der Flüchtlingsarbeit. Ein weiteres großes Austauschtreffen ist für den Herbst geplant, "da der Bedarf an Austausch nicht weniger werden wird". 

nb

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