Mittwoch, 21.11.2018

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Große Namen auf kleiner Bühne in Münchsteinach

Heiterer Auftakt der Kulturreihe mit Bernd Händel - 14.01.2018 13:47 Uhr

Die Größen aus Politik, Sport oder Kultur auf die kleine Münchsteinacher Bühne zu zaubern, schaffte Bernd Händel im "Stimmumdrehen". © Harald Munzinger


Die Lesung aus seinem Buch "Faschingskind – Nicht nur närrische Zeiten" gestaltete Händel als Zeitreise durch sein Leben und das humoristische Franken in einer gelungenen Mischung von Vita und Vitalität im permanenten Rollenwechsel. Bei dem konnte der Meister der Parodie auf den großen Requisitenkoffer verzichten, da er es alleine mit deren Stimme versteht, die Prominenz aus vielfältigen Bereichen reihenweise im Saal der Münchsteinacher Kulturscheune "aufmarschieren" zu lassen. 

 Angefangen von dem einstigen Star auf Frankens Bühne, Herbert Hisel, bis zu "Otti" in seinem Schlachthof, von den legendären "Zwei Peterlesboum", mit denen er närrisch infiziert buchstäblich aufwuchs – einer davon war sein Vater – bis zu Talkrunden mit großen Politikern oder dem Sportreport. All den unsichtbar präsenten Stargästen gab Händel nicht nur ihre prägende Aussprache, sondern legte ihnen stets auch die Pointen auf die Stimmbänder, die für schallendes Lachen in den "alten Mauern" sorgten, die sich zum Glück nicht wie die Besucher in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saal bogen. 

Lediglich bei der Kulturfigur des Mafiosi "Silvester Capone" greift Händel zu Requisiten. Hut, Sonnenbrille und Pistole genügen. © Harald Munzinger


Der Sitzungspräsident der "Fastnacht in Franken" (im närrischen 11. Jahr) hatte solche Zugkraft, dass auch zwei Gastspiele in Folge in Münchsteinach ausverkauft gewesen wären, wie sich der Kulturkreis freute, dem der erste Applaus des Abends galt. Dr. Erich Zimmermann dankte der großen ehrenamtlichen Helferschar, die im sechsten Jahr hinter dem Bemühen steht, Kultur auch auf dem Land zu bieten und damit Freude zu bereiten. Drei der 15 Veranstaltungen 2018 werden von dem Kulturkreis arrangiert, der in der Region auch für seine Gastlichkeit geschätzt ist. 

Bernd Händel spannte den Bogen des "Faschingskindes" vom Kindesalter bis Veitshöchheim und amüsierte mit allerlei Episoden, wie den Schülerscherzen, bei denen er zum Leidwesen der Lehrer schon die ersten eigenen Erfahrungen mit seinem parodistischen Talent gemacht hatte. Zwischen den Lesepassagen aus seiner Biografie "illustrierte" er die Lebensabschnitte mit humorvollen Erzählungen und Liedern, mit denen er das Erbe der "Peterlesboum" pflegt, Aktuelles aus der kleinen wie großen Welt und Allzumenschliches in modernen Melodien und dabei zugleich den "allerschönsten Dialekt" zu besingen; "jo wergli", wie es Herbert Hisel kommentieren würde. 

Schröder, Stoiber Löw und Co 

Abstecher vom Fränkischen erfolgen nahtlos, wenn Altkanzler Schröder mit trockenem Lachen und Norbert Blüm, Strauß oder Stoiber, Franz Beckenbauer, Bundestrainer Löw oder Michael A. Roth zu Wort kommen, in die "Bonner Runde" oder zum Sportreport ins Stadion "geschaltet" wird. In der Runde um die schlichte Bühne mit zwei Luftschlangen kullern dabei Lachtränen, halten sich Zuschauer die Bäuche in der Gewissheit des Muskelkaters im Zwerchfell. 

Das strapaziert Bernd Händel schließlich in der Glanzrolle des Mafiosi "Silvester Capone", der aus der Idee geboren worden war, für einen befreundeten Bauchredner eine neue Figur zu entwickeln. Mit Gangsterhut, Sonnenbrille und "Knarre im Anschlag" sollte aber nicht die Puppe Karriere machen, sondern Händel "aus dem Bauch raus" die Pointen abschießen, ein Feuerwerk parodistischer Kunst zu zünden. 

Nach diesem entließ das Publikum den versierten Moderator und Kabarettisten sowie brillanten Stimmenimitator nicht ohne Zugabe – aus Ottis Schlachthof mit Gerhard Polt oder Michael Mittermeier - von der Bühne und Autogramme in seinem Buch aus der Kulturscheune. In diese hatte ihn Heinz Haffki begleitet, der ebenfalls seien Karriere auf der Faschingsbühne begonnen hatte – 50 Jahre bei der Neustädter Geißbock Gesellschaft – und ebenso wie Bernd Händel als Entertainer erfolgreich unterwegs ist, 

Harald J. Munzinger

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