Donnerstag, 15.11.2018

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Großer Festakt: 700 Jahre Stadtrecht in Neustadt

Sonderstellung im Burggrafentum - Interessante Einblicke in Geschichte - 11.09.2018 07:22 Uhr

Dr. Wolfgang Mück bezeichnete die Stadtrechtsurkunde als "vielsagendstes Dokument im Burggrafentum". © Harald Munzinger


Die dafür am 20. September 1318 von Burggraf Friedrich IV. und der Burggräfin von Nürnberg, Margaretha von Kärnten, ausgestellte und in der Geschichte Neustadts bedeutendste Urkunde, war nun Anlass für das Festakt zu 700 Jahren Stadtrechte. Dass er in die "NeuStadtHalle am Schloss" verlegt wurde, erwies sich als guter Entschluss, hätte doch die Gästezahl den historischen Rahmen der Rathaus-Ehrenhalle gesprengt. Mochten einst Fanfaren den bedeutsamen Akt für die "Neue Stadt an der Aisch" verkündet haben, besorgte nun das Saxophonquartett der Musikschule im Landkreis die festlichen Klänge um den Willkommensgruß an die Honoratioren von Bund, Land und Kommune sowie die an der Historie von "Niwen Stat bei Aysch" interessierten Bürger.

Ihnen entboten der Erste Bürgermeister Klaus Meier, der im Frühjahr das historisch so bedeutsame Datum aus einem NN-Online-Artikel aufgegriffen hatte, und stellvertretender Landrat Bernd Schnizlein. Beide würdigten die Forschungsarbeit des ehemaligen Neustädter Bürgermeisters Dr. Wolfang Mück, der mit akribischen Recherchen in verschiedenen Archiven und anderen Quellen immer wieder neue Aspekte für seinen Heimatort und stets "bis ins kleinste Detail" interessante Einblicke in dessen Geschichte aufdecke. Dass Stadtluft frei mache, war es das Motto des Abends zur Würdigung von "700 Jahre Bürgerliche Freyheit der Statt", wie Dr. Mück auch eine eigens dafür verfasste Denkschrift titelte. Der amtierende Landrat Schnizlein griff dies mit Bezug auf die aktuellen Ereignisse in Sachsen besorgt um die bürgerliche Freiheit auf. Den Anfängen zu wehren, rief er auf und sah dazu an den Wahlurnen die beste Möglichkeit.

Festakt beschloss bedeutsamen Tag

Der Festakt sollte den Abschluss eines mit Stadtführungen, Museumsbesuchen und Besichtigungen etwa der Kirchenbibliothek ausgefüllten "Tages des offenen Denkmals" bilden. Der Historiker Dr. Mück holte dabei weit aus, um Entwicklungen und Zusammenhänge zu vermitteln, ging bis zu den Wurzeln des Königshofes mit der ersten Nennung von Riedfeld um 741/42 zurück. Er zeigte detailliert herrschaftliche Erbfolgen auf, in denen auch der "Riedfelder Besitz" eine Rolle spielte und machte nach der ersten Nennung Neustadts 1285 eine lange dauernde dunkle Phase der Stadtgeschichte aus, in der ein exaktes Datum fehle, wann die Stadt südlich der Aisch entstanden war. Mück schilderte das Streben der zollerschen Burggrafen, sich ein eigenes Territorium in Franken aufzubauen, die Burggrafschaft auf das Land auszudehnen. Die Entwicklung Riedfelds als strategisch und wirtschaftliche bedeutsamer Marktort fand er in mehreren Urkunden dokumentiert, Neustadt als von Palisaden umgebenen Marktort beschrieben. Als 1318 Neustadt als erster Stadt im Burggrafentum die Stadtrechte mit der Privilegisierung ihrer Bürger verliehen worden seien, habe es gegolten entsprechende Strukturen aufzubauen.

Kern der effizienten Landesorganisation

"In Neustadt wurden also die ersten Schritte unternommen, dem eklatanten Mangel einer effizienten Landesorganisation im Gebiet der zollerschen Herrschaft zu beheben", führte der Historiker aus, der auch aus örtlichen Schnizzer-Quellen schöpfte und auf die neue Transkription mit vielen bereinigten Ungenauigkeiten durch Dr. Peter Pfeiffer verwies. Im Verlag Ph, C. W. Schmidt erschienen, ist die neue Dokumentation zu 700 Jahre Stadtrechte unter anderem mit den Siegeln des Burggrafen und der Burggräfin von Nürnberg illustriert.

Vielsagendstes Dokument im Burggrafentum

Dass der Urkundentext in deutscher Sprache und nicht im sonst üblichen Latein verfasst sei, entspreche einer Entwicklung, die ab 1290 mit allmählich steigender Tendenz eingesetzt habe, so Mück. Der Urkundentext hätte auf die buchstäbliche Kuhhaut, in Neustadt trefflicher auf ein Ziegenfell gepasst. Die Stadtrechtsurkunde gelte "unter den tradierten Originalstücken der Burggrafen von Nürnberg, dem Inhalt nach als das vielsagendste Dokument", so der Historiker, der mit diesem "den vorläufigen Abschluss eines langwierigen über viele Stationen verlaufenden Entwicklungsprozess" verbindet. In der Folge waren in einem "Freyheytsbrief" 1345 erstmals Schöffen, ein Innerer und Äußerer Rat, Bürgermeister und Zinsmeister sowie andere städtische Amtsinhaber genannt worden.

Stetig wachsende Bedeutung

Auf die wachsende Bedeutung verwies Dr. Wolfgang Mück mit der steigenden Zahl urkundlich belegter Aufenthalte der Burggrafen, der Bestimmung Neustadts als einen der vier Tagungsorte des fränkischen Landfriedens sowie schließlich Festlegung als Sitz des Kaiserlichen Landgerichts oder dem Münzrecht. Den Geschichtsexkurs, bei dem er den Verlust der Stadtrechtsurkunden in Kriegswirren beklagte, beschloss der ehemalige Gymnasiallehrer und Bürgermeister mit der Neustadts Blütezeit in der Regentschaft von Markgraf Albrecht Achilles sowie den beiden anschließenden Jahrzehnten, in denen Witwe Anna Neustadts Entwicklung nachhaltig prägte.

Bei einem Empfang tauschten sich die Gäste angeregt über die Geschichte Neustadts aus, das nicht nur als erste Stadt das Stadtrecht erhalten hatte, sondern auch als erste Kommune das Wappen der Burggrafen als Siegel und späteres Stadtwappen führen durfte und Neustadts oberster burggräflicher Verwalter als einziger im Burggrafentum einen besonderen Titel tragen durfte, wie Dr. Mück gleich mehrere Anlässe gab, stolz auf das "Nywen Stat bei der Aysch" das Glas zu erheben. 

Harald J. Munzinger E-Mail

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