Mittwoch, 21.11.2018

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Hilfe für Flüchtlinge: Herold für "Stichtagsregelung"

Geflüchteten soll in Einzelfällen Arbeit ermöglicht werden - 05.09.2018 19:45 Uhr

MdL Hans Herold tauschte sich mit stellvertretendem Kreishandwerksmeister Georg Hegendörfer und Köstner-Personalchef Gero Gembruch (v. r.) über die berufliche Integration von Geflüchteten aus. © Harald Munzinger


In erster Linie fordert er "schnellstens ein Gesetz für die qualifizierte Einwanderung". Dass sich mit der Beschäftigung und Ausbildung Geflüchteter der gravierende Facharbeitermangel beheben lasse, wird in Industrie und Handwerk bezweifelt. Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Georg Hegendörfer sowie Personalchef Gero Gembruch von dem Unternehmen Köstner stimmten darin überein, dass zwar die berufliche Integration wünschenswert sei und im Einzelfall erfolgreich sein könne, doch fehlten gerade im Handwerk vielfach schon die Fachkräfte zur Anleitung von zweifellos auch benötigten Helfern.

Konnte Gembruch in einer von MdL Herold einberufenen kleinen Gesprächsrunde zufrieden feststellen, dass alle Ausbildungsstellen besetzt werden konnten, mochte Hegendörfer davon nur träumen. Insbesondere bei den Bauberufen – von der Einbildungsgesellschaft gerne als schmutzige Berufe bezeichnet – herrsche ein akuter Nachwuchsmangel. So dürfe man sich nicht wundern, dass auf manchen Baustellen unter osteuropäischen Kräften vielleicht nur noch der Vorarbeiter Deutsch spreche. Gero Gembruch stellte auch im industriellen Bereich wenig Neigung zu handwerksähnlichen Berufen fest.

Verschiedene Ausbildungsstandards

Der stellvertretende Kreishandwerksmeister machte deutlich, dass ihm mit jungen Geflüchteten auch dann nicht geholfen sei, wenn sie sich um die deutsche Sprache bemühten. Eine in ihrer Heimat erfahrene Ausbildung genüge in der Regel den hiesigen Anforderungen nicht. Die Sprache alleine sei nicht das Problem. Das Handwerk brauche dringend Fachkräfte, war sein Hilferuf an die Politik gerichtet, die zu lange die Augen vor dieser absehbaren Entwicklung verschlossen habe.

Dass Ausnahmen die Regel bestätigen, machte ein von Gero Gembruch geschildertes Beispiel eines Syrers deutlich, den die Firma Köstner knapp drei Jahre als Helfer beschäftigt und für seine Sprachförderung gesorgt und ihn jetzt einen Ausbildungsplatz gegeben habe. Oder der Fall eines Iraners, der in einem Unternehmen bestens integriert und seine Leistung so geschätzt war, dass ihm eine Leitungsrolle übertragen werden sollte. Wenn ihm das Landratsamt nicht die weitere Beschäftigung versagt hätte, was der Landrat mit den "rechtsstaatlichen Prinzipien" begründete, die ihm "keinen Ermessensspielraum gelassen" hätten.

Kein Einzelfall, aber einer der öffentlich für heftigen Wirbel sorgen und MdL Herold eine "Stichtagsregelung" für gut integrierte Geflüchtete ins Spiel bringen lassen sollte, die einen festen Arbeitsplatz und Wohnort hätten, selbst für ihren Unterhalt sorgen könnten und nicht straffällig geworden seien. Unter hochrangigen Unionspolitikern weiß er Landtagspräsidentin Barbara Stamm für "Einzelfallentscheidungen ohne Signalwirkung bei besonderen Integrationsleistungen" an seiner Seite und lässt den Iraner wie auch seinen Arbeitgeber hoffen, dass für sie die Welt bald wieder in Ordnung ist.

Unternehmern fehlt langfristige Sicherheit

Dass dies mit der "3+2 (Bundes)Regelung" – also drei Ausbildung und zwei Jahre Beschäftigung – auch für die Arbeitswelt allgemein zutreffen sollte, versehen Handwerk wie Industrie mit großen Fragezeichen. Schließlich fehle eine langfristige Sicherheit bei sehr hohen Investitionen in Aus- und Zusatzbildung. Die leiste man sicher nicht, wenn dem Mitarbeiter dann die Abschiebung drohe. Gero Gembruch beklagte zudem, dass nicht frühzeitig die Qualifikationen von Geflüchteten erfasst würden, was es Unternehmen erleichtern würde, nach ihrem Bedarf Kräfte auszuwählen. Vielfach komme man an diese nur durch Vermittlung von ehrenamtlichen Helferkreisen. Mit Arbeitsagentur und Jobcenter arbeite man gleichwohl hier sehr gut zusammen. Und auch die verschiedenen Förderprogramme wurden gewürdigt.

Das Thema Qualifikation ist auch beim (Fachkräfte-)Zuwanderungsgesetz nach Einschätzung in der hiesigen Berufswelt nicht gelöst. Wer denn diese feststelle, treibt die Frage bei gravierend unterschiedlichen Standards um. Der stellvertretende Kreishandwerksmeister mahnte die Politik eindringlich, die Integration der jetzt hier lebenden Geflüchteten zu bewältigen, ehe die große Flüchtlingswelle aus Afrika unweigerlich auf Europa zurollt. 

Harald J. Munzinger

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