Mittwoch, 14.11.2018

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"Hutewald" und Aufforstung bei Emskirchen bestaunt

Höchste Esskastanie Bayern - 09.09.2018 12:14 Uhr

Die Nummer 11 markiert die höchste Esskastanie in Bayern, an der Förster Gernot Käßer und Hans Hermann Nöhring (vorne links) die Gästegruppe aus Unterfranken über Neuaufforstungen informierten. © Harald Munzinger


Den Auftakt machte der 1,5 Hektar große Hutewald, über den Förster Gernot Käßer und Hans Herrmann Nöhring aus der kleinen Betreibergesellschaft berichteten, die vor fünf Jahren damit begonnen hatte, in dem umzäunten Naturraum jährlich 15 bis 20 Schweine aufwachsen zu lassen, denen die "Eichelmast" einen Teil ihrer Ernährung bot. Dazu kommt eine Schrotmischung mit dem von Karl Schönleben in Elgersdorf angebauten Soja, also "regionales konventionelles Futter", das jetzt Äpfel als beliebtes "Dessert" ergänzen.

Zum Schwäbisch-Hällischen Schwein kommen "Wollschweine" aus dem Fränkischen Freilandmuseum, wo sie am "Tag der Genüsse" als besondere Spezialität gelten. Bei der "Schweinekerwa" am Hutewald ist das "ganz andere Fleisch in unübertroffener Qualität" der im Wald aufgewachsenen Schweine ebenso beliebt, wie beim jährlichen Schlachtfest auf dem Neustädter Marktplatz. Vom "weißen Gold" schwärmte Förster Käßer beim Speck. Jedes Mitglied der kleinen Hutewaldgemeinschaft bekommt eines der Schweine, nach denen es eine lange Liste von Anfragen gibt. Doch ein dichterer Besatz kommt für Käßer, Nöhring in die Kollegen nicht in Frage, denen das Tierwohl auch ohne besonderes Label am Herzen liegt.

"Symbiotische Bewirtschaftung"

Dem dient nun auch das gelungene Experiment der "Nutztier-Symbiose" von Schweinen und Hühnern. Von deren eher zufälligem Anfang mit zwei verwaisten Gockeln berichteten Hans Hermann Nöhring und Gernot Käßer der großen Gästegruppe, die das harmonische Miteinander von Borsten- und Federvieh beobachten konnten und über die"symbiotische Bewirtschaftung" informiert wurde. Die Schweine erleichtern den Hühnern überwiegend alter Rassen im aufgewühlten Boden die Suche nach Würmern und die bieten mit ihrem Kot den Schweinen beliebte Zusatznahrung. Die bedanken sich wiederum als Leibwächter der Hühner und stolzen Hähne gegen Füchse oder Marder.

Die Bilder sprachen im Hutewald für sich und die "symbiotische Nutztierhaltung". © Harald Munzinger


Einen sehr wichtigen Nebeneffekt hat der mit Leidenschaft betriebene "Hutewald" als Lernobjekt. Kindergärten und Schulen bekommen hier einen Bezug zur Natur und zur Ernährung. Zudem ist er immer wieder Ziel von Besuchergruppen – erst kürzlich mit ihren Beobachtungen rundum zufriedene Tierärzte aus Rosenheim - oder auch Familien, die gerne am Gatter mit seinem Aussichtsturm Rast machen. Fazit: Der "Hutewald" kann und soll auch keinen wirtschaftlichen Nutzen haben, erfüllt aber neben der eigenen Freude seiner Betreiber mit viel Öffentlichkeitsarbeit seinen Sinn, natürliche Lebensräume zu vermitteln.

Der Weg zum nächsten Anschauungsobjekt war für die Forstwirte aus Unterfranken kurz. Hans Hermann Nöhring ließ sie die mit 32 Metern höchste Esskastanie Bayers bestaunen, die wohl rund 110 Jahre alt und vielleicht die zweithöchste in Deutschland ist. Stolz kann man in der Region um Emskirchen und Neustadt zudem über den zweitgrößten Bestand der Esskastanie in Bayern sein, ließ Förster Käßer wissen, der das Projekt von Neuaufforstungen mit dem Baum begleitet, den einst die Römer nach Deutschland gebracht hatten. Nach Auskunft von Dr. Ludwig Albrecht – der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten begleitete die Exkursion, die unter anderem auch nach Dutzenthal führte – ist er witterungsbeständiger als die Eiche und Robinie und für den Zaun- und Palisadenbau besonders geschätzt.

Unbekannter ältester Friedwald?

Ob beim Eisenbahnbau 1865 eingesetzte Arbeiter aus Italien die Esskastanie in den Raum Emskirchen nach Franken gebracht hatten, ist eines der Rätsel, die sich um sie ranken. Dass diese Arbeiter an der Bestattungsstätte eines verstorbenen Kollegen stets eine Esskastanie gepflanzt hätten, ließe, so Förster Käßer, auf den "ältesten Friedwald" schließen. Es gibt allerdings auch die Theorie, dass Förster einst in einem Planquadrat einen Aufzuchtversuch unternommen hätten.

Wie dem auch sei, in den Gemarkungen Gunzendorf und Elgersdorf erfolgt gegenwärtig die Neuaufforstung auf vom Borkenkäfer vernichteten Nadelholzbeständen, was auch die Imker freuen wird, da Esskastanienhonig sehr beliebt ist. Dass sich Lehrberg/Blasensandstein für den Anbau besonders eignet, die Kastanie saure Böden mag und Schatten verträgt, wurden die Gäste über die "waldbaulichen Eigenschaften" informiert. Vielleicht beziehen sie eines Tages das Saatgut aus Gunzendorf, wo gegenwärtig die genetische Untersuchung von Esskastanien erfolgt und Hans Hermann Nöhring auf die Zertifizierung wartet.

In der Statistik des Landwirtschaftsamtes zur forstwirtschaftlichen Flächennutzung "versteckt" sich die Esskastanie noch unter den 15 Prozent "sonstiges Laubholz". Dominierend sind mit 31 Prozent noch die Kiefern vor den Eichen mit 26 und Fichten mit 18 Prozent. Der Anteil der Buchen liegt bei zehn Prozent. Bei einer Gesamtfläche mit 36.695 Hektar liegt der Privatwaldanteil mit 25.417 Hektar oder 69.25 Prozent mit Abstand an der Spitze. Die Kommunen bewirtschaften 8.523 Hektar – 1.5 Hektar hat Emskirchen an die Hutewaldgemeinschaft verpachtet – 2.625 Hektar der Staat. Mit 130 Hektar hat der Bundeswald nur einen verschwindend geringen Anteil von 0,35 Prozent. 

Harald J. Munzinger

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